Du bist nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: USA-Stammtisch.net - Das Forum für USA Freunde. Falls dies dein erster Besuch auf dieser Seite ist, lies bitte die Hilfe durch. Dort wird dir die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus solltest du dich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutze das Registrierungsformular, um dich zu registrieren oder informiere dich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls du dich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert hast, kannst du dich hier anmelden.

Otto

Moderator

  • »Otto« ist männlich
  • »Otto« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 8 482

Registrierungsdatum: 11. Januar 2012

Wohnort: Niederrhein

  • Private Nachricht senden

21

Montag, 5. Oktober 2015, 21:26

New Braunfels und das sterbende “Texas-Deutsch'

Zitat

"German -American Day" in den USA: In diesem Jahr steht er ganz im Zeichen von 25 Jahren Deutsche Einheit. Sogar Bundespräsident Joachim Gauck reist deshalb in die USA und trifft dort am Dienstag Präsident Obama. Denn immerhin rund 50 Millionen Menschen bekennen sich in den USA zu ihren deutschen Wurzeln. Aber nur wenige sprechen heute auch deutsch. Selbst in einer Siedlung wie Bew Braunfels in Texas werden es immer weniger. USA-Korrespondent Andreas Horchler hat sich ein Bild der Lage gemacht.

Es gibt sie noch, ein paar Spuren, die auf die ursprünglichen Siedler von New Braunfels hinweisen: Im Kiosk kann man die "Herald-Zeitung" kaufen, die allerdings bis auf das Wort "Zeitung" komplett englisch ist. Die "Bäckerei Nägelin" bietet für amerikanische Verhältnisse außerordentlich reichhaltige deutsche Backwaren. "Ludwigs Leather" hat in den vergangenen 100 Jahren vom Gürtel bis Pferdesattel alles aus Leder hergestellt, jetzt macht die Firma dicht. Beliebt sind in der Texas-Stadt vor allem mexikansiche Burritos, "Geppards Chili Powder" macht die Saucen dafür. Und dann steht da noch ein "Friesenhaus", ein Flachbau mit Pseudofachwerk. Und es gibt das "Hotel Schmitz", den Wasserpark "Schlitterbahn", das "Wurstfest" und die wenig authentische Volksmusik – aber die deutsche Sprache ist verloren gegangen.

Die Kuh ist über die Fence gejumpt"
In einem Museum versucht die 87-jährige Martha Schwab, an die Wurzeln des Ortes zu erinnern. Die ersten Siedler kamen aus Mittelhessen. "New Braunfels wurde am 21.3.1845 gegründet, Prinz Karl überquerte damals den Guadeloupe-Fluss. Außer Indianern hatte niemand in der Gegend gelebt", erzählt sie.
Der Sprachforscher Hans Boes von der nahegelegenen Universität Austin ist fasziniert vom Texas-Deutsch-Kauderwelsch, das ihm vor vielen Jahren dort begegntete. Inzwischen spricht das kaum noch jemand. Boes Lieblingsworte: "Gestern sind wir nach Friedrichsburg gemoved. Die Kuh ist über die Fence gejumpt." Fest steht: der "Deutsch-Texas"-Dialekt gerät in Vergessenheit.
Nach dem ersten Weltkrieg galt Deutsch als die Sprache des Feindes, die meisten sprachen nicht mehr Deutsch mit ihren Kindern. Hinzu kam die Demographie, weiß Martha Schab zu berichten: "Als ich den Highschoolabschluss machte, lebten im Landkreis 10.000 Menschen. Inzwischen sind es 100.000." Da sind die Deutschen klar in der Minderheit. Nur noch ein paar wenige Hundert sprechen noch Deutsch-Texas. Hans Boes hat sich deshalb zur Aufgabe gemacht, die Worte, die noch geläufig sind, zu archivieren.

Link
USA 1980 - Florida 1989 - Südwesten 2004 - West-Kanada 2005 - Südwesten 2008 - Florida 2009 - Südstaaten 2009
Bei wahrscheinlich USA-Stammtisch Treffen dabei gewesen
Schöne Grüße
Otto

Otto

Moderator

  • »Otto« ist männlich
  • »Otto« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 8 482

Registrierungsdatum: 11. Januar 2012

Wohnort: Niederrhein

  • Private Nachricht senden

22

Dienstag, 10. November 2015, 18:34

Der deutscheste Ort in den USA

Zitat

Irgendwo in Texas: Die "Vereinskirche" steht am "Marktplatz", der "Biergarten" ist gleich gegenüber dem Restaurant "Lindenbaum". In wohl keiner amerikanischen Stadt ist das deutsche Erbe so sichtbar wie in Fredericksburg - im Volksmund deshalb auch "Fritztown". Sehen Sie den Ort auch in unserer Foto-Show.

Menschen aus den ganzen USA kommen, um sich den Ort anzuschauen. Nach dem Leitmotiv "Texanische Gastfreundschaft, deutsche Kultur" will man die deutschen Wurzeln bewahren.
Das Nationale Museum für den Pazifikkrieg Museum steht am "Nimitz-Platz" - nicht "Square", wie sonst in den USA. Der Antiquitätenladen heißt "Der alte Fritz" und wer ein Zimmer sucht, findet vielleicht etwas im "Gästehaus Schmidt".
Adlige gründeten deutsche Siedlungen in den USA
Warum ist Fredericksburg so deutsch? "Weil die deutschen Einwanderer hier sehr gute Bedingungen fanden", erklärt Michael W. Hagee, der Direktor des Museums am "Nimitz-Platz". "Und weil der Adelsverein sie schützte und unterstützte," ergänzt er.
Der Verein war eine Initiative von Adligen, die deutsche Siedlungen in Texas gründeten. "Allen voran ging Baron Otfried von Meusebach", sagt Hagee. "Er legte hier zwar den Adelstitel ab, nicht aber die Attitüde eines Adligen." Den Deutschen schien es zu gefallen.

Fredericksburg hat eigenen deutschen Dialekt
In Fredericksburg hat sich damals sogar eine eigene Sprache entwickelt. "Es ist ein Mix verschiedener deutscher Dialekte, aber mit dem Stand der 1840er Jahre," sagt Fredericksburgs Bürgermeisterin Linda Langerhans. Kam etwas Neues hinzu, musste ein eigenes Wort erfunden werden. "Ein Flugzeug ist zum Beispiel ein 'Luftschiff'." Und was andere Amerikaner "Skunk" (Stinktier) nennen, heißt hier "Stinkkatze". Texas German ist ein Leckerbissen für Sprachforscher.
Ein Test auf der Main Street, gleich am "Stadt Friedhof". Wie reagieren die Texaner, wenn man ihnen ein freundliches "Guten Tag!" zuruft. "Guden Tack", ruft eine Frau lachend zurück und setzt, auf Englisch, hinzu: "Das ist aber alles Deutsch, was ich kann."
Daniel (29) reagiert auf das "Guten Tag!" mit einem englischen "Kann ich helfen? Suchen Sie etwas?". Dann bedauert auch er, dass es mit dem Deutschen nicht weit her ist. "Meine Großeltern sprachen das noch fließend. Bei mir würde es vielleicht noch reichen, ein Bier zu bestellen."
Ungewöhnlich für die USA: Weihnachtsgeschenke am 24.12.
Auch die Bürgermeisterin fürchtet, dass ihre Generation als letzte Texas German spricht. "Es hat zwei Weltkriege überstanden, aber die Zuzüge aus anderen Teilen der USA oder aus Lateinamerika verdrängen es jetzt." Aber so wie sie noch einige Möbelstücke hat, mit denen ihre Vorfahren vor fast zwei Jahrhunderten kamen, so hält sie auch die Tradition hoch. "Und das macht jeder hier, selbst wenn er kein Deutsch mehr spricht. Es macht uns einzigartig und deshalb kommen jedes Jahr Hunderttausende Menschen zu uns."
Für die Kinder hat alles noch einen besonderen Vorteil: Überall in den USA bekommen sie am Morgen des 25. Dezember die Weihnachtsgeschenke. "Bei uns nicht", sagt Langerhans lächelnd, "bei uns ganz deutsch schon am Abend vorher."

Link
USA 1980 - Florida 1989 - Südwesten 2004 - West-Kanada 2005 - Südwesten 2008 - Florida 2009 - Südstaaten 2009
Bei wahrscheinlich USA-Stammtisch Treffen dabei gewesen
Schöne Grüße
Otto

Otto

Moderator

  • »Otto« ist männlich
  • »Otto« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 8 482

Registrierungsdatum: 11. Januar 2012

Wohnort: Niederrhein

  • Private Nachricht senden

23

Donnerstag, 19. November 2015, 18:53

Deutsche Migration
Lieber Sklaven in Amerika als Bürger in Schwaben

Zitat

Die Diskussion um ein Freihandelsabkommen wie TTIP ist nicht neu. Schon im 19. Jahrhundert brachte sie Friedrich List auf, als er die Not der Auswanderer untersuchte. Seine Lösung: ein Zollverein.

Deutschland stand im Bann einer Völkerwanderung. Nur weg, lautete die Devise für alle, die noch genügend Geld zusammenkratzen konnten, um nach Amerika zu gehen. Im Jahr 1816 waren es allein im Königreich Württemberg gut 15.000, die ihr Glück in Übersee suchten. Von Heilbronn aus schifften sie sich ein, auf Kähnen erst den Neckar hinunter, dann über den Rhein bis zu den Nordseehäfen und von dort mit den Dreimastern über den Atlantik.
Der König war in Sorge. Warum wollte ihn sein Volk verlassen, fleißige, junge Menschen, was waren die Beweggründe? Er beauftragte seinen Minister Karl von Koerner mit einer Untersuchung. Und der schickte im April 1817, als eines Tages wieder 700 in Heilbronn die Barkassen besteigen wollten, einen jungen Oberrevisor in die Neckarstadt: Friedrich List. Er solle die Auswanderer befragen.
Viele Gründe kamen bei Lists Erhebung zusammen, aber sie liefen fast alle auf dasselbe hinaus: die Teuerung, die Bedrückungen durch die Beamten und Schultheiße, Schreibergebühren, Abgaben jeder Art an den Adel, Arbeitslosigkeit. Über eine Gruppe Auswanderer schrieb List mutig in seinem Bericht an den König: "Sie wollen lieber Sklaven in Amerika sein als Bürger in Weinsberg."

Mehr:
Link
USA 1980 - Florida 1989 - Südwesten 2004 - West-Kanada 2005 - Südwesten 2008 - Florida 2009 - Südstaaten 2009
Bei wahrscheinlich USA-Stammtisch Treffen dabei gewesen
Schöne Grüße
Otto

Rentacop

American

  • »Rentacop« ist männlich

Beiträge: 918

Registrierungsdatum: 26. November 2015

Wohnort: Orange County

Beruf: Patrolman

  • Private Nachricht senden

24

Donnerstag, 26. November 2015, 12:20

Ist zwar schon ein ä

Ist zwar schon ein älterer Thread, aber ich möchte den dennoch nochmals aufgreifen-

Meine Familie stammt ursprünglich aus dem heutigen Hessen und folgte im 18. Jahrhundert der Einladung, das jetzige Grenzgebiet zwischen der Tschechischen Republik und Polen zu besiedeln. 1946 wurden sie von dort hinausgeworfen und verstreuten sich von Schweden bis Südafrika und von Österreich bis eben in die USA.
Über 50,000,000 US-Amerikaner führen ihre Herkunft auf deutscvje Einwanderer zurück. Das sind mehr als Amerikaner mit englischen und irischen Wurzeln zusammengenommen. Es sind mehr als italienische Einwanderer und sogar als hispanische Einwanderer. De facto sind die Nachkommen deutscher Einwanderer bis heute die grösste Bevölkerungsgruppe.

Aber: Die Deutschen waren nun einmal nicht die Ersten. Und die deutschen Einwanderre versuchten schon lange vor 1. oder gar 2. Weltkrieg, sich der vorherrschenden Kultur - und Sprache - anzupassen. So wurden aus vielen Müller, Schneider, Bauer, etc. eben Millers, Snyder, Taylor, Bower, Farmer, etc... Natürlich haben die politischen Ereignisse rund um 1. und 2. Weltkrieg diese Entwicklung noch vorangetrieben. Aber deutsche Einwanderer waren zu keinem Zeitpunkt grundsätzlich abgeneigt, sich in die bestehende Gesellschaft einzugliedern - im Gegenteil.

Anders als mit "Little Italy", "Chinatown", etc. entwickelte sich nie dauerhaft ein "Little Germany" o.ä.. Es gab vor 1914 wohl mehr deutsche Gruppierungen, welche sich um den Erhalt deutscher Sprache und - vermeintlich deutscher Kultur - gekümmert haben. Aber das alles fand in unterschiedlichen Formen auch so seinen Einzug un die Amerikanische Alltagskultur, zu welcher heute eben Sauerkraut, Bratwurst, Lager, Hamburger, dutzende andere deutsche Wörter, usw. ganz selbstverständlich gehören.

Link auf eine Karte
(Link geändert/Otto)

Dass es jemals eine Abstimmung darüber gab, ob Deutsch Amtssprache in den USA werden sollte, ist ein Gerücht. Es gibt bis heute keine offizielle Amtssprache in den USA.

sheikra

uʍop epısdn

  • »sheikra« ist männlich

Beiträge: 3 206

Registrierungsdatum: 13. Januar 2012

Wohnort: mittendrin hier und da

Beruf: Coasterfan

  • Private Nachricht senden

25

Donnerstag, 26. November 2015, 12:40

Das ist ja mal eine interessante Ausfuehrung. Kenne zwar die Geschichte der Hessen in Texas aber so hab ich die deutsche Einwanderung noch nicht gesehen.
half of my is in Florida

--------------------------------------
Bei einigen netten Treffen dabei ^^
4th of July Firework Nach Norden und dann immer geradeaus Florida 2012 New York

26

Donnerstag, 26. November 2015, 13:00

Das 17. Bundesland ist bekanntlich Mallorca... Da haben wir also Nr.18 auch schon am Start :8o:

Rentacop

American

  • »Rentacop« ist männlich

Beiträge: 918

Registrierungsdatum: 26. November 2015

Wohnort: Orange County

Beruf: Patrolman

  • Private Nachricht senden

27

Donnerstag, 26. November 2015, 13:55

Das ist ja mal eine interessante Ausfuehrung. Kenne zwar die Geschichte der Hessen in Texas aber so hab ich die deutsche Einwanderung noch nicht gesehen.


Link auf eine Karte
(Link geändert/Otto)

Manchmal kommt die Frage auf, warum zwar zehntausende Amerikaner japanischen Ursprungs wärend des 2. Weltkriegs interniert wurden, aber keine deutschen Ursprungs. Die simple Antwort: Es wären zu wenige "Amerikaner" übrig geblieben.

Der Kommandant der US Army Air Force, Carl Andrew Spaatz, der für die Bomber-Einsätze über Deutschland verantwortlich war, hat seinen Namen von Spatz auf Spaatz geändert (um Unklarheiten wegen der Aussprache zu begegnen). Woher der Familienname "Spatz" stammt, ist wohl offensichtlich. Andere wichtige Kommandanten hiessen Arnold, Vandenberg, Von Karmen und nicht zuletzt: Eisenhower (http://genealogy.about.com/library/surna…-EISENHOWER.htm)

Im Krieg gegen Nazi-Deutschland wären die USA mehr oder weniger entvölkert dagestanden, wenn Nachkommen deutscher Einwanderer interniert worden wären. Damals war der prozentuelle Anteil Deutschstämmiger an der US-Gesamtbevölkerung noch wesentlich höher als heute.

Aber abgsehen von diesem leidigen Kpitel der Weltgeschichte, sind die Deutschstämmigen auch heute noch ein bestimmender Faktor der US-Gessellschaft und US-Kultur. Natürlich haben - speziell eben seit den 1930ern - auch viele deutschstämmige mit jüdischen Wurzeln einen wesentlichen Anteil an der US-Geseelschaft und Kultur gewonnen. Smuel "Billy" Wilder, ein geborener Ungarn-Österreicher, Heinz Alfred Kissinger, ein geborener Bayer, Frederick Austerlitz (Fred Astaire), Sohn Ost-Preussischer Einwanderer, Dwight D. Eisenhower (geb. Eisenhauer), Nachkomme deutscher Einwanderer aus Karlsbrunn u.v.a. haben die USA, die US-Politik und die US- und Welt-Kultur geprägt.
Deren Verdienste liegen nicht an der Zugehörigkeit zu einer Einwanderergruppe oder einem Volk, sondern an deren individuellen Talenten. Aber es ist durchaus wert darauf hinzuweisen, dass diese Personen eben nicht aus den omnipräsenten Englischen, Irischen oder Italienischen Immigrantengruppen stammen.

Otto

Moderator

  • »Otto« ist männlich
  • »Otto« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 8 482

Registrierungsdatum: 11. Januar 2012

Wohnort: Niederrhein

  • Private Nachricht senden

28

Montag, 28. Dezember 2015, 19:08

Neukirchen-Vluyn: Die Hochkammers aus den USA

Zitat

Friedhelm Hochkamer pflegt den Kontakt zu den Verwandten, die vor fünf Generationen der Armut ihrer Heimat entkamen.

Die alljährliche Weihnachtspost hat Friedhelm Hochkamer schon bekommen. Dass die Enkel die Schule erfolgreich beendet haben, schreibt ein gewisser William, dass es beruflich gut läuft und die inzwischen betagteren Eltern regelmäßig Arznei nehmen – was sich Familien zu Weihnachten eben mitteilen, die weiter entfernt voneinander leben. Das Besondere: Der Absender schreibt aus den USA, heißt Hochkammer und ist Nachfahre von Friedhelms zweifachen Urgroßonkel Johann, der vor fünf Generationen von Hochkamer aus nach Amerika ausgewandert ist.

Friedhelm Hochkamer, 66 Jahre alt und Rentner, hat inzwischen die lange Geschichte seiner Familie akribisch erforscht und in einem umfangreichen digitalen Stammbaum festgehalten. Der Aufbruch des damals 36-jährigen Johann Hochkamer mit Ehefrau Elisabeth, geborene Grohuesch, vollzog sich 1849. Nachbarn waren vorausgegangen und hatten in Briefen vom milden Klima in Wisconsin am Michigan-See im Norden der USA geschwärmt, wo das Vieh selbst im Winter Futter auf den Weiden finde: „Kommt so schnell wie möglich nach“, heißt es da. „Die Leute waren Tagelöhner“, weiß Friedhelm Hochkamer, „die waren sehr arm und haben ihre Heimat aus Not verlassen.“

Ganz offensichtlich haben sie es im „gelobten Land“ besser angetroffen. Farmer sind mehrere von ihnen bis heute, einer ist Feuerwehrchef, ein anderer Bürgermeister. Der Autor des Weihnachtsbriefes, William O. Hochkammer (70), gehört zu den angesehensten Anwälten in Detroit,

Johanns Zwillingsbruder Peter blieb der heimischen Scholle auf dem Hochkamer Hof treu. Er war der Urururgroßvater von Friedhelm Hochkamer, der nur einen Steinwurf entfernt auf dem ehemaligen Rümelchen Hof am Vinnmannsweg aufwuchs. Kontakt zu den Auswanderern gab es nicht – bis 1982. Damals tauchte auf dem Rümelchen Hof ein Nachfahre der Großhueschs aus der Neuen Welt auf und erzählte von den niederrheinischen Familien im schönen Wisconsin, die bis in die 80er Jahre die Gottesdienste in deutscher Sprache abhielten.

Lange dauerte es nicht, bis Friedhelm Hochkamer zu den Hochkammers in Übersee Kontakt hatte: „Es ist irgendwie verrückt, aber bei den ersten Begegnungen kamen wir uns gar nicht wie Fremde vor“, erzählt er. Die amerikanischen Hochkammers besuchen gern den Ursprungsort ihrer Familie. Wo sich jeder von ihnen fotografieren lässt, versteht sich von selbst: an der Hochkamer Straße vor dem Ortseingangsschild „Hochkamer“.

Link

Nach Hochkamer kann ich von hier aus fast hinspucken.:zwinker:
USA 1980 - Florida 1989 - Südwesten 2004 - West-Kanada 2005 - Südwesten 2008 - Florida 2009 - Südstaaten 2009
Bei wahrscheinlich USA-Stammtisch Treffen dabei gewesen
Schöne Grüße
Otto

Rentacop

American

  • »Rentacop« ist männlich

Beiträge: 918

Registrierungsdatum: 26. November 2015

Wohnort: Orange County

Beruf: Patrolman

  • Private Nachricht senden

29

Montag, 28. Dezember 2015, 23:42

ohne die genauen Zahlen zu kennen war mir die Tatsache dennoch bekannt. Als abgestimmt wurde, welche Sprache die offizielle Landessprache sein soll, ist seinerzeit deutsch nur knapp unterlegen.


Diesen Kommentar von 2013 hab' ich erst jetzt gelesen - und trotzdem noch einmal ausgegraben... :huh:

Grund: Die Geschichte (aka: "Mühlenberg Legende") hält sich hartnäckig, ist aber falsch.

Es gab niemals eine Abstimmung, welche Sprache "offizielle Landessprache" der USA werden soll. Es gibt in den USA bis heute gar keine offizielle Landessprache oder "Amtssprache".

Der wahre Kern der Geschichte ist, dass es in einer auf Pennsylvania beschränkten Abstimmung darum ging, ob gewisse Gesetze auch auf Deutsch veröffentlicht werden sollten (eben wegen der zahlreichen Einwanderer damals).

Übrigens: Man kann in Kalifornien seine Führerscheinprüfung durchaus auch in Deutsch ablegen und es gibt sogar entsprechendes, deutschsprachiges Lernmaterial ganz offiziell vom DMV dafür. (allerdings auch in mindestens einem Dutzend anderer Sprachen).

"Deutsche" Ausdrücke, Worte und Wortwurzeln finden sich zu Hunderten im Amerikanischen Englisch. Englisch besteht ohnehin zum überwiegenden Teil aus Latein, diversen nordischen Sprach-Einflüssen, Alt-Deutsch, Alt-Französischund zunehmend Spanisch. Die Sprachen haben sich schon immer vermischt - so wie die Menschen - und tun das natürlich auch heute andauernd.

Otto

Moderator

  • »Otto« ist männlich
  • »Otto« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 8 482

Registrierungsdatum: 11. Januar 2012

Wohnort: Niederrhein

  • Private Nachricht senden

30

Mittwoch, 20. Januar 2016, 19:34

Carl Schurz
Wie ein Deutscher zum US-Staatsmann wurde

Zitat

Der 1848er-Revolutionär Carl Schurz flüchtet in die USA - und bringt es bis zum General und Minister. Seine Memoiren schildern eine furiose Karriere.

Mehr:
Link
USA 1980 - Florida 1989 - Südwesten 2004 - West-Kanada 2005 - Südwesten 2008 - Florida 2009 - Südstaaten 2009
Bei wahrscheinlich USA-Stammtisch Treffen dabei gewesen
Schöne Grüße
Otto

Otto

Moderator

  • »Otto« ist männlich
  • »Otto« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 8 482

Registrierungsdatum: 11. Januar 2012

Wohnort: Niederrhein

  • Private Nachricht senden

31

Montag, 25. Januar 2016, 18:43

Als Deutsche die Integrationsverweigerer waren

Zitat

Die deutsche Masseneinwanderung in die USA provozierte im 18. Jahrhundert Überfremdungsängste. Amerikas Regierung sei in Gefahr. Erst ein Deutschstämmiger wies den Weg zur erfolgreichen Integration.

Mehr:
Link
USA 1980 - Florida 1989 - Südwesten 2004 - West-Kanada 2005 - Südwesten 2008 - Florida 2009 - Südstaaten 2009
Bei wahrscheinlich USA-Stammtisch Treffen dabei gewesen
Schöne Grüße
Otto

Otto

Moderator

  • »Otto« ist männlich
  • »Otto« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 8 482

Registrierungsdatum: 11. Januar 2012

Wohnort: Niederrhein

  • Private Nachricht senden

32

Sonntag, 3. April 2016, 20:47

Buch der Woche
Carl Schurz: Lebenserinnerungen

Zitat

Mit Bismarck bekannt, mit Twain befreundet und von Lincoln geschätzt: Carl Schurz war ein Märzrevolutionär, Vollblutrepublikaner und Emigrant, der in Amerika zum Innenminister aufstieg. In seinen Memoiren schildert er seine Lehr- und Wanderjahre - und sein politisches Vermächtnis.

Mehr:
Link
USA 1980 - Florida 1989 - Südwesten 2004 - West-Kanada 2005 - Südwesten 2008 - Florida 2009 - Südstaaten 2009
Bei wahrscheinlich USA-Stammtisch Treffen dabei gewesen
Schöne Grüße
Otto

Otto

Moderator

  • »Otto« ist männlich
  • »Otto« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 8 482

Registrierungsdatum: 11. Januar 2012

Wohnort: Niederrhein

  • Private Nachricht senden

33

Mittwoch, 13. April 2016, 19:08

Aus Westfalen in die USA ausgewandert

Zitat

Wohlstand, Freiheit, Abenteuer – das waren Hoffnungen, die 300 000 Menschen aus Westfalen im 19. und 20. Jahrhundert dazu bewegten, in den USA ein neues Leben zu beginnen. Die Ausstellung „Vom Streben nach Glück – 200 Jahre Auswanderung aus Westfalen nach Amerika“ ist in Lage zu sehen.

Mehr:
Link
USA 1980 - Florida 1989 - Südwesten 2004 - West-Kanada 2005 - Südwesten 2008 - Florida 2009 - Südstaaten 2009
Bei wahrscheinlich USA-Stammtisch Treffen dabei gewesen
Schöne Grüße
Otto

Otto

Moderator

  • »Otto« ist männlich
  • »Otto« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 8 482

Registrierungsdatum: 11. Januar 2012

Wohnort: Niederrhein

  • Private Nachricht senden

34

Donnerstag, 2. Februar 2017, 19:56

Auf der Suche nach dem gelobten Land

Zitat

Lupold von Lehsten über Wirtschaftsflüchtlinge aus Deutschland im 19. Jahrhundert

Donald Trumps Großvater war ein Wirtschaftsflüchtling aus Deutschland. Aus der Pfalz, genauer gesagt, von wo aus er Ende des 19. Jahrhunderts nach Amerika aufbrach. Das Interessante: Friedrich Trump war illegal ausgewandert. Der damals 16-Jährige wollte sich vor der Wehrpflicht drücken. Eine offizielle Erlaubnis hatte er nicht.
Als er Jahre später zurückkehren wollte, auch auf Drängen seiner Frau, hat man ihm die Wiedereinbürgerung verwehrt: Er hatte sich nicht ordnungsgemäß abgemeldet. Außerdem fehlte der Militärdienst. Der Opa wurde ausgewiesen. Im Juli 1905 fuhr er wieder zurück in die USA. Drei Monate später ist in New York der Vater des amtierenden US-Präsidenten geboren worden.

1816 – das Jahr ohne Sommer

Ironie der Geschichte: Ohne die Hartnäckigkeit der deutschen Behörden gäbe es heute keinen Trump im Weißen Haus. Auf solche Art Spekulationen wollte sich Dr. Lupold von Lehsten im PiPaPo-Kellertheater nicht einlassen. Der Historiker blieb bei den harten Fakten und wissenschaftlich belegbaren Zusammenhängen. In seinem spannenden Vortrag über die deutschen Migrationsbewegungen im 18. und 19. Jahrhundert betonte er: Die Abwanderung von deutschem Boden hatte allein wirtschaftliche und soziale Gründe. Hunderttausende suchten im Ausland ein besseres Leben. Sie flohen nicht vor Religion, Krieg oder Verfolgung, sondern vor den schlechten Bedingungen in ihrer Heimat.

Es war ein Rückblick mit starkem Realitätsbezug, zu dem der Förderkreis Kleinkunst & Kultur eingeladen hatte. Von Lehsten skizzierte die gesellschaftliche und soziale Situation und die wichtigsten Ziele der damaligen Auswanderer. Der Vortrag beleuchtete die sozio-ökonomischen Ursachen im Spiegel wissenschaftlicher Migrations-Theorien: etwa eine als unbefriedigend empfundene Situation in der Heimat und/oder das verlockende Bild von Sicherheit und Wohlstand in der Fremde.

Beide Faktoren spielten wohl ineinander in diesem besonderen „Jahr ohne Sommer“ 1816, als West- und Südeuropa von einer enormen Kältewelle heimgesucht wurde. Als Hauptursache gilt der Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora im April 1815, dessen Staub und Asche in die Atmosphäre stieg und die Sonne jahrelang massiv verdunkelt hatte. Die Abkühlung des Weltklimas hielt bis 1819 an. Es kam zu Ernteeinbußen, Überschwemmungen, Hungersnöten. Die Getreidepreise explodierten. Von Lehsten unterstreicht: „Die Folgen sind bis heute sichtbar.“

Blick zurück: Eine Flüchtlingskrise hat Europa fest im Griff. Eine riesige Zahl von Wirtschaftsflüchtlingen macht sich auf eine ungewisse Reise in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die einen marschieren zu Fuß, andere besteigen ein Schiff. An ihren Zielorten müssen sich die Auswanderer in Quarantäne begeben oder sich mit strengen Aufnahmeregularien herumschlagen. Ein Teil der Flüchtlinge wird ihr gelobtes Land nie erreichen. Die es schaffen, schicken enthusiastische Nachrichten aus der neuen Heimat in die alte. Viele lassen Angehörige nachreisen. Klingt wie 2016, ist aber 200 Jahre her. Zwischen 1855 und 1885 verlassen bis zu 250 000 Menschen jährlich das Land.

Link
USA 1980 - Florida 1989 - Südwesten 2004 - West-Kanada 2005 - Südwesten 2008 - Florida 2009 - Südstaaten 2009
Bei wahrscheinlich USA-Stammtisch Treffen dabei gewesen
Schöne Grüße
Otto

Otto

Moderator

  • »Otto« ist männlich
  • »Otto« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 8 482

Registrierungsdatum: 11. Januar 2012

Wohnort: Niederrhein

  • Private Nachricht senden

35

Donnerstag, 2. Februar 2017, 21:02

Zuflucht für Millionen Deutsche

In New York gab es sogar die Zeitung "Der Pfälzer in Amerika"

Zitat

Deutsche zählten lange Zeit zu den größten Einwanderergruppen in den USA. Alleine in den Jahren zwischen 1850 bis 1859 waren es fast eine Million Menschen. Viele besaßen nur das, was sie auf dem Leib trugen. Ihre Ersparnisse hatten sie Werbern überlassen müssen, die ihnen eine sorgenfreie Zukunft in Amerika prophezeiten.

Und wie die Flüchtlinge unserer Zeit schafften es nicht alle in das verheißungsvolle Land. Die Überfahrt von Europa nach Amerika war mit großen Gefahren und Schwierigkeiten verbunden. Auf den Auswandererschiffen herrschten unerträgliche Verhältnisse. Und als am 13. September 1858 die "Austria" mit 538 Passagieren auf ihrer Reise von Hamburg nach New York sank, überlebten nur 89 Menschen die Katastrophe.

Unter den Emigranten jener Zeit waren zwischen 3000 und 4000 Revolutionäre. So auch der Badener Friedrich Hecker. Sie hatten an eine deutsche Revolution geglaubt. Einige waren schon in den Tagen des Hambacher Festes (1832) "wegen aufreizender Predigten und aufrührerischen Reden" aufgefallen. In den USA brachten sie es zu Ansehen, engagierten sich in der Politik, insbesondere bei der Gründung der Republikanischen Partei, gaben liberale Zeitungen heraus und kämpften im Bürgerkrieg auf der Seite der Nordstaaten gegen die Sklaverei. Und die 1884 von den aus Edenkoben stammenden Gebrüdern Völcker in New York gegründete Wochenzeitung "Der Pfälzer in Amerika" war über 30 Jahre lang ein wichtiges Medium für Tausende von pfälzischen Auswanderern.

Mit den Auswanderern verließen zahlreiche Handwerker und Intellektuelle das Land. Sie verschafften ihrer neuen Heimat einen gigantischen Vorsprung in allen technischen, philosophischen und gesellschaftlichen Bereichen. Bis zur Jahrhundertwende waren fast 5,5 Millionen Deutsche nach Amerika geströmt.

Link
USA 1980 - Florida 1989 - Südwesten 2004 - West-Kanada 2005 - Südwesten 2008 - Florida 2009 - Südstaaten 2009
Bei wahrscheinlich USA-Stammtisch Treffen dabei gewesen
Schöne Grüße
Otto

Rentacop

American

  • »Rentacop« ist männlich

Beiträge: 918

Registrierungsdatum: 26. November 2015

Wohnort: Orange County

Beruf: Patrolman

  • Private Nachricht senden

36

Freitag, 3. Februar 2017, 20:49

Guter Beitrag! :thumbup:

Otto

Moderator

  • »Otto« ist männlich
  • »Otto« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 8 482

Registrierungsdatum: 11. Januar 2012

Wohnort: Niederrhein

  • Private Nachricht senden

37

Mittwoch, 8. Februar 2017, 18:30

Der Schwabe, der Hollywood erfand

Zitat

Der deutsche Auswanderer Carl Laemmle gründete mit Universal die erste Filmstadt – und arrangierte sich mit Hitlers Zensur. Eine große Ausstellung in Stuttgart erinnert an den jüdischen Schwaben.

Vor ziemlich genau 100 Jahren, am 17. Januar 1917, fand im New Yorker Aschenbrödel-Klub in der 86. Straße eine glanzvolle Geburtstagsfeier statt. Der Aschenbrödel, ein vierstöckiger Neorenaissancepalast, bildete einen der wichtigsten Treffpunkte für deutsche Einwanderer an der Ostküste; wer dort Aufnahme fand, hatte es in der Neuen Welt geschafft.
Das Geburtstagskind hieß Carl Laemmle, und in der ihm gewidmeten Ausstellung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg hängt ein ins Unscharfe aufgeblasenes riesiges Foto des Jubilars, ein jovialer Fünfziger, umgeben von respektablen Gratulanten, Beleg eines wohlgelebten Lebens. Im weiteren Verlauf des Abends sollte die Gesellschaft zwei Lieder anstimmen: „America, I Love You“ – und „Die Wacht am Rhein“.
Eigentlich schlossen sich die patriotischen Hymnen gegenseitig aus, denn beide verlangten Loyalität, Hingabe. „From ocean to ocean, for you, my devotion“ proklamiert die eine, „So lang … noch ein Arm die Büchse spannt, betritt kein Feind hier deinen Strand“ die andere.

Wem schuldeten die Auswanderer ihre Loyalität?
Für die Deutschamerikaner dieses Abends im Aschenbrödel-Klub war dies kein Widerspruch, aber letztlich machten sie sich etwas vor. Sie entkamen diesem Loyalitätskonflikt nicht, wie ihn die Weltgeschichte zuweilen erzwingt und wie er Deutschland mit einem Trump-Amerika erneut bevorstünde.
Kein Vierteljahr später erklärten die Vereinigten Staaten dem Deutschen Reich den Krieg, nun musste jeder Farbe bekennen. Speziell Carl Laemmle konnte sich nicht drücken: Er stand an der Spitze des größten amerikanischen Filmstudios. Er hatte drei Jahre zuvor das erfunden, was bald die ganze Welt als Hollywood anhimmeln sollte.

Und so drehte Laemmles Universal „The Kaiser, Beast of Berlin“, den berüchtigtsten Propagandastreifen des Ersten Weltkriegs. „The Kaiser“ ist der Hohenzoller Wilhelm II., und der Film zeigt ihn eitel und gierig, arrogant und tyrannisch.
Kaiser Wilhelm – „The Beast of Berlin“
Das „Beast“ erwies sich als enormer Hit und befeuerte die antideutsche Stimmung im Land. In Omaha/Nebraska fuhr ein Lastwagen mit Kaiserpuppe am Galgen durch die Straßen, und ein mitgeführtes Schild versprach „allen Prodeutschen freien Eintritt“; kein Kinobesucher nahm das Angebot wahr.
Laemmles Heimatort hieß Laupheim und lag keine 50 Kilometer von dem hohenzollerschen Stammschloss entfernt. Laupheim, ein 8000-Seelen-Nest, war zur Zeit von Laemmles Geburt die größte jüdische Gemeinde Württembergs, der Jude Karl Lämmle jedoch sah für sich dort keine Zukunft.
Mit 17 bestieg er den Auswandererdampfer „Neckar“, lernte als Geschäftsführer einer Textilfirma in Wisconsin, wie man seine Ware an den Kunden bringt und beschloss kurz vor Erreichen des Schwabenalters (mit 40 wird der Schwabe gescheit), seine gesamten Ersparnisse – 3000 Dollar – in eine Zukunftsindustrie zu stecken: den Kinematografen.

Mit 40 setzte er alles aufs Spiel
Er gründete einen Verleih und besaß bald 50 Kinos – nur, der Filmnachschub konnte die Nachfrage nicht decken. Also begann Laemmle, selbst zu produzieren. Damals waren die Schauspieler nicht individuell bekannt, sondern als Kreaturen ihrer Filmfirmen, wie das „Biograph Girl“.
Der geborene Verkäufer änderte das, und so wurden seine Angestellten zu den ersten namentlich berühmten Stars des Kinos, darunter Mary Pickford und Florence Lawrence; beide kündigten allerdings, als der Schwabe ihren wachsenden Ruhm nicht honorieren wollte. Laemmle kämpfte auch gegen Edison, der alle Filmpatente aufgekauft hatte und von jedem Produzenten Prozente verlangte, und siegte letztlich vor Gericht.
Vor allem jedoch zog es ihn nach Kalifornien, in die ewige Sonne, wo schon ein paar Produzenten vor ihm angekommen waren. Doch Laemmle dachte größer, viel größer. Auf dem Gelände einer Hühnerfarm baute er nicht bloß ein Studio, sondern eine ganze Filmstadt, mit eigenem Elektrizitätswerk, Postamt, Krankenhaus, Schule und Zoo: Universal City, die Blaupause aller künftigen Studios.

Universal City war das Muster aller Filmstudios
Dies war der Carl Laemmle des Frühjahrs 1917, ein reich gewordener Einwanderer, ein respektierter Industrieführer – und ein doppelt Zerrissener zwischen Kulturkreisen. Doppelt, weil er auch den Anpassungsdruck der neuen Heimat auf seine Glaubensbrüder wahrnahm. „Seine Söhne“ heißt ein Laemmle-Film, in dem jüdische Traditionen und Werte mit der Dynamik des Kapitalismus zusammenprallen.
Einen ähnlichen Film über Deutschland und Amerika hat er nie gedreht. Kurz nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, die USA waren noch neutral, hatte er zu Spenden für die notleidenden Deutschen aufgerufen. Zehn Jahre später, als die Hyperinflation Deutschland verheerte, begann er, Laupheim massiv zu unterstützen. Er gründete Stiftungen für Kriegswitwen, Arbeitslose, Alte und Hochwassergeschädigte, er war der sprichwörtliche reiche Onkel aus Amerika.

Laemmle leistete praktische Hilfe für die Heimat, die er immer wieder besuchte, aber da muss noch etwas in ihm genagt haben, ein schlechtes Gewissen bezüglich des „Beast of Berlin“. 1929 ergriff er die Gelegenheit, den Krieg aus deutscher Perspektive zu erzählen. Er kaufte die Rechte zu Erich Maria Remarques Antikriegsroman „Im Westen nichts Neues“, und er gewann damit den Oscar, und er sollte sagen: „Wenn es etwas gibt, worauf ich stolz bin, dann auf diesen Film.“
Laemmles verhängnisvoller Kompromiss
Laemmles Tragik liegt darin, dass ausgerechnet dieser Film zum Katalysator weltweiter Zensur werden sollte. Die Nationalsozialisten sprengten die Premiere in Berlin, deutsche Zensoren bemängelten den pazifistischen Unterton – und Laemmle ließ sich auf einen verhängnisvollen Handel ein.
Im Austausch dafür, dass der Film in Deutschland doch noch zugelassen wurde, stimmte er diversen Schnitten zu. Wenig später erließ die (noch) demokratische deutsche Regierung ein Gesetz, wonach Hersteller von „deutschfeindlichen“ Filmen hierzulande generell keine Geschäfte mehr machen durften. Das bedeutete, dass Universal „Im Westen nichts Neues“ weltweit kürzen musste, denn die deutschen Konsulate von London bis Tokio berichteten peinlich genau, welche Versionen bei ihnen zu sehen waren.

Laemmle, der Geschäftsmann, der seine Einnahmen in Deutschland nicht verlieren wollte, steckte in der Falle und mit ihm ganz Hollywood. Über diesen Hebel sorgten die Nazis dafür, dass dort bis zum nächsten Krieg kein einziger auch nur annähernd deutschkritischer Film mehr entstehen konnte. Das Gleiche wiederholt sich momentan, chinakritische Filme sind von Hollywoodstudios nicht mehr zu erwarten.
Gasmaske, Handgranate, ein Stück Fleisch
Das Stuttgarter Haus der Geschichte zeigt seltene Artefakte aus „Im Westen“, eine Gasmaske, eine Handgranate, sogar ein Fleischstück aus Gips. Es gibt eine Modellfledermaus aus dem ersten „Dracula“-Film und den Schminkkoffer des ersten „Glöckner von Notre Dame“-Darstellers Lon Chaney, denn die Universal unter Laemmle war auch die Erfinderin des modernen Horrorfilms.
Es ist eine exzellent recherchierte und präsentierte Ausstellung, nur leider hat sie kein ehrgeizigeres Narrativ als jenes von dem fleißigen Landeskind, das in der Fremde sein Glück macht; man hätte sie auch „Schaffe, schaffe, Studio baue“ nennen können.
Drei Jahrzehnte dauerte die Glückssträhne Laemmles, dann musste er die Universal nach Verlusten verkaufen. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er zunehmend damit, Juden aus Hitler-Deutschland zu retten, indem er den amerikanischen Einreisebehörden garantierte, für ihren Unterhalt aufzukommen. Am Tag, als Laemmle zu Grabe getragen wurde, marschierte die deutsche Wehrmacht in Warschau ein.

Link (mit Bildern)
USA 1980 - Florida 1989 - Südwesten 2004 - West-Kanada 2005 - Südwesten 2008 - Florida 2009 - Südstaaten 2009
Bei wahrscheinlich USA-Stammtisch Treffen dabei gewesen
Schöne Grüße
Otto

Otto

Moderator

  • »Otto« ist männlich
  • »Otto« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 8 482

Registrierungsdatum: 11. Januar 2012

Wohnort: Niederrhein

  • Private Nachricht senden

38

Freitag, 31. März 2017, 17:19

Diese Ausstellung in Bochum zum Thema Auswanderung von Westfalen in die USA - "Vom Streben nach Glück" - habe ich mir mal notiert:

Zitat

„Hier lebt man besser als in Deutschland“, berichtete 1830 der Amerika-Auswanderer Peter Horn aus Pennsylvania in einem Brief an seine Eltern. Wohlstand, Freiheit, Abenteuer – das waren die Hoffnungen, die über 300.000 Menschen aus Westfalen im 19. und 20. Jahrhundert dazu bewegten, in den USA ein neues Leben zu beginnen. Die Ausstellung „Vom Streben nach Glück“, die der Landschaftsverband Westfalen vom 31. März bis 29. Oktober in seinem Industriemuseum Zeche Hannover in Bochum präsentiert, veranschaulicht diese Auswanderungsbewegung. Das Begleitprogramm reicht von Vorträgen über einen genealogischen Workshop bis zur Wild West-Show mit Cowboys und Indianern zur Nacht der Industriekultur.

Mehr dazu hier
USA 1980 - Florida 1989 - Südwesten 2004 - West-Kanada 2005 - Südwesten 2008 - Florida 2009 - Südstaaten 2009
Bei wahrscheinlich USA-Stammtisch Treffen dabei gewesen
Schöne Grüße
Otto

Otto

Moderator

  • »Otto« ist männlich
  • »Otto« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 8 482

Registrierungsdatum: 11. Januar 2012

Wohnort: Niederrhein

  • Private Nachricht senden

39

Donnerstag, 4. Mai 2017, 17:34

Amerikas Kriegseintritt 1917
Schluss mit Deutsch

Vor hundert Jahren war es mit der Sauerkraut-Kultur in den Vereinigten Staaten vorbei. Es war der radikale Abschluss eines immer schnelleren Verfallsprozesses.

Zitat


An einem Aprilabend des Jahres 1918 zog eine grölende Horde durch die Main Street von Collinsville, eine Kutschfahrt entfernt von St. Louis. In der Mitte der aufgebrachten Menschenmenge lief jesusgleich ein gefesselter splitternackter Mann, dem man zum Spott eine amerikanische Flagge umgehängt hatte. Vor seinen Füßen zerschlugen seine Peiniger deutsche Bierflaschen, so dass er durch die Scherben laufen musste. Unter Stockhieben wurde er gezwungen, patriotische Bekenntnisse auf Amerika abzulegen, während er aus der Stadt geführt wurde. Um kurz nach Mitternacht schließlich wurde der dreißig Jahre alte Robert Prager mit einem dünnen Hanfseil am Ast einer Ulme aufgehängt. Prager war sofort tot, als man den Hocker umstieß, auf dem er stand. Es brach ihm das Genick. Doch zur Belustigung der Menge zog man den angeblichen „Spion des Kaisers“ noch dreimal hinauf und herunter und zollte dabei lautstark den amerikanischen Nationalfarben Tribut: „Einmal für Rot, einmal für Weiß, einmal für Blau!“ Die zweihundert Zuschauer waren begeistert.

Das Martyrium des Dresdner Bäckers Robert Prager, der als junger Mann in die Vereinigten Staaten ausgewandert war und sich später als Bergarbeiter in den Stollen von Illinois durchschlug, war der traurige Höhepunkt des antideutschen Rausches, der mit dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten im Vorjahr begonnen hatte. Solche Hysterie und Brutalität war selten; der Generalverdacht gegenüber allen Deutschamerikanern war dagegen von April 1917 an so alltäglich wie ihre Ausgrenzung, Schikanierung und Überwachung. Die deutsche Kultur in den Vereinigten Staaten, die in den hundert Jahren zuvor gewachsen und aufgeblüht war, erlebte in kürzester Zeit einen totalen Zusammenbruch, von dem sie sich nie wieder erholt hat. Sieht man vom Oktoberfestkitsch einmal ab, ist von der deutschen Kultur in den Vereinigten Staaten so gut wie nichts mehr übrig.

Erste Weltkrieg begann. Als der Krieg endete, waren es weniger als ein Prozent aller Schüler. Deutsche Zeitungen und Schulen, Kirchengemeinden, Chöre, Sport- und Tanzvereine, Orchester und Musikschulen – all das war selbstverständlicher Teil des täglichen Lebens in vielen amerikanischen Städten, wobei es große regionale Unterschiede gab und sich bestimmte Städte und Landkreise vor allem im Mittleren Westen durch eine Art Kettenwanderung zu deutschamerikanischen Zentren entwickelt hatten. Ein „deutscher Gürtel“ zog sich um 1900 durch die amerikanische Landkarte, von Ohio im Osten bis Nebraska im Westen, von Missouri im Süden bis Wisconsin im Norden.

Liebe zur alten und zur neuen Heimat
Ein Doppelpatriotismus für das Land der Herkunft und für die neue Heimat schien lange Zeit kein Problem zu sein. Der Deutschamerikaner Carl Schurz war als Vormärz-Revolutionär ausgewandert und brachte es später in den Vereinigten Staaten zu Ruhm und Ehren. Unter Präsident Rutherford Hayes war er Innenminister; als er starb, schrieb Mark Twain einen Nachruf auf ihn. Schurz brachte das Sentiment der europäischen Auswanderer auf eine einfache Formel: Die Liebe zur alten und zur neuen Heimat, meinte er, störten einander so wenig wie die gleichzeitige Liebe zur Mutter und zur Braut. Was Schurz bei seinen allzu blumigen Worten nicht bedacht hatte, war die Voraussetzung, dass sich Mutter und Braut einigermaßen verstehen. Kratzen sich erst einmal beide gegenseitig die Augen aus, ist es mit der Liebe zu beiden Frauen schwierig. Etwa so ging es den Deutschen im April 1917. Als ihre neue Heimat in den Krieg gegen ihr Herkunftsland eintrat, war es vorbei mit dem Doppelpatriotismus. Jetzt waren klare patriotische Bekenntnisse verlangt.

Schon etwa seit den 1830er Jahren hatte es eine aufstrebende nativistische Bewegung gegeben, die Stimmung gegen Einwanderer aus Europa machte. Grund war sowohl die rasant wachsende Zahl der Einwanderer als auch manche kulturelle Eigenart, die bestimmte Gruppen mitbrachten. Im Jahrzehnt nach 1850 wuchs die Bevölkerung der Vereinigten Staaten allein durch Einwanderung um mehr als ein Zehntel. Dabei war – eine Parallele zur heutigen Situation in Europa – der Anteil der Einwanderer in den Städten viel größer als auf dem Land. In manchen Stadtbezirken in den Städten des Mittleren Westens waren die Deutschen der ersten und zweiten Generation klar in der Mehrheit. Die nativistische Bewegung, die nach 1855 kräftig an Fahrt gewann, übernahm bald von den Alkoholgegnern die Forderung nach Mäßigung und Prohibition – nicht zuletzt, weil zwei der größten Einwanderungsgruppen eine neue Trinkkultur etabliert hatten. Die Iren brachten den Whiskey nach Amerika, die Deutschen das Bier. Beides führte regelmäßig nach dem Zahltag zur Sauferei und zu massiven Ausschreitungen in Städten mit großem Einwandereranteil.

Der Bürgerkrieg hob das Ansehen der Deutschamerikaner
Trotz der Vorurteile gegenüber Deutschen gelang es zumindest lokal und regional, eine vielschichtige deutsche Kultur zu etablieren, die weit über Brauchtum und Folklore hinausging. Der Amerikanische Bürgerkrieg und der Sieg der Union 1865 hob das Ansehen der Deutschamerikaner, die überproportional in der Nordstaatenarmee gekämpft hatten. Sie hatten sich damit sozusagen als echte Amerikaner erwiesen und konnten nun selbstbewusster ihre Rechte einfordern. In St. Louis, Chicago, Indianapolis und vielen anderen Städten wurde in den Jahren nach dem Krieg der Deutschunterricht auch an öffentlichen Schulen eingeführt. Konfessionelle Schulen, in denen auf Deutsch unterrichtet wurde, gab es ohnehin in vielen Bundesstaaten. Wo immer versucht wurde, die deutsche Sprache in den Schulen zurückzudrängen, rächten sich die Deutschen bei den nächsten Stadtrats- oder Gouverneurswahlen und verteidigten so erfolgreich ihren Sonderstatus.

Neben den Schulen spielten Tages- und Wochenzeitungen in deutscher Sprache eine entscheidende Rolle bei der Konservierung des „Deutschtums“. Vor allem die nach der gescheiterten Revolution von 1848 geflüchteten deutschen Journalisten belebten die amerikanische Medienlandschaft Mitte des vorletzten Jahrhunderts. 1852 gab es rund 140 deutschsprachige Zeitungen in den Vereinigten Staaten, allein vier davon in New York. Die „New Yorker Staatszeitung“ nannte sich noch 1870 die „größte deutsche Zeitung der Welt“ und hatte eine Auflage von 55 000 Exemplaren.

Die naive Deutschtümelei hat sich „böse gerächt“
Es waren diese Zeitungen, die auch das Welt- und Meinungsbild der Deutschamerikaner prägten – und sie in die Irre führten. Da viele Kommentatoren die Gefahr des amerikanischen Kriegseintritts nicht ernst nahmen, ließen sie ihrem Patriotismus für Deutschland freien Lauf und bejubelten die angeblich überlegene deutsche Kultur und die deutschen Kriegsziele in Europa. Die Kriegsbegeisterung war im Sommer 1914 unter Deutschamerikanern kaum geringer als unter Berlinern. Die naive Deutschtümelei hat sich jedoch im April 1917 „böse gerächt“, sagt der Historiker Walter Kamphoefner, selbst Nachfahre deutscher Auswanderer und jetzt Professor an der Texas-A&M-Universität: „Deutschamerikaner waren ausnahmslos suspekt. Schon der Gebrauch der deutschen Sprache genügte, um ihre Loyalität in Frage zu stellen.“ Die erste Phase nach dem Kriegseintritt charakterisiert Kamphoefner als „Hysterie“. Bach und Beethoven wurden aus den Konzertprogrammen verbannt, Sauerkraut wurde in „liberty cabbage“ umgetauft, in Cincinnati wurde Hanns Kuhnwald, Dirigent des Cincinnati Symphony Orchestra, ins Gefängnis geworfen – nur weil er gebürtiger Deutscher war.

„Mit edler Begeisterung“ für den Krieg gegen Deutschland
Die Meinungsführer der Deutschen in den Vereinigten Staaten passten sich schnell der neuen politischen Großwetterlage an. Der Präsident der Evangelischen Synode von Nordamerika hatte noch Anfang 1917 über den „Geist der Lüge“ auf Seiten der Engländer geschimpft, forderte aber gleich nach dem amerikanischen Kriegseintritt die jungen Deutschamerikaner auf, sich mit „edler Begeisterung“ für den Krieg gegen Deutschland freiwillig zu melden. Am Untergang der deutschen Kultur in den Vereinigten Staaten haben die hektischen Wendemanöver nichts mehr ändern können. Deutsch als Sprache spielt dort bis heute keine Rolle mehr. Nicht nur aus den Schulen wurde Deutsch damals verbannt, auch die meisten Kirchengemeinden, die bis dahin ein deutsches Gemeindeleben hatten, stellten komplett auf Englisch um. Der Niedergang der deutschen Zeitungen, von denen viele verboten oder im Krieg zensiert wurden, beschleunigte sich durch den Krieg und kurz darauf durch die Weltwirtschaftskrise.

Überhaupt sprechen viele Historiker lieber von einer Beschleunigung als von einem Niedergang, Kamphoefner sagt: „Der Erste Weltkrieg brachte weniger eine Abkehr von einer ethnischen Identität als vielmehr eine starke Beschleunigung eines Verfallsprozesses, der bereits seit längerem im Gang war.“ Anders als in der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die amerikanische Gesellschaft schon um 1900 eine Assimilationskraft entwickelt, die das kulturelle Erbe der Einwanderer binnen einer Generation weitgehend absorbierte. Andererseits wäre es ohne den amerikanischen Kriegseintritt nie zu so einer plötzlichen und radikalen Abkehr von allem Deutschen in Amerika gekommen.

Die Mörder von Robert Prager wurden übrigens nie bestraft. Elf Männer, die den Lynchmob angeführt hatten, wurden zwar vor Gericht gestellt, aber freigesprochen. Die zwölf Geschworenen brauchten nur 25 Minuten, um die Unschuld festzustellen. Die Lokalzeitung „Collinsville Herald“ bejubelte das Urteil als „patriotischen Akt“, der eine wichtige Warnung an alle Deutschamerikaner enthalte. Erst Jahrzehnte später bekannte der Chefredakteur, das Verfahren sei eine „Farce inmitten einer nationalistischen Orgie“ gewesen. Der Anführer des Mobs aber, Wesley Beaver, entkam seiner Strafe trotzdem nicht. Ein halbes Jahr nach dem Freispruch nahm er sich, von Schuldgefühlen zermürbt, selbst einen Strick und setzte seinem Leben ein Ende.

Link zur FAZ
USA 1980 - Florida 1989 - Südwesten 2004 - West-Kanada 2005 - Südwesten 2008 - Florida 2009 - Südstaaten 2009
Bei wahrscheinlich USA-Stammtisch Treffen dabei gewesen
Schöne Grüße
Otto

Otto

Moderator

  • »Otto« ist männlich
  • »Otto« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 8 482

Registrierungsdatum: 11. Januar 2012

Wohnort: Niederrhein

  • Private Nachricht senden

40

Freitag, 23. Juni 2017, 20:12

Pfohrens Mann in New York

Der fast vergessene Revolutionär Andreas Willmann. In den USA einst einer der bekanntesten Deutschen. Pfohren feiert 1200 Jahre und seine Geschichte.

Zitat

Donald Trump würde ihn vermutlich schätzen und hätte ihn vielleicht sogar zum CIA-Chef oder Justizminister in seiner Regierung gemacht, wenn Andreas Willmann nicht 200 Jahre zu früh geboren worden wäre. Willmann war Republikaner wie Donald Trump und unterstützte sogar drei Präsidentschaftskandidaten aktiv und teilweise auch effektiv in deren jeweiligen Wahlkampagnen. Zuerst John C. Frémont, der 1856 als erster Republikaner für das hohe Staatsamt kandidierte, bei der Wahl aber dem Bewerber der Demokraten unterlag. Auch in den Wahlkämpfen von Abraham Lincoln 1961 und 1964 und Ulysses S. Grant 1868, die jeweils zu US-Präsidenten gewählt wurden, war Willmann eifriger Unterstützer.
Er und seine Mitstreiter, Forty-Eighters und Schnurrbärte genannt, hatten am Wahlerfolg der beiden sogar einen wesentlichen Anteil. Sie waren es nämlich, die den Wahlkämpfen den notwendigen Schwung gaben und insbesondere die deutschen Einwanderer mit Bierzelt-Events à la politischer Aschermittwoch für die Wahl mobilisierten. Immer noch beseelt von ihrem revolutionären Kampf im Großherzogtum Baden und in anderen deutschen Fürstenstaaten und Königreichen hatten sie in den USA mit der Forderung nach der Befreiung der Sklaven aus dem Joch der Grundherren ein Wahlkampfthema gefunden, das ihrem revolutionären Einsatz in Deutschland nicht unähnlich war. Im amerikanischen Bürgerkrieg kämpfte Andreas Willmann dann mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln für dieses Ziel. So hatte er maßgeblichen Anteil an der Aufstellung von mehreren Freiwilligen-Regimenten, die sich aus deutschen Auswanderern rekrutierten sowie der Neuorganisation des 7. New Yorker Infanterie-Regiments, des Steuben-Regiments.
In dem nach dem Tod von Andreas Willmann in der New York Times am 5. März 1878 abgedruckten Nachruf wurde Andreas Willmann als einer der bekanntesten Deutschen in den USA bezeichnet.
Und wie wurde der wohl berühmteste Pfohrener in seiner Heimat gewürdigt? Lange Zeit überhaupt nicht, er schien sogar in Vergessenheit geraten zu sein. Es könnte aber auch sein, dass man sich hier an die Revolutionszeit nicht mehr so gerne erinnerte. Bei deren Aufarbeitung hatten nämlich die badischen Justizbehörden gegen 32 Pfohrener, die der „Umsturzpartei“ zugerechnet wurden, strafrechtlich ermittelt, wie der Ortschronik entnommen werden kann.
Auch hatte die Gemeinde noch Jahre nach den revolutionären Ereignissen mit einer Finanzumlage an den dem Großherzogtum Baden durch die Revolution entstandenen Kosten zu beteiligen. In der Pfohrener Ortschronik ist auch nachzulesen, dass ein so genannter Freischärler, der am Heckerzug beteiligt war, sich in der Zeit nach der Revolution vom Revolutionär zum braven Monarchisten gewandelt und als solcher dann auch die Meinung vertreten hatte, dass die Revolution von „verrückten Advokaten und anderem Gesindel“ ausgelöst worden war.
Umfassend über den Einsatz von Andreas Willmann für die Menschenrechte, in Form von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, wie sie in der Französischen Revolution in Frankreich erkämpft worden waren, haben die Pfohrener erstmals in der im Jahr 2001 herausgegebenen Ortschronik erfahren. Die Stadt Donaueschingen war es schließlich, die diesen Einsatz des berühmtesten Pfohreners mit der Benennung des Platzes hinter dem Bahnhof im Sommer 2012 („Andreas-Willmann-Platz“) und einem Denkmal würdigte. Dort, im Gewann Rübäcker, hatten sich die Revolutionäre der Baar 1848 zu einer großen Versammlung getroffen. Pfohren zog später mit einem kleinen Denkmal vor dem Rathaus nach.

Großer Sohn der Gemeinde und ein großes Fest

Der Revolutionär: Der Revolutionär Andreas Willmann wurde am 18. November 1819 in Pfohren geboren. Seine Eltern waren Jakob Willmann und Katharina Willmann. Gestorben ist er am 4. März 1878 in New York. Er war zuerst Schüler am Fürstenberg Gymnasium (damals noch Progymnasium) in Donaueschingen und machte sein Abitur in Rastatt. Danach studierte er Rechtswissenschaften in Freiburg, Heidelberg und Bonn. Mit Beginn der Revolution von 1848 war er mit abgeschlossenem Jura-Studium Rechtskandidat. Im März 1848 wurde er für den Seekreis zum Abgeordneten für das Vorparlament in Frankfurt bestimmt. Beim so genannten Heckerzug von Konstanz in Richtung Landeshauptstadt Karlsruhe im April 1848 war er an der Seite von Friedrich Hecker.Nach dem Gefecht bei Kandern floh er zusammen mit Hecker in die Schweiz. Während der zunächst erfolgreichen Mai-Revolution von 1849 war Andreas Willmann Oberzivil- und Oberkriegskommissär für den Seekreis (Konstanz) und den Oberrheinkreis (Freiburg) und ab Mai 1849 sogar Mitglied des Landesausschusses (Minister der revolutionären Regierung) in Karlsruhe und im Juni 1849 Mitglied der Badischen verfassungsgebenden Versammlung. Nach Niederschlagung der Revolution verurteilte ihn das Badische Hofgericht in Bruchsal 1850 wegen Hochverrats zu einer langjährigen Zuchthausstrafe. Mit der Flucht und der Auswanderung 1851 in die USA entzog sich Andreas Willmann der Strafverbüßung. Seine ersten Dollars verdiente er sich in New York als Weinhändler und Privatlehrer. Danach war er als Buchhalter, Gerichtsdolmetscher, Zeitungsherausgeber, Finanzamtschef und Hotelier tätig. Nach seiner Einbürgerung schloss er sich 1857 der 1854 gegründeten Republikanischen Partei an. 1860 gründete er zusammen mit 30 weiteren Personen die Stadtsparkasse New York. Zeitweise war er deren Vizedirektor.

Das Dorffest: Vom 30. Juni bis 2. Juli wird das 1200-Jahr-Jubiläum Pfohrens gefeiert. Rund um die Entenburg gibt es eine Zeitreise ins Mittelalter: Handwerker, Händler und Gaukler werden ihre Zelte aufschlagen. Die Besucher können einen Markt und ein mittelalterliches Lager mit zahlreichen Gruppen erleben. Die Tavernen der Pfohrener Vereine laden zum Verweilen ein und auf zwei Bühnen gibt es Musik, Tanz, Gesang, keltische Modenschauen, Schwertkämpfe, Feuer- und Falknershows.

Link
USA 1980 - Florida 1989 - Südwesten 2004 - West-Kanada 2005 - Südwesten 2008 - Florida 2009 - Südstaaten 2009
Bei wahrscheinlich USA-Stammtisch Treffen dabei gewesen
Schöne Grüße
Otto