Du bist nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: USA-Stammtisch.net - Das Forum für USA Freunde. Falls dies dein erster Besuch auf dieser Seite ist, lies bitte die Hilfe durch. Dort wird dir die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus solltest du dich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutze das Registrierungsformular, um dich zu registrieren oder informiere dich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls du dich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert hast, kannst du dich hier anmelden.

Otto

Moderator

  • »Otto« ist männlich
  • »Otto« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 9 057

Registrierungsdatum: 11. Januar 2012

Wohnort: Niederrhein

  • Private Nachricht senden

1

Freitag, 16. März 2018, 17:01

50 Jahre My Lai: Das vertuschte Massaker

Wenn es nicht das schlimmste Massaker in der Geschichte der US-Armee war, so doch das wohl bekannteste. 50 Jahre ist das Geschehen im vietnamesischen Dorf My Lai nun her, aber die Aufarbeitung ist noch lange nicht vorbei.

Zitat

Mit einer Gedenkfeier in dem vietnamesischen Dorf My Lai ist am Freitag an das dortige Massaker durch amerikanische Truppen vor 50 Jahren erinnert worden. An der Veranstaltung nahmen etwa tausend Menschen teil, darunter auch einige Überlebende sowie ehemalige Soldaten aus den USA.
In My Lai wurden am 16. März 1968 innerhalb weniger Stunden mehr als 500 Zivilisten von einer Einheit der US-Armee getötet, darunter auch viele Frauen und Kinder.
Das Massaker gilt als eine der schlimmsten Bluttaten in der Geschichte der amerikanischen Armee. Bekannt wurde es erst nach mehr als einem Jahr. Mit einer einzigen Ausnahme kamen alle Soldaten straffrei davon.

Vietnam-Krieg endete1975
Der damalige Kommandeur William Calley Jr. musste dreieinhalb Jahre Hausarrest verbüßen. Das Massaker von My Lai trug aber dazu bei, dass sich die Stimmung in den Vereinigten Staaten gegen den Einsatz von amerikanischen Truppen in Südostasien drehte.
Der Vietnam-Krieg endete dann 1975 mit dem Abzug der Amerikaner. Heute ist das ehemals geteilte Land wieder vereint. Vietnam ist einer der wenigen kommunistischen Einparteienstaaten, die es noch gibt. Nach der wirtschaftlichen Öffnung vor mehreren Jahren gehört das 95-Millionen-Einwohner-Land zu den Boomstaaten in der Region.

Das vertuschte Massaker: 50 Jahre My Lai
Als das Grauen über sein Dorf kam, in der Gestalt von amerikanischen Soldaten, war Pham Thanh Cong ein kleiner Junge. Ein Schüler von elf Jahren, der zusammen mit seinen Eltern, drei Schwestern und einem Bruder in einem kleinen Nest in Vietnam wohnte, einem Ort namens My Lai, dessen Name schon ein paar Kilometer weiter niemand mehr kannte. Dann kam der 16. März 1968. An dessen Ende waren mehr als 500 Menschen tot. Alles Vietnamesen. Alles Zivilisten. Alle massakriert von Angehörigen der US Army.
Heute, ein halbes Jahrhundert später, ist My Lai ein Name, den man immer noch in der ganzen Welt kennt: Sinnbild für schlimmste Kriegsverbrechen, vielleicht sogar das bekannteste, das US-Soldaten je verübten - auch wenn es im Vietnam-Krieg nicht das einzige Massaker war. Von den Congs überlebten nur der kleine Pham und sein Vater, der während des Überfalls draußen auf dem Feld war. "Vergessen kann ich nicht", sagt Pham heute, mit 61. "Aber wir versuchen, den Amerikanern zu verzeihen und in die Zukunft zu schauen."

Company C, 1. Bataillon, 20. Infanterieregiment, 11. Brigade, 23. Infanteriedivision
Am Morgen jenes Tages war der Krieg in Vietnam schon viele Jahre alt. Seit Mitte der 1950er Jahre war das Land in zwei Hälften geteilt, in einen kommunistischen Norden und einen autoritär regierten Süden, den die USA in ihrer Angst vor einem Sieg des Kommunismus unterstützten, mit Bomben und mit Gift aus der Luft und auch mit Kampftruppen am Boden. 1968 standen mehr als 400.000 amerikanische Soldaten im Land.
200 von ihnen - die Company C, 1. Bataillon, 20. Infanterieregiment, 11. Brigade, 23. Infanteriedivision - werden an jenem Frühlingsmorgen mit Hubschraubern in der Nähe der Küste abgesetzt, ein paar hundert Meter landeinwärts. Offizieller Befehl: ein Kampfbataillon der Vietcong-Guerilla aufzuspüren. Das Kommando der "Company Charlie" führt ein Mann namens William Calley Jr., der 1964 noch wegen eines Gehördefekts von der Army abgelehnt wurde.

Skalpiert und in Stücke gehackt
Bei ihrer Ankunft in My Lai stoßen die Amerikaner allerdings auf keinen einzigen Bewaffneten. Vom Vietcong nirgends eine Spur. Was sie finden: alte Männer - die meisten jungen sind bei der Feldarbeit -, Frauen, Schwangere, Kinder und Babys. Und sie begehen Grausamkeiten, die man sich kaum vorstellen kann. Die Leute werden erschossen, erschlagen, erstochen. Skalpiert, in Stücke gehackt, mit Handgranaten in die Luft gesprengt.
Die Congs flüchten in einen Unterschlupf, den der Vater im Garten gegraben hat: ein Loch im Boden, mit Bambus abgestützt und dann wieder mit Erde bedeckt. Eine Weile lang hält ihr Versteck, aber dann werden auch sie entdeckt. Erst holen die Amerikaner die Familie heraus, dann schicken sie sie wieder zurück. Als alle drin sind, wirft einer von ihnen eine Handgranate hinein.

Blutrausch von My Lai dauerte vier Stunden
Pham, der ganz hinten sitzt, ist der einzige, der überlebt. Bis sein Vater vom Feld zurück kommt, wird es Nachmittag. So lang muss er es in dem Loch mit der toten Mutter und den toten Geschwistern aushalten. Oder mit dem, was von ihnen übrig geblieben ist. Der Vater gräbt dann ein notdürftiges Grab, nimmt den Sohn auf den Rücken und rennt davon. Ein paar Monate später stirbt auch er. Pham ist jetzt der Einzige.
Vier Stunden dauert es, bis der Blutrausch von My Lai vorbei ist. Am Ende, so steht es heute in den Büchern, sind 504 Menschen tot. Auf die US-Soldaten wird kein einziger Schuss abgegeben. Keiner. Bis heute ist nicht endgültig geklärt, was die Amerikaner so entfesselt hat. Als entnervt werden sie beschrieben, als anhaltend gepiesackt vom Vietcong, begierig auf Bestätigung und Ruhm.

Massaker über eineinhalb Jahre nicht bekannt
Unmittelbar vor My Lai erging vom US-Oberkommando der Befehl, den Feind "unnachgiebig" unter Druck zu setzen. General William Westmooreland hob den Schutz von Zivilisten vorübergehend auf, Historiker interpretierten das als Einladung zu nackter Willkür. Auf die Frage, ob Frauen und Kinder nun tatsächlich Feinde seien, gibt es nur eine unklare Antwort. Damit, so heißt es heute, wurde dem Massaker Tür und Tor geöffnet.
Doch anfangs erfährt kaum jemand von dem Grauen. Es dauert eineinhalb Jahre, bis der Blutrausch an die Öffentlichkeit kommt, bis das Lügengebäude des Weißen Hauses einbricht. Entscheidend sind Briefe des Hubschrauber-Bordschützen Ronald Ridenhour an US-Politiker. Und die Arbeit des US-Journalisten Seymour Hersh, der damit weltberühmt wird.
In der öffentlichen Wahrnehmung in den USA ist das ein Wendepunkt. Mit My Lai beginnt das bereits rissige Bild der eigenen Truppen als Kämpfer für das Gute endgültig zusammenzubrechen: amerikanische Soldaten als Schlächter, als Kriegsverbrecher, als entfesselte Soldateska. Aber erst mit dem Abzug aus Saigon (heute: Ho-Chi-Minh-Stadt) 1975 ist der Vietnam-Krieg für die USA vorbei.

"Die Soldaten haben Unmenschliches getan. Ich weiß nicht, warum"
Wegen des Massakers erhebt die amerikanische Justiz 24 Anklagen. Verurteilt wird jedoch nur ein nur einziger: Calley. Nach dreieinhalb Jahren Hausarrest kommt er frei. In Umfragen fanden damals vier von fünf Amerikanern schon den Schuldspruch falsch. Einige sagten, Calley habe nur seinen Job gemacht. Für andere war er ein Sündenbock für ein viel größeres Versagen der Generäle und der US-Regierung.
Mehr als 40 Jahre wird es dauern, bis Calley sich entschuldigt. Im Jahr 2009 sagt er, es vergehe kein Tag, an dem er das Geschehen von My Lai nicht bereue. Pham Thanh Cong, der Vietnamese, meint dazu: "Die Soldaten haben Unmenschliches getan. Ich weiß nicht, warum." Viele Jahre lang setzte er sich als Direktor des Museums von My Lai dafür ein, dass die Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten.
Inzwischen steht in dem Dorf auch ein steinernes Denkmal: eine Frau mit einem toten Kind im linken Arm, die rechte Faust trotzig nach oben gereckt. So stellt sich das vereinte Vietnam - einer der wenigen kommunistischen Einparteienstaaten, die es heute noch gibt - Erinnerung vor. Jetzt soll, als Zeichen der Versöhnung, noch ein "Friedenspark" gebaut werden.

Link
USA 1980 - Florida 1989 - Südwesten 2004 - West-Kanada 2005 - Südwesten 2008 - Florida 2009 - Südstaaten 2009
Bei wahrscheinlich USA-Stammtisch Treffen dabei gewesen
Schöne Grüße
Otto