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Otto

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Dienstag, 8. August 2017, 18:53

2,3 Millionen Besucher im Auswandererhaus

Zitat

Seit seiner Eröffnung vor zwölf Jahren haben mehr als 2,3 Millionen Menschen das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven besucht. Im Auswandererhaus können Besucher sich über 300 Jahre europäischer Aus- und deutscher Einwanderungsgeschichte informieren.
Das Deutsche Auswandererhaus nahe der Außenweser steht an einem historischen Ort: Hier haben zwischen 1830 und 1974 rund 7,2 Millionen Menschen das europäische Festland verlassen, oft als Wirtschaftsflüchtlinge. Sie sahen in ihrer Heimat keine Perspektive mehr und wollten sich hauptsächlich in den USA eine neue Existenz aufbauen.
Seit einigen Jahren beschäftigt sich das Haus auch intensiv mit der Frage der Einwanderung nach Deutschland. 2007 wurde das Deutsche Auswandererhaus als Europas "Museum des Jahres" ausgezeichnet. Erst im April neu eröffnete das Museum ein "Studio Migration", in dem sich Gäste interaktiv mit dem Thema Ein- und Auswanderung auseinandersetzen können.
Die aktuelle Sonderausstellung "Good Music" beschäftigt sich mit der wechselvollen Lebensgeschichte zweier deutscher Musiker, die in den 1880er-Jahren in die USA emigrierten.

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Dienstag, 8. August 2017, 19:20

2,3 Millionen Besucher im Auswandererhaus

Zitat

Seit seiner Eröffnung vor zwölf Jahren haben mehr als 2,3 Millionen Menschen das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven besucht. Im Auswandererhaus können Besucher sich über 300 Jahre europäischer Aus- und deutscher Einwanderungsgeschichte informieren.
Das Deutsche Auswandererhaus nahe der Außenweser steht an einem historischen Ort: Hier haben zwischen 1830 und 1974 rund 7,2 Millionen Menschen das europäische Festland verlassen, oft als Wirtschaftsflüchtlinge. Sie sahen in ihrer Heimat keine Perspektive mehr und wollten sich hauptsächlich in den USA eine neue Existenz aufbauen.
Seit einigen Jahren beschäftigt sich das Haus auch intensiv mit der Frage der Einwanderung nach Deutschland. 2007 wurde das Deutsche Auswandererhaus als Europas "Museum des Jahres" ausgezeichnet. Erst im April neu eröffnete das Museum ein "Studio Migration", in dem sich Gäste interaktiv mit dem Thema Ein- und Auswanderung auseinandersetzen können.
Die aktuelle Sonderausstellung "Good Music" beschäftigt sich mit der wechselvollen Lebensgeschichte zweier deutscher Musiker, die in den 1880er-Jahren in die USA emigrierten.

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Wir waren vor ein paar Jahren mal dort und ich muss sagen, es lohnt sich. War wirklich interessant. Ich habe in den Archiven sowohl meinen Großvater, als auch meine Schwester gefunden. Mein Großvater ist zwar nciht ausgewandert (seine Frau wollte das nicht), aber er ist mehrfach durch Überführungen von Schiffsneubauten in die USA eingereist. Da wurde er bei der Einreise jeweils erfasst. Meine Schwester ist ja tatsächlich ausgewandert.

Von mir also eine klare Empfehlung für dieses Museum.

Ralf

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Dienstag, 8. August 2017, 20:03

Ich habe in den Archiven sowohl meinen Großvater, als auch meine Schwester gefunden.
Verstehe ich das richtig, dass man dort recherchieren kann, wer wann ausgewandert ist? Ein Vorfahre meiner Frau hatte sich auch auf den Weg gemacht und da würde mich schon interessieren, ob man da Spurensuche betreiben könnte.
In diesem Sinne
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Mittwoch, 9. August 2017, 07:45

Ja, das hast du richtig verstanden. Es gibt dort sowohl noch alphabetisch sortierte Karteikarten (wohl mehr zu Schauzwecken), als auch die Möglichkeit der Suche per Computer. Meine Schwester habe ich dort z. B. im Computer gefunden. Witziger Weise mit der alten Adresse, unter der sie mit ihrem ersten Mann gelebt hat. Das ist seit Mitte der Neunziger bereits Geschichte.

Bei meinem Großvater konnte ich sogar die Schiffsnamen raus finden, mit denen er die Überfahrt gemacht hat. Das kann ich allerdings auch auf der Internetseite von Ellis Island. Unter www.libertyellisfoundation.org kannst du nämlich auch vom heimischen PC aus suchen.

Ralf

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Mittwoch, 9. August 2017, 07:53

Danke für den Link, ich habe gleich mal geschaut. Die Suche nach dem Namen brachte aber zuviele Ergebnisse. Ich muss dann Schwiegermama noch mal zu Details befragen, vielleicht finde ich tatsächlich den Hinweis auf meinen Schwiegeropa.
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Dienstag, 10. Oktober 2017, 17:51

Rheinhessische Auswanderer begründeten in den USA die Erfolgsgeschichte des Biers

Zitat

Rheinhessen, ausgerechnet Rheinhessen: Von diesem winzigen Flecken Erde aus, der heute vor allem für seinen Wein gerühmt wird, startete dereinst das Bier seinen Siegeszug in die Welt.
Zum Anfang dieser erstaunlichen Geschichte deutete allerdings rein gar nichts auf Glanz und Gloria hin: Mitte des 19. Jahrhunderts herrschte in Rheinhessen Tristesse. Binnen kürzester Zeit hatte es dort eine wahre Bevölkerungsexplosion – von 160 000 Einwohner 1816 auf 250 000 im Jahr 1850 gegeben. Für die strukturschwache Region hatte diese Entwicklung fatale Folgen: Viele Handwerke waren überbesetzt, die Arbeitslosigkeit stieg. Da zudem im Zuge der napoleonischen Reformen Landbesitz zwischen den Erben aufgeteilt wurde und folglich stetig schrumpfte, rutschten selbst gut situierte Familien sozial ab. „Seit etwa den 1830er Jahren reifte die Erkenntnis, dass es die bessere Zukunftsstrategie sei, das Land hier zu veräußern und für das Geld in Amerika große Ländereien zu erwerben“, erklärt der Alzeyer Historiker Dr. Helmut Schmahl. „Insbesondere der mittlere Westen der USA war ein begehrtes Siedlungsgebiet, weil die Regierung dort günstig Land verkaufte, das sie zuvor den Indianern abgenommen hatte.“
Einer der ersten Neuankömmlinge dort war der Guntersblumer Förster Franz Neukirch, der sich 1839 in der Gegend von Milwaukee, Wisconsin, niederließ. In seinen zahlreichen Briefen in die Heimat schwärmte er alsbald von den zahlreichen Vorzügen Amerikas – und sollte damit eine riesige Kettenwanderung auslösen.

Rheinhessen stellten Bevölkerungsmehrheit
Innerhalb weniger Jahre folgten ihm etwa 4000 (Rhein-)Hessen nach Milwaukee und in das Umland. „In einem Gebiet, das halb so groß ist wie der Landkreis Mainz-Bingen stellten Rheinhessen damit die Mehrheit der Bevölkerung“, sagt Schmahl. Nun wollten die Migranten zwar von den Vorzügen der Neuen Welt profitieren, dabei aber auch nicht auf die Annehmlichkeiten aus ihrer Heimat verzichten. Und für die geselligen Rheinhessen zählte dazu vor allem eines: gutes Bier. Das in den USA damals verfügbare Gesöff – wie das im Stile starker englischer Ales und Porters gebraute „Common beer“ – konnte dieses Bedürfnis nicht befriedigen, sehnten sich die Deutschen doch nach hellem, kohlensäurehaltigen Lagerbier aus Gerste und Hopfen.
Wenn man nach einer Geldquelle sucht und da sitzen lauter Leute, die sich Bier wünschen, liegt die Idee nahe, dass man es selbst braut“, erklärt der rheinhessische Bierexperte Jürgen Birk. Das galt sowohl für jene, die sich als gelernte Brauer oder Küfer ohnehin auf das Handwerk verstanden, als auch für jene – wie den erwähnten Förster Neukirch –, die im Land der unbegrenzten Möglichkeiten einen neuen Weg einschlugen. „In Milwaukee, damals die Stadt mit der stärksten deutschen Bevölkerung, kristallisierte sich bald eine bierselige deutsch-amerikanische Kultur heraus“, sagt Schmahl. 1847 waren unter den deutschen Brauern des aufblühenden Milwaukees Neukirch und die aus Mettenheim stammende Familie Best die dominierenden Kräfte auf einem florierenden Markt. „Zehn Jahre später zählte alleine Milwaukee bereits 25 Brauereien, deren Umsätze nur von der Eisenindustrie übertroffen wurden“, bekräftigt Schmahl, der an der Universität Mainz als Privatdozent lehrt.

„Lager“ made by Rheinhessen
Als mitentscheidend für die überregionale Verbreitung sollte sich der Amerikanische Bürgerkrieg (1861 bis 1865) erweisen, in dem auch deutsche Einwanderer kämpften. Nach geschlagener Schlacht kreiste so manches Bier um das abendliche Lagerfeuer und leistete damit Mundpropaganda im besten Wortsinne. Die Menschen wollten Bier – und sie bekamen es. Dank der verbesserten Infrastruktur und der Verbreitung des Pasteurisierungsverfahrens konnte Bier bald auf Straßen, Schienen und Schiffen in alle Winkel der USA (und darüber hinaus) transportiert werden. Überall trank man „Lager“ made by Rheinhessen. „Um 1900 war die amerikanische Brauindustrie fest in deutscher Hand – und das bedeutete weitestgehend: in rheinhessischer Hand“, konstatiert Schmahl.
Neben den zahlreichen kleinen, mittleren und größeren Brauereien begründeten einige besonders gewitzte und bestens vernetzte Unternehmer wahre Bierdynastien. Dazu zählt der Mainzer Joseph Schlitz, der nach seiner Migration 1855 in Milwaukee zunächst als Buchhalter in einer Brauerei arbeitete, bevor er dort überaus erfolgreich selbst das Ruder übernahm. Zwar kam er 1875 bei einem Schiffsunglück ums Leben, doch seine Neffen führten den Betrieb erfolgreich weiter: Allein 1880 produzierte die „Schlitz Brewing Company“ 250 000 Hektoliter Bier. Eine unglaubliche Menge.
In dieser Liga spielte auch der Thüringer Schiffskapitän Frederick Pabst, der 1862 in Milwaukee Maria Best, Tochter des gebürtigen Mettenheimers Philipp Best, ehelichte. Dieser leitete damals mit großem Erfolg die von seinem Vater gegründete Best-Brauerei. Nach Bests Tod baute Pabst das Unternehmen binnen weniger Jahre zur zweitgrößten Brauerei der USA aus – mit einem jährlichen Bier-Produktionsvolumen von 150 000 Hektolitern.
Die Schaumkrone unter den Bierkönigen des 19. Jahrhunderts gebührt aber Adolphus Busch aus Mainz-Kastel. Er war nach St. Louis, Missouri, ausgewandert, wo er 1861 Lilly Anheuser, Tochter des aus Bad Kreuznach stammenden Brauereibesitzers Eberhard Anheuser, heiratete. Bald darauf installierte sein Schwiegervater ihn als Teilhaber, bevor der findige Busch Präsident des Unternehmens wurde.

Niedergang erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Als besonders genialer Coup erwies sich sein „Budweiser“, das sich als das meistverkaufte Bier der USA etablieren sollte. „Dieses Pils nach böhmischer Brauart galt damals als Creme de la Creme des Bieres“, sagt Schmahl. Zudem wendete er als erster Brauer die Pasteurisierung in den USA an – ein Quantensprung. „Er hat auch einen Manager reingeholt, den Vertrieb stramm organisiert, eine eigene Bahnlinie gegründet und unheimlich viel in die Werbung investiert“, berichtet Birk. Zudem erweiterte er das Unternehmen um immer neue Geschäftszweige. Eine Taktik, die auch andere Großbrauereien verfolgten und die ihnen Anfang des 20. Jahrhunderts sogar das Überleben sichern sollte. Denn während die Prohibition den meisten der bis dato so erfolgreichen Brauereien in den USA den Garaus machen sollte, konnten sich die Marktführer auf andere Produkte konzentrieren: Busch verkaufte beispielsweise das Malzbier Bevo, Schlitz setzte auf Limonade und Pabst hielt sich mit Käse über Wasser. „Nach 1933 haben sich die Großen den amerikanischen Markt aufgeteilt“, sagt Schmahl. „Im Wesentlichen waren das Anheuser-Busch, Schlitz und Pabst.“

Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ereilte Pabst und Schlitz der wirtschaftliche Niedergang. Die Produktionen wurden geschlossen beziehungsweise ausgelagert, sodass von beiden Brauereien heute nur noch die Biermarken existieren.
Der Erfolg von Anheuser-Busch indes ist ungebrochen. Als weltweit größtes Bierimperium rangiert es noch heute vor der Miller Brewing Company. Die hatte 1850 der Württemberger Frederick Miller in Milwaukee aus der Taufe gehoben, indem er Charles und Lorenz Best deren „Plank Road Brewery“ abkaufte. Best? Ja, genau – Charles und Lorenz waren Brüder von Philipp Best und stammten wie er aus Mettenheim, Rheinhessen.


Zitat

HEIMATVERBUNDEN

Trotz des Erfolgs in den USA blieben viele Brauer ihrer Heimat verbunden. So unterstützte Adolphus Busch die Kasteler Opfer des Rheinhochwassers von 1882 mit großzügigen Spenden. Zudem errichtete er in Lindschied (Bad Schwalbach) für seine Familie und sich eine großzügige Sommerresidenz. In der nach seiner Frau benannten „Villa Lilly“ werden heute suchtkranke Menschen therapiert.

Catherine Seipp, Tochter von Brauer Johannes Orb, stiftete das Luther-Fenster in der evangelischen Kirche Westhofens.

Weitere Brauer
Die Liste der (Rhein-)Hessen, die im 19. Jahrhundert als Brauer in den USA ihr Glück fanden, ist unüberschaubar. Dazu zählen unter anderem:

Michael Sieben (Ebersheim/Chicago) war Mitbegründer des Amerikanischen Brauereiverbands.

Jakob Obermann (Selzen/Milwaukee). In seinem Todesjahr 1887 umfasste seine Brauerei einen kompletten Straßenblock und produzierte über 50.000 Hektoliter Bier pro Jahr.

Conrad Seipp (Langen/Chicago) führte gemeinsam mit seinem Schwiegervater Johannes Orb (Westhofen/Chicago) die „Seipp Brewing Company“. Zu Seipps Tod 1890 wurde sein Vermögen auf acht Millionen US-Dollar geschätzt.

George Frey (Obersaulheim/Erie) gründete die erste Lagerbier-Brauerei Eries.

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Montag, 16. Oktober 2017, 17:54

New Holstein: Als Deutsche den American Dream erfanden

Millionen machten sich Mitte des 19. Jahrhunderts auf den Weg, und sie veränderten das Land: Deutsche in Amerika. Unter ihnen auch eine Gruppe aus Schleswig-Holstein. In Wisconsin gründeten sie den Ort: New Holstein. Wir waren dort und sind auf erstaunliche Geschichten getroffen.

Zitat

New Holstein in Wisconsin hat alles, was das amerikanische Leben braucht. Sechs Kirchen, drei Parks, in der MT Glass Bar trinken die Einwohner ihr Bier, bei Piggly Wiggly kaufen sie ihre Milch, und zum Arbeiten fahren sie ins etwa 100 Kilometer entfernte Milwaukee. Und auch wenn die goldenen Jahre der Klein-Stadt möglicherweise vorbei sind, der Stolz der Menschen auf ihren Ort ist unerschüttert. 1998 feierte man hier den 150. Geburtstag, es gab eine Parade, und ein Clown im rot-grün-gelben Kostüm fuhr mit weißen Handschuhen in einem Oldtimer durch die Straßen. „The Land of Peace and Plenty“ nennen sie die Stadt, das Land also mit viel Frieden und Weite, und das hat schon was zu bedeuten.

Man kann das alles bei einem Besuch im „Pioneer Corner Museum“ an der Main Street nachlesen, noch besser aber ist es, mit Terry Thiessen zu sprechen.
Der 70-Jährige ist New Holsteiner quasi von der Pike auf, er ist hier aufgewachsen, er ist hier verheiratet, er ist Mitglied der New Holstein Historical Society, und wenn er erzählt, dass seine Vorfahren aus Kiel stammen, meint er nicht den etwa sieben Fahrminuten entfernten Ort; dann spricht er tatsächlich über Kiel in Deutschland, das ist natürlich alles kein Zufall.
Denn anders als viele glauben, dominieren nicht etwa die Nachfahren von Engländern die USA, es sind Menschen mit deutschen Vorfahren, Menschen wie Terry. 60 Millionen Amerikaner geben heute an, von den insgesamt sechs Millionen deutschen Auswanderern abzustammen; das sind immerhin 20 Prozent der US-Amerikaner. Und vieles, was vermeintlich amerikanischen Ursprungs ist, ist auf das Engagement deutscher Einwanderer zurück zurückzuführen; Heinz Ketchup. Levi Strauss. Boeing. Budweiser. Und auch Donald Trump, der 45. Präsident der Vereinigten Staaten, ist Nachfahre von Auswanderern aus Deutschland, und wer weiß, vielleicht ist das ja eine Erklärung.

Terry spricht mit feiner Stimme und in ebenso fein einen austarierten Sätzen, und ist er um eine Antwort verlegen, kommt ihm seine Frau Karen zur Hilfe, die über sich selbst sagt: „I am a keeper of all“, was so viel meint wie: Ich halte hier alles zusammen; sie sagt es in einem Ton, der keinen Zweifel daran lässt.
Terry ist Nachfahre deutscher Auswanderer in der fünften Generation, und er will hier auch nicht mehr weg. „Wir haben hier alle viel Platz, und es ist ein sicheres Leben. Wer hier Kinder aufzieht, trifft eine gute Entscheidung.“ Er spricht aus Erfahrungen, er ist Vater von drei erwachsenen Kindern.

Dass nun ausgerechnet im fernen Wisconsin eine Art schleswig-holsteinisches Paralleluniversum existiert, ist einer Gruppe von 70 Schleswig-Holsteiner zu verdanken, die sich, enttäuscht und desillusioniert von der politischen Situation, im Jahr 1848 auf den Weg ins Unbekannte machten; es war das Jahr, in dem ein militärischer Konflikt um die Zugehörigkeit von Schleswig und Holstein entbrannte, in dem Karl Marx das kommunistische Manifest veröffentlichte, es war das Jahr einer scheiternden Revolution in Deutschland.
Die Norddeutschen reisten von Hamburg mit der „Brarens“ über den Atlantik, im Koffer jede Menge Zuversicht, und als sie am 12. Mai in New York landeten, hatten sie eine Reise von 14 zumeist angenehmen Tagen hinter sich.
Und so wenig, wie die Besetzung der Gruppe kein Zufall war (es waren hauptsächlich Intellektuelle); war es die Wahl des Landstrichs. Der Landsmann Ferdinand Ostenwald hatte sie nach Amerika gelotst, er hatte bereits Jahre zuvor seine Erfahrungen gemacht, und er war es auch, der der Siedlung den Namen New Holstein gab, weil die Gegend ihn an seine alte Heimat erinnerte, und weil er hoffte, über diesen Weg Nachzügler locken zu können.
In New Holstein erinnert heute ein Gedenkschild an jene Pioniere, zu lesen ist dort, wie „a small group of immigrants from the Schleswig-Holstein Area“ in der Abgeschiedenheit des Wilden Westens die politische Freiheit und ökonomische Möglichkeiten suchten, und in jedem Wort steckt Stolz auf das Errungene.
Auch Terry Thiessen lässt die Vergangenheit nicht ruhen; sie treibt ihn, sie fordert ihn, das ist Grund, warum er einen großen Teil seiner Zeit der Heritage-Arbeit widmet, warum seine Emailadresse mit dem Namen Frontier endet, Grenzland also, und das ist auch der Grund, warum er 1972 zusammen mit seiner Frau in der Heimat seiner Vorfahren reiste. Sie fuhren nach Kiel, sie fuhren nach Lübeck, sie besuchten Friedhöfe, sie besuchten besuchten Museen, 14 Tage später allerdings kehrten sie enttäuscht zurück; sie hatten nicht gefunden, was sie suchten, einen Hinweis auf die Vorfahren vielleicht. Und dass sie in einem Juni nach Deutschland in den Norden gekommen waren, es regnete, es stürmte, es war norddeutscher Sommer, das machte die Sache nicht besser.
Während man in Deutschland aktuell nun mit einiger Verwunderung und viel Unverständnis auf den fernen Nachbarn blickt, wird der einstige Verbündete hier von einer Woge der Sympathie getragen, das ist in New Holstein nicht anders als im nahen Kiel, auch die Stadt ein Erbe der Siedler. Die Main Street dort ist mit deutschen Fahnen geschmückt, und selbstverständlich gibt es ein Oktoberfest.
Deutschland ist in Amerika sehr angesehen“, sagt dazu Lavern Rippley, Deutsch-Professor am St. Olaf College in Northfield (siehe Interview weiter unten), und nichts anderes sagt Joachim Reppmann.
Reppmann ist zwar in Flensburg aufgewachsen, seit Jahrzehnten aber lebt er in den USA; deutsch-amerikanische Geschichte ist sein Lebensthema, er hat etliche Bücher zu dem Thema geschrieben, und in einer Abhandlung mit der Überschrift „Der Wilde Westen beginnt in Flensburg“ lässt er die Protagonisten jener Auswanderergruppe zu Wort kommen, die 10 000 Kilometer entfernt von ihrer Heimat ein New Holstein gründeten.

Sie seien vom Gedanken nahezu beseelt gewesen waren, mitten im „Urwald“ ein republikanisch-demokratisches Gemeinwesen aufzubauen, schreibt er; „nur zu gerne kehrte man dem autoritären System zu Hause den Rücken, um ein freies Leben führen zu können.“
Das amerikanische Holstein wurde dann auch für die ausgewanderten Holsteiner zum Glücksfall. Sie rodeten die Bäume, sie bauten Kirchen und Schulen, das erste Kind in New Holstein wurde am 4. Juni 1850 geboren; im Jahr 1880 zählte die Stadt bereits 400 Einwohner, viele hatten großen wirtschaftlichen Erfolg, und im Jahr 1870 ließ der erfolgreiche Unternehmer Herman Christian Timm ein Wohnhaus errichten, das heute den Namen Timm House trägt und ein Museum ist.
Wie aus der Zeit herausgefallen wartet es nun am Straßenrand; Autos ziehen vorbei; gegenüber baut die Firma M-B Companies Maschinen für den Straßenbau und drinnen sitzt Terry Thiessen und erzählt von der alten Zeit. „Die Deutschen haben das hier aufgebaut, und ich denke, wir bewahren ihr Erbe auf gute Weise“, sagte er.


Zitat

Das Projekt: Wie deutsch sind die USA

Es war eine der ersten großen Auswanderungswellen, damals im Hungerjahr 1817, die Menschen flohen von überall aus Deutschland; getrieben von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, in Amerika hofften sie auf eine neue Heimat. Sie kamen mit Schiffen und mit Planwagen, auf Ochsen und zu Fuß zogen sie weiter; häufig über Wochen und Monate, von New York, von New Orleans, von Philadelphia oder Charleston, immer tiefer in den Mittleren Westen.
Die Spuren, die die Aus(Ein)wanderer hinterließen, sind noch heute über überall zu finden; Städtenamen wie etwa Hannover, Bremen oder Berlin zeugen davon; auf den Friedhöfen überall finden sich ihre Gräber, und mit etwas Glück trifft man heute noch auf Amerikaner mit deutschen Vorfahren, die die Dialekte ihrer Vorfahren sprechen.
LN-Redakteurin Marion Hahnfeldt hat sich nun auf den Weg gemacht, die Siedlergeschichte nach zu verfolgen. Ihr Ziel ist es, wie sie sagt, herzufinden, wie deutsch die USA wirklich sind. Für ihr journalistisches Projekt setzte sie sich ein ehrgeiziges Ziel; 12 Staaten in 12 Wochen; knapp 10 000 Kilometer, und um ein Gefühl dafür zu bekommen, was es bedeutet, dem Ungewissen entgegen zu reisen,
startete sie wie einst die Siedler mit dem Frachtschiff von Bremerhaven, und auch gleich am Beginn hatte sie mit den Widrigkeiten der Passage zu kämpfen; statt wie geplant in New York zu landen, brachte das Schiff sie nach Charleston in South Carolina.
nzwischen aber ist Marion Hahnfeldt im Mittleren Westen angekommen; und nachdem sie bereits Pennsylvania, Ohio, Indiana und Illinois hinter sich gelassen hat, geht es von Wisconsin nun weiter nach Iowa, Nebraska, Kansas, Missouri, Kentucky über Virginia nach New York, wo ihre Reise Ende November endet.

Wer ihre Reise mitverfolgen möchte: www.threemonths.de


Zitat

Zahlen und Fakten
Nachdem 1607 in Jamestown, Virginia, 104 Siedler die erste englische Kolonie gegründet hatten, zog es immer mehr Einwanderer aus Europa nach Amerika. An der Südspitze Manhattans in New York steht nicht ohne Grund ein Denkmal für den Verleger Horace Greeley (1811 - 1872), der einst den Satz prägte: „Go West, young man“, Millionen folgten der Aufforderung. Die Auswanderung der Deutschen setzte im nennenswerten Ausmaß 1817 ein, Missernten und gestiegene Getreidepreise hatten für Hunger gesorgt; die größte Welle aber gab es zwischen Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts; allein im Jahr 1854 kamen 250 000 Deutsche; ähnlich viel waren es 1882. Die Deutschen prägten die Kultur des Landes; sie hatten wirtschaftlichen und politischen Erfolg.


Zitat

Alles Deutsche wurde verboten

Lavern Rippley war 50 Jahre Professor of German am St. Olaf Collage in Northfield, Minnesota. Gerade wurde er pensioniert, beschäftigt sich aber immer noch ausführlich mit dem Thema „German Americans“.

Sie haben viele Bücher zum Thema deutsch-amerikanische Auswanderung geschrieben, was hat Sie am meisten überrascht?
Dass so viele gekommen waren. Mehr als die Hälfte der Einwanderer von Minnesota, 60 bis 80 Prozent, haben etwa deutsche Vorfahren. Man behauptet immer, sie waren aus Skandinavien, aus Norwegen, aber das ist eine Legende, fast alle sind hier deutsch. Aus dem preußischen Deutschland kamen damals Millionen.

Und wie haben sie das Land verändert?
Das ist schwer zu sagen. Mit dem ersten Weltkrieg war die deutsche Sprache verboten worden, alles Deutsche wurde verboten, in Minnesota, Nebraska, Wisconsin, überall, Redakteure von deutschen Zeitungen wurden vor Gericht gestellt, es waren harte Zeiten, man dachte, wenn man den Menschen verbietet, deutsch zu sprechen, deutsch zu denken, dann gewinnen wir den Krieg. Niemand gab damals mehr zu, deutscher Abstammung zu sein. Damit verloren die Deutschen auch ihren Einfluss.

Und heute?
Interessieren sich viele für ihre Vergangenheit. Und interessanterweise ist man immer stolz darauf, wenn man deutsche Vorfahren hat. Der Stand der Deutschen heute ist sehr stark und positiv. Man ist lieber Deutscher als Franzose oder Engländer; man ist stolz darauf, Norweger oder Schwede zu sein, am besten aber ist es, deutsch zu sein. Das ist schon enorm.

Warum?
Das Land hat wirtschaftlichen Erfolg, dazu die Musik, zum Teil die Literatur. Und Angela Merkel hat das Bild sehr verändert. Man schätzt sie hier sehr.

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Freitag, 27. Oktober 2017, 20:13

Philadelphia, USA – Hauptstadt der Bierliebhaber

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Bier und USA – das passt nur bedingt zusammen. Viele sehen die USA als Heimatland des Whiskeys, denkt man an amerikanisches Bier, fällt einem in erster Linie nur Budweiser ein. Im Bundesstaat Philadelphia jedoch dürfte jeden deutschen Touristen ein Gefühl von Heimat überkommen. In der Ostküstenstadt mit dem dauerhaft warmen Klima sprießen Biergärten nach dem deutschem Vorbild und Brauereien nur so aus dem Boden.

Die Oktoberfest-Saison klingt gerade noch nach, und als deutscher Urlauber, der sich für einen Aufenthalt in den USA interessiert, ist Philadelphia ein ideales Reiseziel. Denn Bierkultur hat in der Ostküstenstadt eine lange Tradition, ist doch die älteste Brauerei des Landes in Pennsylvania beheimatet. Beer Gardens, wie sie in Amerika genannt werden, sind dort zahlreich vorhanden, und Brauereiführungen und Verkostungen werden von der Philadelphia Brewing Company regelmäßig angeboten. Ganz besonders blüht zur Zeit die amerikanische Craft-Beer-Szene auf; unzählige lokale Brauereien bringen ihr Erzeugnis unter die amerikanischen Biergärten. Das traditionell sehr patriotische Philadelphia, das für seine Gastfreundlichkeit und Offenheit bekannt ist, besitzt sogar einen eigenen amerikanischen Ableger des Oktoberfestes – in klassisch deutscher Montur wird dann vorwiegend deutsches Bier ausgeschenkt, und zwischen amerikanischen Country-Hymnen stehlen sich dann immer wieder deutsche Schlagermelodien.

Eine lange Tradition des Brauens
Es dürfte nicht überraschen, dass es deutsche Einwanderer waren, die hiesige Bierkultur in die Staaten exportierten. Busch, Pabst, Miller – die Namen der größten amerikanischen Biermarken haben deutschen Anklang – das ist kein Zufall. Selbst die älteste Brauerei Amerikas trägt den Namen Yuengling – es war nämlich David Gottlob Jüngling, der sein erlerntes Brauereihandwerk mit in die USA brachte und die erste hiesige Brauerei gründete, die bis heute noch in Familienhand ist. Aktuell wird die klassische Brauereikunst von der Craft-Beer-Bewegung erfasst. Individualität, Kreativität und amerikanischer Unternehmergeist haben eine neue Generation von Brauereien hervorgebracht, von der hiesige deutsche Brauereien aber nach wie vor profitieren. Wem also ein Trip in den USA vorschwebt, und erforschen will, welche Spuren deutsche Auswanderer hinterlassen haben, dem sei ein Trip nach Philadelphia ans Herz gelegt. Die Evil Genius Beer Company in Fishtown, die Chestnut Street im Stadtteil Old City oder die Philly Beer Week bieten zahlreiche Gelegenheiten dazu, sich ein beschauliches Plätzchen in einer der vielen Brauereien zu suchen, und ganz nach deutscher Tradition ein Lager, dunkles Hefe oder kühles Blondes zu bestellen. Prost!

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Freitag, 3. November 2017, 16:57

Die Wahrheit über Halloween

Halloween ist eine Erfindung der US-amerikanischen Süßigkeitenindustrie? Das stimmt nicht. Halloween ist ein alter keltischer Brauch? Das stimmt auch nicht. Die wahre Geschichte über Halloween ist die spannendste.

Zitat

Düstere Gestalten schleichen durch die Nacht vor Allerheiligen. Ihre Laternen sind hohle Kürbisse mit hässlichen Fratzen. Das Kerzenlicht taucht die Maskierten in ein unheimliches Licht. Gleich klopfen sie an deine Tür… Es ist Halloween - die fröhliche Horrornacht mit Spuk und Spaß. Das Fest, an dem sich alle gruseln dürfen und gleichzeitig dem Tod den Mittelfinger zeigen. Man verkleidet sich, streunt durch die Straßen, klingelt an Türen, ruft: "Trick or Treat!" Und dann wird auf unzähligen Partys gefeiert.
Allgemein wird gerne geglaubt, dieses US-amerikanische Spektakel sei reiner Kommerz - wie der Coca-Cola-Weihnachtsmann oder die Rosen zum Valentinstag. Und die Halloween-Industrie wird nicht müde, Plastikkürbisse und Gruselmasken auf der ganzen Welt zu vermarkten.

Seelen im Fegefeuer
Dabei steckt hinter dem Kommerz ein echter Brauch, dessen Ursprung jahrhundertealt ist, aber nicht, wie ebenfalls gerne behauptet, bei den Kelten liegt. Die hatten zwar Ende Oktober ihr "Samhain" - eine Art Erntedankfest zum Winteranfang - doch die Kirche, die im Mittelalter in ganz Europa das Sagen hatte, hatte genau auf diesen Termin das Allerheiligenfest gelegt.
Halloween leitet sich ab aus "All Hallows Eve" - dem Abend vor Allerheiligen. Man gedenkt der Toten, spricht Fürbitten aus. Den Toten soll es schließlich gut gehen. Die nämlich warten nach altem christlichen Glauben auf den Jüngsten Tag, der mit dem Wiedererscheinen Christi einhergeht. Im Frühchristentum glaubte man, dass dieser Tag schnell kommt. Was nicht geschah.

"Und dann", erklärt die Bonner Kulturanthropologin Dagmar Hänel, "fragte man sich immer häufiger: Was ist eigentlich mit den Seelen, was machen die? Kann man diese Zwischenzeit bis zum Jüngsten Gericht irgendwie sinnvoll nutzen?" Und so sei das Konzept vom Fegefeuer entstanden: Einer Art Zwischenstation zwischen Tod und Ewigkeit, in dem man anfängt, Sünden abzuarbeiten und sich zu reinigen.
Mit den armen Seelen im Jenseits gab es diesseits eine Verbindung. Dagmar Hänel: "Dieser Glaube ist in allen Religionen vorhanden: Wir können aufs Jenseits einwirken und umgekehrt. So beten wir den Rosenkranz, tun Gutes, spenden Almosen - und das wirkt direkt auf das Leiden der armen Seelen im Fegefeuer." So zog man im Mittelalter in der Nacht vor Allerheiligen von Haus zu Haus, um Gaben zu erbitten. In manchen ländlichen Gegenden in Deutschland hat sich der Brauch bis heute fortgesetzt: Junggesellen ziehen durchs Dorf, beten, singen und segnen und bekommen - erheischen - dafür Geld oder Speisen. In den USA ist dieser "Heischebrauch" zum Kinderspaß geworden: "Trick or Treat".

Ein Brauch verschwindet - aus Europa
Mit der zunehmenden kirchlichen Aufklärung im 18. und frühen 19. Jahrhundert seien die Kirchen angesichts der alten Bräuche skeptisch geworden und hätten manche sogar verboten, weiß Kulturanthropologin Hänel. Hinzu kam -im Zuge der Industrialisierung - ein dichteres soziales Netz, so dass nicht mehr so immens viel für die Armen gesammelt werden musste. "Der Brauch-Kontext verschwand. Bräuche haben ja was mit 'brauchen' zu tun. Bräuche gibt es nicht aus Spaß, sondern weil Menschen ein Bedürfnis danach haben." Mit der Bismarckschen Sozialgesetzgebung Ende des 19. Jahrhunderts fiel dieses Bedürfnis weg. Denn nun war der Staat für die Versorgung der Armen zuständig. So konnte es passieren, dass ein Brauch einfach abstarb.

"Transatlantische Rückwanderung"
Aber: ganz tot war der Brauch ja nicht. Die irischen Auswanderer nahmen den Halloween-Brauch im 19. Jahrhundert mit nach Amerika. Viel besaßen sie nicht, aber an ihrer Kultur hielten sie fest. Lars Winterberg, Experte für Historische Anthropologie und Europäische Ethnologie, glaubt, dass Halloween vor allem in den Einwanderervierteln der großen Städte gefeiert wurde. Und dass die Tradition auch in der neuen Lebenssituation der irischen Auswanderer weitergelebt werden konnte. "Integration funktioniert selten als Einbahnstraße", so Winterberg, "faktisch kommt es fast immer zur Vermischung migrantischer Kultur mit jener der Aufnahmegesellschaft."
So verbreitete sich der Halloween-Brauch in den gesamten USA. Zunächst eher als Kinderfest. Später wurde es "erwachsener", es gab die ersten Partys, die Kostüme, die Deko. Im Zweiten Weltkrieg und danach kam das Fest zurück nach Europa: In Deutschland stationierte US-Soldaten feierten Halloween. Die Deutschen nahmen es damals zur Kenntnis. Interessanter wurde Halloween, als es in Form von Kinofilmen und Serien nach Europa schwappte.

Eine wilde Mixtur aus allem, was untot ist
Trendsetter war "John Carpenter's Halloween". Ein Gruselklassiker, nach dem Halloween nie wieder so war wie vorher. Denn jetzt wurde einfach alles zusammengemixt: Horror, Zombies, Tod, Teufel, Hexen, Vampire, Dämonen, Spuk und Kinderspaß. Mittlerweile feierten selbst die traditionellen Iren Halloween auf amerikanische Art.
Jörg Fuchs, Europäischer Ethnologe an der Uni Würzburg, findet das absurd: "Halloween kommt nach Irland zurück. Man feiert in Irland ein amerikanisches Fest mit irischen Wurzeln, allerdings in amerikanischer Ausgestaltung."

Karnevalsersatz?
Seit zwei, drei Jahrzehnten scheint auch Deutschland vom Halloween-Virus befallen zu sein. In den Schaufenstern stehen orangefarbene Kürbisse mit Fratzengesichtern, an vielen Orten finden am 31. Oktober Halloween-Partys statt. Angesprochen wird vor allem das junge Publikum. Es wirkt fast so, als wolle die Karnevalsindustrie den Deutschen das Halloween-Fest aufzwingen. Jörg Fuchs hat dazu eine interessante Theorie: "1991 sind aufgrund des Irak-Krieges die Rosenmontagszüge ausgefallen. Eine Katastrophe für die Karnevalsindustrie, denen ist ein Millionengeschäft entgangen. Man suchte nach einem zweiten Standbein und überlegte, welches Fest man denn im Jahreslauf noch etablieren könnte. Seitdem kann man eine kommerzielle Blüte feststellen."
Viele Ältere in Deutschland beeindruckt das nicht. Gerade im Rheinland gibt es eine Alternative, die in wenigen Tagen beginnt: Am 11. November startet in den deutschen Karnevalshochburgen die "Fünfte Jahreszeit". Sie dauert bis Aschermittwoch - und basiert auf einem alten christlichen Brauch.

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Montag, 13. November 2017, 19:05

19.11.2017 - 18:00 Uhr - ZDF

Trachten, Tradition und Trump
Deutsche Auswanderer in den USA

Zitat

Über 45 Millionen US-Bürger gaben in der 2015 durchgeführten American Community Survey "German" als ihre Hauptabstammung an. Damit sind die Deutschamerikaner die größte ethnische Bevölkerungsgruppe in den Vereinigten Staaten.
Noch verblüffender ist, dass offenbar eine weitaus größere Zahl von US-Bürgern als bisher angenommen tatsächlich noch Deutsch spricht. Zum Beispiel in Texas. In den von deutschen Auswanderern gegründeten Orten New Braunfels oder Fredericksburg, auch "Fritztown" genannt, steht die "Vereinskirche" am Marktplatz, das Restaurant "Lindenbaum" ist gleich gegenüber dem Biergarten.

Mitten in dem vielleicht amerikanischsten US-Bundesstaat gibt man sich hier deutscher als mancher Deutsche. "Texanische Gastfreundschaft, deutsche Kultur", so lautet auch das Motto des alljährlich in New Braunfels stattfindenden Oktober-Wurstfestes. Immer mit dabei ist die Familie Dirks. Sie ist erst vor zwölf Jahren aus Elmshorn hierher ausgewandert und betreibt im Ort die deutsche Kneipe "Das Friesenhaus". Hier gibt es das Bier noch nach dem deutschen Reinheitsgebot, und es wird noch "dutch gesnackt", also deutsch gesprochen, in einem ganz eigenen deutsch-texanischem Dialekt.

Auch die Vorfahren von Präsident Trump kommen aus Deutschland. Vielleicht hat das dazu geführt, dass man hier im "deutschen" Süd-Texas mit überwiegender Mehrheit Trump gewählt hat. Nach einem Jahr Amtszeit des Präsidenten Trump schaut die "ZDF.reportage" bei seinen "deutschen" Wählern vorbei. Fragt nach, wie es sich so lebt im Süden von Texas, ob sie heute noch mit ihrer Präsidenten-Wahl zufrieden sind und wie sie aus der Ferne auf die alte Heimat Deutschland schauen.

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Montag, 19. Februar 2018, 18:48

Ausstellung im Schiffshebewerk Henrichenburg zeigt 200 Jahre Auswanderung nach Amerika

Zitat

Am Donnerstag wird eine neue Ausstellung im Schiffshebewerk eröffnet. Sie zeigt 200 Jahre Auswanderung von Westfalen nach Amerika. Der Titel lautet "Vom Streben nach Glück". Eine Einführung geben Dietmar Osses, Museumsleiter des LWL-Industriemuseums Zeche Hannover, und Ausstellungskurator Phillip Berg. Für den musikalischen Rahmen mit Western- und Countrymusik sorgen Carlo und Sandra von "Casamusik".


Vom Streben nach Glück
"Hier lebt man besser als in Deutschland", berichtete 1830 der Amerika-Auswanderer Peter Horn aus Pennsylvania in einem Brief an seine Eltern. Wohlstand, Freiheit, Abenteuer - das waren die Hoffnungen, die über 300.000 Menschen aus Westfalen im 19. und 20. Jahrhundert dazu bewogen, in den USA ein neues Leben zu beginnen. Die Ausstellung "Vom Streben nach Glück", die der Landschaftsverband Westfalen von Donnerstag (15.2.) bis zum 4. November in seinem Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop präsentiert, beleuchtet die Ursachen, zeichnet Reisewege nach und schildert die Biografien westfälischer Emigranten.

Das Spektrum der über 100 Exponate reicht von Fotos und Postkarten über ein Schiffsmodell bis hin zu persönlichen Gegenständen der Auswanderer. Das Begleitprogramm umfasst einen genealogischen Workshop und Vorträge rund um die Themen Auswanderung, Familienforschung und die USA.


Waltroper Lebensläufe
Im Schiffshebewerk Henrichenburg werden auch zwei Auswandererbiographien aus Waltrop vorgestellt: die Geschichten von Carl Leppelmann und der Familie Felling. Leppelmann war der Amtmann in Waltrop. Er erwarb sich einen zweifelhaften Ruf, indem er Gelder unterschlug und nicht durch übermäßige Gründlichkeit bei der Erledigung seiner städtischen Geschäfte glänzte. Im Jahr 1863 hatten sich zu viele Eskapaden angesammelt. Leppelmann sollte zur Rechenschaft gezogen werden, wofür er steckbrieflich gesucht wurde. Doch der Waltroper kam seinen Häschern zuvor und setzte sich über den Atlantik ab - samt der Stadtkasse, die 5.000 Taler enthielt. Mit seiner Familie gründete er eine neue Existenz in den USA. Als Charles Leppelmann, einer amerikanisierten Form des Vornamens, wurde er als Architekt tätig. Ob er je eine Ausbildung dafür genoss, ist unbekannt. Ein Haus, das er als Vereinsheim für einen deutschen Turnverein in St. Louis erbaute, wurde später ein Kino.

Wie viele Westfalen siedelte sich auch die Fellings im Mittleren Westen an. Fast eine Million Deutsche fanden in den Staaten Wisconsin, Ohio, Iowa und Minnesota eine neue Heimat. Johann Theodor Felling war der zweitgeborene Sohn einer Bauernfamilie aus Oberwiese. Er hatte keine Chance, den väterlichen Betrieb zu erben. Deshalb entschied er sich 1848, in die USA überzusiedeln. Im gleichen Jahrzehnt wanderten 30 weitere Waltroper nach Nordamerika aus. Die Nachfahren der Familie, die den gleichnamigen Bauernhof in Oberwiese besessen haben, leben noch heute in den USA: Es gibt dort über 200 Träger des Namens "Felling". Tom Felling, der Urenkel von Theodor Johann, machte sich 1992 auf die Suche nach den Ursprüngen seiner Familie. Der in Minneapolis tätige Lehrer entdeckte im Gebetbuch seines Großonkels Joseph den Eintrag "Oberwiese, Waltrop" und nahm Kontakt in die alte Heimat auf. 2009 trug er sich in das Goldene Buch der Stadt Waltrop ein.


Fluchtursachen
Nicht nur wirtschaftliche Not, die vor allem in den ländlich geprägten Regionen Westfalens der Hauptgrund für die Auswanderung war, trieb die Menschen in die Ferne. Auch politische Gründe bewogen die Menschen dazu, ihre Heimat in Deutschland zu verlassen. Das Streben nach politischer Freiheit brachte nach der Niederschlagung der demokratischen Revolution in Deutschland 1848/49 viele Aktivisten und Freidenker aus Westfalen in die USA. Die Vereinigten Staaten galten damals als das Vorzeigeland der Bürgerrechte, als Vorkämpfer für Freiheit und Gleichheit. Zu den Aktivisten, die nach dem Scheitern der Revolution nach Amerika emigrierten, gehörten unter anderem die Bürgerrechtlerin Mathilde Franziska Anneke aus Hiddinghausen bei Hattingen (Ennepe-Ruhr-Kreis) oder der Maler Carl Schlickum aus Hagen.

Agenten vermittelten den Ausreisewilligen die Schiffsfahrkarten für die Überfahrt in die USA. Die Reise begann meist in den beiden großen deutschen Auswandererhäfen in Bremerhaven und Hamburg. Das Modell eines Auswandererschiffes aus dem Deutschen Technikmuseum in Berlin sowie Postkarten und Werbeplakate der Reedereien zeigen in der Ausstellung, wie diese Schiffe aussahen.


Die Deutschen in der Neuen Welt
Zu Beginn des Ersten Weltkrieges hatten über acht Millionen Menschen in Nordamerika deutsche Vorfahren. Sie lebten als Farmer in den nördlichen Staaten des Mittleren Westens, waren aktiv in der Kultur, in der Politik und im Wirtschaftleben der Vereinigten Staaten. Vor allem der Bundestaat Indiana mit seiner Hauptstadt Indianapolis wurde zu einem Zentrum deutschen Wirkens. In Fort Wayne brauten und vertrieben die Dortmunder Berghoff-Brüder "Dortmunder Beer". Clemens Vonnegut aus Münster brachte es mit einem Haushalts- und Eisenwarenhandel in kurzer Zeit zu Reichtum. Und William Edward Boeing, Sohn eines Einwanderers aus dem heutigen Hagen, gelang es gar, einen Weltkonzern aufzubauen.

Neben Knowhow brachten die Deutschen auch das Vereinswesen mit in die neue Heimat: In den meisten Städten des Mittleren Westens gab es Männerchöre und Turnvereine, auch Karneval wurde gefeiert.

Mit dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg veränderte sich das Verhältnis zwischen Amerikanern und Deutschen. "Die hoch geachteten und von manchen auch beneideten deutschen Eliten gerieten in den USA stark unter Druck. Viele ließen ihre Familiennamen amerikanisieren. Deutsche Zeitungen, deutschsprachige Reklametafeln und deutsche Bräuche verschwanden binnen weniger Wochen aus der Öffentlichkeit. Das war ein entscheidender Einschnitt, von dem sich die deutsche Gemeinschaft kaum wieder erholen konnte", verrät der Leiter des LWL-Industriemuseums Schiffshebewerk Henrichenburg, Dr. Arnulf Siebeneicker.

Ein eigenes Kapitel widmet die Ausstellung dem Thema Vertreibung und Verfolgung nach 1933. So wanderten über 120.000 deutsche Intellektuelle und Juden nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nach Amerika aus.


Ein Thema für die Gegenwart
Auch Diskussionen über zeitgenössische Entwicklungen kann der Blick in die Geschichte der Amerika-Auswanderung anregen. "Die Parallelen zu aktuellen Fragen von Migration und Integration sind in dieser Ausstellung offensichtlich. Das LWL-Industriemuseum versteht sich dabei als Forum, in dem gesellschaftlich relevante Themen zur Diskussion gestellt werden", erklärt Direktor Dirk Zache. Zwar seien die Deutschen damals nicht vor einem Bürgerkrieg geflohen, wohl aber aus einer hoffnungslosen Lebenssituation, die ihnen weder Auskommen noch berufliche Perspektive in ihrer Heimat bot.

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Mittwoch, 25. April 2018, 19:43

Auswanderer
Von wegen Rentner-Ort: Deutsche lassen Palm Springs aufleben

Zitat

Palm Springs galt lange als ewige Rentner-Oase. Doch dank deutscher Auswanderer verliert das kalifornische Städtchen dieses Image.

Wie eine Fata Morgana taucht plötzlich, in der glühenden Steinwüste des kalifornischen Coachella Valley, Palm Springs auf: Vor der Kulisse der markanten San Janito Mountains recken sich grazile Palmen in den verlässlich tiefblauen Himmel, elegante Bungalows im Bauhaus-Stil säumen die linealgeraden Straßen. 170 Kilometer von Los Angeles entfernt liegt der 50.000-Einwohner-Ort. Jahrzehntelang regierten hier reiche Rentner, was zu Spottnamen wie „Wartezimmer Gottes“ führte.
Jetzt erlebt die Oasen-Stadt einen Boom und knüpft an die glorreichen 1950er und 60er an, als Frank Sinatra, Elvis Presley und Elizabeth Taylor hier wilde Partys feierten. 14 Millionen Besucher kamen im vergangenen Jahr in die Region. Die Stadt gilt mittlerweile als Spielplatz für Hollywoodstars, Hipster, Kunstsammler und Internetmillionäre.
Der Aufstieg erfolgte synchron zu dem des in der Nähe stattfindenden Coachella-Festivals, wo an den vergangenen Wochenenden Stars wie Beyoncé oder Eminem auftraten. Die Einnahmen der durchorganisierten Pseudo-Hippie-Sause stiegen von 16 Millionen Dollar (2007) auf 114 Millionen Dollar (2017).

Victoria’s Secret wählte Palm Springs zur „sexyesten Stadt“
Maßgeblich beteiligt am Image-Wandel von Palm Springs sind deutsche Auswanderer. So wie der Frankfurter Bauunternehmer Michael Braun. 2002, die Stadt lag da noch im Dornröschenschlaf, kaufte er ein Gelände in der Innenstadt. Im vergangenen November eröffnete er sein Kimpton Rowan Hotel inklusive Shopping-Komplex. Tom Hanks, Jessica Chastain oder Steven Spielberg schlürften schon ihre Drinks an dem einzigen Dachterrassen-Pool der Stadt.
Am Anfang hatte Braun Schwierigkeiten, seine Ladenlokale zu vermieten. „Inzwischen rufen aber viele an, die vor drei Jahren noch Nein gesagt haben.“ Auch Victoria’s Secret hat Interesse angemeldet – der Unterwäsche-Hersteller wählte Palm Springs im vergangenen Jahr zur „sexyesten Stadt der USA“. Ein erstaunlicher Titel für einen einstigen Senioren-Sonnenplatz.

Angst vor der Marktmacht der großen Ketten
Die aus dem Schwarzwald eingewanderte Marianne Hunzinger, die seit 23 Jahren ihren Modeladen Marianne’s führt, freut sich zwar über den Aufschwung, hofft aber, dass die Ketten nicht die alteingesessenen Geschäfte verdrängen: „Sonst sieht es hier irgendwann aus wie in jeder anderen Stadt.“ Die neu eröffnete H&M-Filiale sieht die 72-Jährige mit Besorgnis.
„Wahrscheinlich sind H&M die Einzigen, die sich die hohen Mieten noch leisten können“, vermutet Michelle Whittaker, Geschäftsführerin vom Trendladen Blonde. „Es ist absolut wichtig, dass neu mit alt gemischt wird, sonst geht das Flair verloren.“

Keine Angst vor Gewalt in Palm Springs
Einer, der vom Boom profitiert, ist der deutsche Galerist Christian Hohmann. Zu seinen Kunden zählen Wirtschaftsmilliardäre und saudische Prinzen. „Ich kann mir für mich und meine Familie keine schönere Umgebung vorstellen“, sagt er. „Man muss sich wegen Schießereien keine Sorgen machen. Alles ist sehr entspannt.“
Ganz so ruhig ist der Job von Harrison Gerhardt, dessen Familie aus Gelsenkirchen eingewandert ist, nicht. Der 33-Jährige betreut im Avalon-Hotel, in dem schon Clark Gable und Marilyn Monroe wohnten, prominente Gäste. Ein herausfordernder Job: So beschwerte sich schon einmal ein Supermodel, weil die Wanne nicht wie gewünscht himbeerfarben war, und Daniel Craig verlangte es nach einer seltenen Zigarre.

Leonardo DiCaprio vermietet seinen Luxusbungalow
Die Konkurrenz durch das wegen seiner untypischen Höhe kritisierte Kimpton Rowan Hotel sieht er gelassen. „Die Leute vergessen oft, dass sich etwas ändern muss, wenn man wachsen möchte. Wer es hip will, kommt ins Rowan, wer alten Hollywood-Glamour will, kommt zu uns.“
Wer es dagegen ganz privat bevorzugt, bucht die Unterkunft eines weiteren deutschstämmigen Teilzeit-Residenten: Leonardo DiCaprio vermietet seinen Luxusbungalow am 432 Hermosa Place für 3800 Dollar. Pro Nacht, und ohne Leo.

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53

Dienstag, 9. Oktober 2018, 19:15

German-American Day
Die Deutschen waren vor allem Wirtschaftsflüchtlinge

Zitat

Heute wird in den USA der German-American Day gefeiert. Die deutschen Einwanderer passten sich zunächst schwer an, saßen im Biergarten und sangen deutsches Liedgut, sagt der Amerikanist Michael Hochgeschwender und plädiert für Geduld bei Integrationsprozessen.

Heute gebe es unter Deutschstämmigen in den USA nur noch ein „Kulturgefühl“, sagte der Professor für nordamerikanische Kulturgeschichte an der Universität München, Michael Hochgeschwender. Dabei sollen bis zu 50 Millionen Amerikaner deutsche Wurzeln haben, beispielsweise der Autor Stephen King, die Schauspielerin Uma Thurman und auch Donald Trump. Ihre Vorfahren wanderten einst aus Deutschland in die USA ein.
Am heutigen 6. Oktober wird in den USA der German-American Day gefeiert, der Tag der Deutschamerikaner. Hochgeschwender räumt mit ein paar Mythen über die deutschen Einwanderer gründlich auf.

Link mit einem längeren Interview
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Sonntag, 21. Oktober 2018, 20:23

Vor 300 Jahren wanderten aus Rheinhessen und der Pfalz viele nach Amerika aus – und sie sprechen heute noch Pennsylvania-Deutsch. Ein Vortrag im Alzeyer Museum klärte auf.

Zitat

Sie bemalen ihre Scheunen mit „Schtann“ (Sternen), essen „Krumbeere un Rotrüb“ (Kartoffeln und Möhren), sind stolze Besitzer einer „Bauerei“ (Bauernhof) und lassen kleinere Übel wie etwa Warzen von einem „Braucher“ mit überlieferten Hausmitteln und Gebeten behandeln. Ihre Vorfahren kamen aus dem Elsass, aus Rheinhessen, vor allem aber aus der Pfalz, und als die vor 300 Jahren nach Nordamerika auswanderten, brachten sie neben den eigenen Sitten und Gebräuchen auch ihre unverwechselbare „Sproch“ mit.

Dieses Pennsylvania-Deutsch „schwätzen“ rund 40 000 Bewohner des Bundesstaates im Nordosten der USA bis heute – und es klingt nicht nur für Pfälzer vertraut, sondern auch für dialektbewanderte Rheinhessen. Die zahlreichen Besucher des Vortragsabends im Alzeyer Museum hatten jedenfalls keine Mühe, den ebenso informativen wie unterhaltsamen Ausführungen des Ethnologen Patrick Donmoyer aus Kutztown in Pennsylvania zu folgen.

Referent kann Pfälzisch, aber kein Hochdeutsch
Der Leiter des „Zentrums für das kulturelle Erbe der Pennsylvania-Deutschen“ berichtete auf Einladung des Alzeyer Altertumsvereins, des Rotary-Clubs und des Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreises über Kultur, Sitten und Gebräuche, vor allem aber über die Sprache seiner Vorfahren. Sein Großvater, so berichtet er, habe das altertümliche Pfälzisch noch fließend gesprochen; er selbst musste es dann schon als Zweitsprache lernen. Das war allerdings kaum herauszuhören – bis auf ein typisch amerikanisches „r“ oder das eine oder andere englische Wort wies nichts in seinem Vortrag darauf hin, dass der Wissenschaftler mit der englischen Sprache aufgewachsen ist. Allerdings gestand er schmunzelnd ein, man müsse ihm nachsehen, wenn er die eine oder andere Frage nicht gleich verstehe: Er spreche zwar das alte Pfälzisch, aber „Buchdeutsch“ (Hochdeutsch) habe er nie gelernt.

Was Donmoyer zu erzählen hatte, war ausgesprochen spannend. Wie in Deutschland sind es auch in den USA vor allem die Älteren, die ihren Dialekt noch fließend sprechen. Lediglich bei den Amish People und den Mennoniten, die in abgeschlossen Gesellschaften auf althergebrachte Weise leben, wächst auch die Jugend mit dieser Sprache auf. Er selbst, sagte Donmoyer, stamme aus einer lutherischen Familie und habe unter seinen Vorfahren neben Pfälzern auch Elsässer und andere Einwanderer aus Deutschland. Sein Anliegen sei es, deren kulturelles Erbe zu bewahren.

Voller Begeisterung erzählte er von den mit bunten Sternen bemalten Scheunen, der Jagd der Kinder auf „Elwedritsche“ und das vorweihnachtliche Auftreten des ebenso gefürchteten wie beliebten „Belznickels“. Im Zentrum der Pennsylvania-Deutschen kleide er sich selbst zwei Wochen vor Weihnachten in das Pelzkostüm dieser Nikolausfigur. Auch das Liedgut der Einwanderer wird in dem Kulturzentrum gepflegt, und das nicht nur schriftlich. So begeisterte Donmoyer zusammen mit dem Vorsitzenden des Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreises, Dr. Michael Werner, das Publikum im vollbesetzten Museumssaal auch noch mit Liedern in der alten Sprache.

Dass das Pfälzische gar nicht so weit entfernt ist vom Rheinhessischen, bewies der Historiker Dr. Helmut Schmahl, der die Gäste im Namen des Altertumsvereins und des Rotary-Clubs im heimischen Dialekt begrüßte. Wenn er zu Besuch in Pennsylvania ist, hat er nach eigener Aussage keine Mühe, mit den älteren Nachkommen der Auswanderer „zu schwätzen“.

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55

Mittwoch, 21. November 2018, 20:41

Jubiläum der Legende: 135 Jahre Gretsch Drums

Zitat

1883 eröffnete der deutsche Auswanderer Friedrich Gretsch einen eigenen Musikladen in Brooklyn/New York. In einer Werkstatt fertigte er auch eigene Instrumente wie Banjos, Tambourine und Trommeln. 1920 wurde Gretsch als größter Instrumentenhersteller der USA anerkannt. In den 1920er-Jahren begann man mit der Produktion erster Drumsets und somit eine Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält.

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Sonntag, 16. Dezember 2018, 22:43

Kennen Sie die Tradition um die Weihnachtsgurke?

Zitat

Eine Gewürzgurke am Weihnachtsbaum soll Tradition haben - gar deutsches Kulturgut sein, das Auswanderer einst mit in die Neue Welt nahmen. Aber hierzulande weiß kaum einer, was hinter dem Brauch steckt.

Es gibt ihn ausgefallener, etwa als Käsestück, Spiegelei oder Bierkrug, und natürlich klassisch als Tannenzapfen, Kugel oder Stern: Die Rede ist von Weihnachtsbaumschmuck. Ebenfalls zu den Klassikern gehören aber auch saure Gurken am Weihnachtsbaum. Nur wie ist es um die Herkunft der Weihnachtsgurkentradition bestellt? In den USA ist es ein weitverbreiteter Brauch, die sogenannte „Christmas Pickle“ als letztes Baumschmuckstück etwas versteckt in die Zweige zu hängen. Wer sie zuerst findet – das ist nicht unbedingt einfach, da sie farblich gut getarnt ist –, der erhält ein zusätzliches Weihnachtsgeschenk und viel Glück im kommenden Jahr.
Bis heute halten viele Amerikaner es für einen urdeutschen Brauch, sich eine gläserne Gewürzgurke in den Weihnachtsbaum zu hängen – schließlich, so heißt es, lieben die Deutschen Tradition, Weihnachten und saure Gurken. Und hier in Deutschland? Sagen 91 Prozent der Befragten, dass sie den Brauch um die Gurke überhaupt nicht kennen, das ergab eine Umfrage des britischen Marktforschungsinstituts YouGov. Alles nur Marketing oder tatsächlich durch deutsche Auswanderer importierte Tradition? Ganz wird die Herkunft wohl nie geklärt werden, aber einige mögliche Szenarien möchten wir Ihnen dennoch anbieten:

Deutscher Auswanderer im Amerikanischen Bürgerkrieg
Einige Legenden sagen, dass ein deutscher Immigrant und Soldat im Amerikanischen Bürgerkrieg die Tradition begründet habe. Der in Bayern geborene Private John Lower sei demnach 1864 gefangen genommen und in das Gefangenenlager in Georgia gebracht worden. Verschiedenen Erzählungen nach sei er am Heiligabend entweder fast verhungert oder sterbenskrank gewesen und habe einen Wachmann um eine letzte Mahlzeit gebeten: nämlich eine saure Gurke. Diese bekam er auch – und überlebte. Nachdem er zu seiner Familie zurückgekehrt sei, soll er in Gedenken an seine Rettung jedes Jahr eine solche Gurke an den Weihnachtsbaum gehängt haben.

Arme-Leute-Baumschmuck im Spreewald
Eine ganz andere Idee hat der Weimarer Glashandwerker Dieter Dressler. In einem Gespräch mit der „New York Times“ sagte er, dass sich die Gurken-Tradition auch darin begründen könne, dass die Menschen im Spreewald, wo Gurken traditionell angebaut und eingelegt werden, einst so arm gewesen sein könnten, dass sie nichts anderes an ihren Bäumen hätten aufhängen können. Und die Emigranten hätten diese Erinnerung dann mitgenommen nach Amerika.

Kein Geld für alle Weihnachtsgeschenke
Um arme Leute geht es auch bei dieser Herkunftstheorie: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es vielen Familien finanziell nicht möglich, jedem Kind ein Weihnachtsgeschenk zu machen. Darum soll sich der Brauch mit der Gurke eingebürgert haben – so erhielt nur jenes Kind, welches sie zwischen den Zweigen des Baumes entdeckte, ein kleines Geschenk. Warum es nun ausgerechnet eine Gurke und nicht etwa eine Kartoffel war? Das könnte sich darin begründen, dass die Gürkchen günstig und einfach eingelegt und somit lange haltbar gemacht werden konnten.

St. Nikolaus und die Jungen im Gurkenfass
Einem mittelalterlichen Volksmärchen nach machten drei spanische Jungen halt in einer Herberge. Der hintertriebene Herbergsvater jedoch stopfte die drei in ein Gurkenfass und stahl ihre Habe. In derselben Nacht machte auch St. Nikolaus in dieser Herberge Rast und bemerkte die toten Jungen im Gurkenfass – und erweckte sie wieder zum Leben. Seither gedenkt man des heiligen Nikolaus mit einer Essiggurke im Weihnachtsbaum.

Woolworth’ geschickter Marketingschachzug
Eine weitere Theorie, wohl die wahrscheinlichste von allen, legt nahe, dass es sich bei der Geschichte nur um einen geschickten Marketingtrick handelt. So sollen bereits in den 1840er-Jahren deutsche Glasbläser aus Thüringen angefangen haben, Ornamente in Form von Früchten und Nüssen zu fertigen – darunter auch die Gurke. Davon während eines Deutschlandbesuchs angetan, soll Frank Winfield Woolworth, Gründer der US-amerikanischen Kaufhauskette Woolworth, beschlossen haben, diesen Glas-Christbaumschmuck ab 1880 nach Amerika zu importieren und in seinen Geschäften zu verkaufen. Damit sich der neu geschaffene Weihnachtsgurkenbaumschmuck besser verkaufen ließ, dachte er sich kurzerhand noch eine rührige Geschichte von deutscher Tradition aus – fertig war der perfekte Marketing-Schachzug.

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Sonntag, 20. Januar 2019, 20:32

Der erste Goldsucher der USA kam aus Hersfeld-Rotenburg

Zitat

Der erste Goldrausch in den USA wurde von einem Deutschen ausgelöst. Er stammte aus Neuenstein im Kreis Hersfeld-Rotenburg.
Der Goldrush ereignete sich 1799 in North-Carolina. Der erste Mann, der in den USA Gold gefunden hat, stammt aus dem Neuensteiner Ortsteil Salzberg. Die Geschichte ist so kurios, dass sie auf dem Kurznachrichtenportal Twitter die Runde machte.

Goldklumpen wurde als Türstopper benutzt
Tatsächlich war es Conrad Reed, der Sohn von John Reed, der im Jahr 1799 das Gold fand. Der Zwölfjährige spielte mit Geschwistern an einem Bach und entdeckte einen gelben, glänzenden Stein im Bachbett. Den 17 Pfund (7,7 Kilogramm) schweren Stein brachte er mit nach Hause, wo er drei Jahre lang als Türstopper diente, bevor sein Vater ihn einem Juwelier zeigte. Der kaufte ihm das Gold für 3,50 Dollar ab, obwohl es einen Wert von 3600 Dollar gehabt hätte. Nach heutigen Preisen (36,11 Euro für 1 Gramm) wäre der Goldklumpen 278.000 Euro wert. Weitere Goldfunde machten aus Reed einen reichen Mann und entschädigten ihn für die erste Fehleinschätzung.
Doch von Anfang an: Johannes Reith oder Ried - da gibt es unterschiedliche Angaben - wurde am 14. April 1759 als unehelicher Sohn von Anna Elisabeth Reith aus Salzberg und Johann Jakob Helmerich aus Niederneuenstein, einem Hof nordwestlich von Saasen und der Burg Neuenstein, geboren.
Die Familie Reith hatte seit mehreren Generationen in Salzberg und Raboldshausen gelebt und war arm. Johannes hat nie lesen oder schreiben gelernt und wurde 1773 in Raboldshausen konfirmiert. Als 16-Jähriger wurde Johannes Reith im Jahr 1776 für die Armee des Landgrafen Friedrich II von Hessen-Kassel rekrutiert, ob als Freiwilliger oder unter Zwang ist nicht bekannt, und nach Amerika geschickt, um die Engländer unter König George III, ein Schwager des Landgrafen, dabei zu unterstützen, die Rebellion in der Kolonie niederzuschlagen.

Flucht nach North Carolina - Namensänderung in John Reed
Das Militärleben hat Reith, wie vielen anderen Hessen auch, offenbar nicht gefallen. Am 21. Juni 1782 desertierte er von seinem Regiment in der Nähe von Savannah und schlug sich nach North Carolina durch, wo im damaligen Mecklenburg, dem heutigen Cabarrus County viele Deutsche lebten. Seinen Namen änderte er in John Reed.
Dort heiratete er ein Jahr später Sarah Kiser oder Kizer (früher Kaiser), die 21 Jahre alte Tochter einer der bekanntesten Familien in der Gegend. Die beiden bekamen neun Kinder und erarbeiteten sich eine profitable Landwirtschaft.
Doch dann passierte die Sache mit dem Goldklumpen. Im Gegensatz zu vielen anderen Farmern, die nach Goldfunden leichtsinnig wurden, ging Reed sehr konservativ an die Sache heran. Er führte seine Farm weiter, tat sich aber im Jahr 1802 oder 1803 mit drei Partnern zusammen, um das Edelmetall auf seinem Grundstück zu gewinnen. Schriftliche Unterlagen über diese Partnerschaft gibt es nicht. Alle Partner waren honorige Bürger: Sein Schwager Frederick Kiser, der Baptistenprediger James Love und Martin Phifer jr., ein aus der Schweiz stammender Geschäftsmann.
In der Goldmine wurden auch Sklaven als Arbeitskräfte eingesetzt. Reed war schließlich einer der größten Sklavenhalter der Region. Die Gewinne teilten sich die Partner zu gleichen Teilen. Immer wieder wurden große Goldklumpen gefunden mit Gewichten bis zum 28 Pfund (12,7 Kilogramm) deren Wert sich heute auf etwa 459.000 Euro beliefe. Die Reed-Goldmine galt bald als eine der reichsten in der Region.
John Reed starb am 28. Mai 1845, ohne noch einmal in seine Heimat zurückgekehrt zu sein. Drei Jahre zuvor hatte er die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen. Im Kirchenbuch von Salzberg findet sich jedoch ein Hinweis auf sein Beerdigungsdatum. Vermutlich hat jemand von seiner amerikanischen Verwandtschaft die deutschen Angehörigen informiert.

John Reeds Goldmine 1912 geschlossen
Nach John Reeds Tod wechselte die Goldmine, in der seit 1831 auch unterirdisch goldhaltiges Gestein abgebaut wurde, mehrfach den Besitzer. 1912 wurde sie geschlossen. Das letzte große Goldstück (Nugget) war 1895 gefunden worden. Insgesamt sind alleine an Nuggets mehr als 45 Kilogramm Gold dort gefunden worden. Heute ist die Reed Goldmine ein Museum. Teile der unterirdischen Tunnel wurden restauriert. Ein Besucherzentrum zeigt Goldnuggets und historische Gerätschaften, und es gibt einen Film über den ersten Goldfund. Mit Veranstaltungen werden auch inhaltliche Schwerpunkte gesetzt. So gibt es einen Vortrag über die Sklavenarbeit in der Mine.

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Freitag, 25. Januar 2019, 20:18

Dem Bierkönig aus Bad Kreuznach auf der Spur

Zitat

Das neue Taschenbuch „Adolphus Busch. Das Leben des Bierkönigs“ berichtet über Eberhard Anheuser, der mit Adolphus Busch den Grundstein für die größte Brauerei der USA legte.

Einer der größten Söhne von Bad Kreuznach steht im Mittelpunkt des neuen Taschenbuches „Adolphus Busch. Das Leben des Bierkönigs“ von Ernst und Doris Probst. Dabei handelt es sich um Eberhard Anheuser (1806-1880), der in St. Louis (Missouri) zusammen mit seinem Schwiegersohn Adolphus Busch (1839-1913) aus Mainz-Kastel den Grundstein für die größte Brauerei der USA legte. Die Autoren konnten viele, aber längst nicht alle Rätsel über dieses aus Deutschland in die USA eingewanderte erfolgreiche Unternehmer-Duo lösen.

Mit Frau und sechs Kindern nach Amerika
Der aus einer altbekannten und renommierten Bad Kreuznacher Winzerfamilie stammende Eberhard Anheuser kam vermutlich bereits 1842 mit Frau und sechs Kindern nach Amerika. Die vielköpfige Familie lebte zwei Jahre lang in Cincinnati, bevor sie 1844 nach St. Louis am Mississippi zog. In vielen anderen Büchern wird behauptet, Anheuser habe zuerst allein Deutschland verlassen, seine Familie sei ihm erst später gefolgt.
rnst und Doris Probst haben herausgefunden, dass von 1836 bis 1842 in Helmstedt (Niedersachsen) sechs Kinder des Seifensiedermeisters Eberhard Anheuser und seiner Ehefrau Marie Dorothee Franziska evangelisch getauft wurden. Eine Tochter namens Elisa, genannt „Lilly, befindet sich nicht unter den sechs Taufeinträgen (drei Söhne, drei Töchter) der Familie Anheuser in der evangelisch-lutherischen Kirche „St. Stephani“ in Helmstedt. „Lilly“, die spätere Ehefrau des „Bierkönigs“ Adolphus Busch, kam am 12. oder 13. August 1844 in St. Louis zur Welt. Etliche Autoren geben Bad Kreuznach oder Braunschweig als Geburtsort an. Dafür lassen sich allerdings keine Taufeinträge finden. Falsch sind auch die Angaben über die Zahl der Kinder von Adolphus und „Lilly“ Busch, die am 11. März 1861 in St. Louis heirateten. Die Beiden hatten 14 Kinder und eine Adoptivtochter namens Gustava, die das verwaiste Kind der Schwester Hermine von „Lilly“ war.

Kurios klingt die Geschichte über den gescheiterten Versuch des „Bierkönigs“ Adolphus Busch, die Kauzenburg bei Kreuznach zu erwerben. Adolphus bot für die 1688 von Franzosen eroberte, gesprengte und niedergebrannte Burg, die er wieder aufbauen und als Residenz nutzten wollte, zwei Millionen Mark. Doch die katholische Kirche intervenierte gegen dieses Vorhaben, weil der römisch-katholisch getaufte Adolphus 1861 seine „Lilly“ in einer evangelischen Kirche von St. Louis in einer lutherischen Zeremonie geheiratete hatte. Der Verkauf an Busch kam nicht zustande.
Dagegen waren Adolphus und „Lilly“ Busch im Taunusdorf Lindschied (heute Bad Schwalbach) willkommen. Sie errichteten dort 1891 eine Sommerresidenz, in der sie sich alljährlich erholten und ganzjährig rund 60 Personen beschäftigten. In der „Villa Lilly“ bei Lindschied starb Adolphus am 10. Oktober 1913 im Alter von 74 Jahren. Er hinterließ damals ein Vermögen, das heute fast anderthalb Milliarden US-Dollar wert wäre. 2008 wurde das riesige Unternehmen „Anheuser-Busch“ für rund 52 Milliarden US-Dollar an die belgisch-brasilianische „InBev-Gruppe“ verkauft.

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Sonntag, 10. März 2019, 17:50

Fredericksburg in Texas ist das Deutschland Amerikas
In Fredericksburg in Texas lässt sich erleben, wie deutsche Auswanderer eine neue Heimat fanden. Manches ist gar deutscher als zu Haus.

Zitat

Ein Reh hat es sich auf der hölzernen Veranda bequem gemacht. Es liegt dort und genießt die morgendlichen Sonnenstrahlen. Dass derzeit Gäste das alte Farmhaus von 1925 bewohnen, scheint es nicht sonderlich zu interessieren. Anders die halb wilden Katzen, die um unsere Füße streichen, während wir in der quietschenden Hollywoodschaukel unseren Kaffee trinken. Wir tun es dem Reh gleich, lassen uns durch nichts beeindrucken und schauen auf das weite, unberührt wirkende Land. Strohgelbes Gras steht dort, hier und da Bäume und Kakteen.
Weiter unten verläuft ein Fluss, dessen Ufer wir in den kommenden Tagen mit unseren Kindern erkunden wollen. Gute Plätze zum Angeln soll es dort geben. Andere Attraktionen für die Kleinen sind die Pferde und Kühe, die direkt gegenüber von unserem Domizil hinter einem hölzernen Gatter stehen und kauen, wenn sie nicht gerade vollkommen frei über das Grundstück spazieren.
Wie befinden uns auf der Monarc Ranch in Fredericksburg, im Hill Country von Texas. Die Region liegt etwa 100 Kilometer westlich von Austin, der Hauptstadt des US-Bundesstaates. Ein paar Tage lang echtes Landleben wollen wir hier genießen, der Empfehlung einheimischer Freunde folgend. Im Geiste danken wir ihnen schon jetzt. Die ersten oder einzigen Deutschen, denen es hier gefällt, sind wir allerdings nicht.
Im 19. Jahrhundert zogen zahlreiche Auswanderer aus unseren Gefilden ins Texas Hill Country, es ist heute wie kaum eine andere Region in den Vereinigten Staaten geprägt von deutschstämmigen Siedlern. In Fredericksburg, das mit etwa 10.000 Einwohnern als Hauptort des Hill Country gilt, ist das deutsche Erbe besonders lebendig.

Ältere Einwohner haben lustige Vokabeln: Stinktier heißt Stinkkatze
Mit dem Auto fahren wir 20 Minuten über staubige Wege und eine breite Schnellstraße, auf der uns Trucks und Pick-ups überholen. Dann sind wir im Zentrum der Stadt, die mit ihren ein- bis zweistöckigen, weiß gestrichenen Holzhäusern noch immer ein bisschen aussieht wie im 19. Jahrhundert. Auf dem „Marktplatz“, der auch wirklich so heißt und sich in einer deutschen Kleinstadt befinden könnte, treffen wir Evelyn Weinheimer.
„Wir pflegen die Traditionen, feiern zum Beispiel alljährlich zusammen den Zweiten Weihnachtstag, und singen zusammen Lieder“, sagt sie in fließendem Deutsch. Evelyn Weinheimer ist in Fredericksburg als Tochter deutschsprachiger Eltern geboren. Im Pioneer Museum, das die Geschichte der deutschen Siedler anschaulich erzählt und direkt hinter dem Marktplatz liegt, ist sie für das Archiv und für Besucherführungen zuständig.
Zu der Frage, was aus ihrer Sicht typisch deutsch ist, sagt sie: „Wir packen an, wir kümmern uns. Und wir sind gerne mit unseren Familien zusammen.“ Weinheimers Deutsch ist akzentfrei, wenig anders als Hochdeutsch. „Hier im Hill Country haben sich die Akzente vermischt“, sagt sie dazu. Aber einige ältere Einwohner, die das alte Texasdeutsch mit einigen besonderen Vokabeln wie „Luftschiff“ für Flugzeug und „Stinkkatze“ für Stinktier sprechen, gebe es auch noch.
Verbindungen zum heutigen Deutschland hält Fredericksburg, das kurz „Fritztown“ genannt wird, unter anderem über eine Städtepartnerschaft mit Montabaur in Rheinland-Pfalz. Warum man auf die Vorfahren hier im Hill Country so stolz ist, liege auch an der ganz eigenen, ungewöhnlichen Vergangenheit: „Die deutschen Siedler in Fredericksburg haben den einzigen Vertrag mit amerikanischen Ureinwohnern geschlossen, der nie gebrochen wurde“, erklärt Evelyn Weinheimer. An die damaligen Verhandlungen, während derer die Comanchen in der Umgebung Feuer entzündeten, werde in Fredericksburg noch heute mit besonderen Osterfeuern erinnert.

Die ersten deutschen Siedler wohnten in „Sunday Houses“
Rosemarie Mazanke, ebenfalls deutschstämmig und auch im Pioneer Museum tätig, ergänzt: „Das deutsche Erbe ist mittlerweile auch ein touristischer Faktor.“ So werde auf dem Marktplatz beispielsweise ein dreitägiges Oktoberfest gefeiert, das alljährlich mehr als 20.000 Besucher in die Stadt locke. Auch unabhängig von diesem Termin ist „Fritztown“ ein beliebtes Ausflugsziel, wie bei einem kleinen Stadtspaziergang deutlich wird. Ältere Herren mit weißem Haar unter dem Cowboyhut begleiten ihre Gattinnen durch Souvenirläden an der Main Street, die texanische Heimatromantik verbreiten und Cowboystiefel, Jeans und Holzfällerhemden anbieten.
Interessant auch für jüngere Ausflügler, einige von ihnen mit Kindern an der Hand, ist der „Ausländer Biergarten“, der Speis und Trank wie in Bayern verspricht. Der deutschen Tradition sehen sich auch Restaurants wie der „Lindenbaum“ verpflichtet, „Opa’s Smoked Meat“ bietet Rauchfleisch und mehr – und wer Kuckucksuhren, Trachten und Dirndl sucht, wird im Geschäft von Paula Kager fündig.
Besucher, die es ruhiger mögen, besuchen in den Nebenstraßen des historischen Zentrums eines der „Sunday Houses“, eingeschossige Holzgebäude mit überdachter Veranda, in denen die ersten deutschen Siedler wohnten. Oder sie besichtigen die sechseckige „Vereins Kirche“ am Rande des Marktplatzes, von der heute allerdings nur noch eine Reproduktion aus dem Jahr 1935 steht.

Viele der Bewohner sind deutschstämmig
Noch ruhiger geht es – zumindest abseits der Wochenenden und Feiertage – auf der Sauer-Beckmann Living History Farm zu. Hier kann bestaunt und erlebt werden, wie das Landleben vor einem Jahrhundert aussah. Kurz entschlossen machen wir einen Abstecher zu dem Anwesen, das zum Lyndon B. Johnson State Park gehört und nur eine Viertelstunde mit dem Auto entfernt im Nachbarort Stonewall liegt. Kühe, Schweine und Schafe empfangen uns auf dem Anwesen, auf dem ab 1869 die deutsche Familie Sauer und später die Familie Beckmann siedelten.
Dann begegnen wir Parkmitarbeitern, die – sehr zum Staunen unserer Kinder – historische Farmerkleidung tragen und anhand der historischen Gerätschaften im Bauernhaus auch erklären können, wie einst Butter und Käse gemacht, Korn gemahlen und Essen konserviert wurde. Die originalgetreu restaurierten Gebäude mit ihren kleinen Zimmern und Stuben, den knarrenden Dielen und vor vielen, vielen Jahren einmal handgefertigten Möbeln sind mehr als sehenswert. Details wie die schmiedeeisernen Betten mit Nachttopf, gerahmte Mahnungen zum täglichen Gebet oder eine Spieluhr, die „Für Elise“ spielt, geben uns ein Gefühl dafür, wie sich der damalige Alltag der Siedler angefühlt haben mag.
Und wie sieht das Leben der heutigen, deutschstämmigen Bewohner von Fredericksburg aus? Rosemarie Mazanke hat uns eingeladen, sie auf ihrer Farm zu besuchen. Anhand ihrer detaillierten Wegbeschreibung – das Navi hilft nicht viel – sind wir an Bauernhöfen vorbei über kleine Sandstraßen gefahren und haben das auf einem Hügel gelegene Anwesen schließlich gefunden. Rosemarie und ihr Mann Wilfried empfangen uns fröhlich, schon bald sind wir umringt von Schafen, die die beiden Rentner auf ihrem Grundstück züchten. Zu einem Plausch setzen wir uns auf die Terrasse, von der wir Fredericksburg und das ganze Umland überblicken.

Sie helfen einander zum Beispiel, alte Briefe in Sütterlin zu entziffern
Während im Hintergrund leise Countrymusik aus einem Radio ertönt – etwas anderes scheinen die Sender hier nicht im Programm zu haben – erzählen die beiden ein bisschen von sich. Rosemarie ist als Tochter bayerischer Eltern in New York geboren, wo sie auch Wilfried traf. Der, geboren im heutigen Brandenburg in der Nähe der Oder, war in den 50er-Jahren aus der DDR geflohen und schließlich in die USA ausgewandert.
Später lebten die beiden in Dallas, heute genießen sie ihren Ruhestand im Hill Country. Beide sind in der deutschen Gemeinde in Fredericksburg aktiv, Rosemarie hilft zum Beispiel anderen US-Bürgern dabei, mehr über ihre Wurzeln zu erfahren. „Es kommen immer wieder Menschen nach Fredericksburg, die deutsche Vorfahren haben und dann alte Briefe in Sütterlinschrift mitbringen. Evelyn und ich helfen ihnen dann dabei, sie zu übersetzen.“
Andere Besucher sind auch an deutschen Traditionen interessiert, aber eher aus einem anderen Bereich. Die Rede ist vom Weinanbau. Rosemarie deutet auf ein schmales graues Band, das unten zwischen den Hügeln verläuft. „Dort unten, am Highway 290, liegen viele Weingüter. Unsere Region ist mittlerweile die Nummer drei in den USA unter den Weinproduzenten.“ Die Güter in Fredericksburg, die oftmals deutsche Namen wie „Becker“ oder „Kuhlman“ tragen, sind ein Anziehungspunkt für Ausflügler geworden.

Im Space Center können Mondfahrzeuge und Raketen bestaunt werden
Der „Texas Wine Trail“ verbindet die Produzenten, Shuttlebusse bringen Gäste von einem Gut zum nächsten. Bier nach deutscher Brauart gibt es natürlich auch. Die „Altstadt Brewery“, auch am Highway 290 gelegen, rühmt sich, nicht nur mit deutschem Equipment zu arbeiten, sondern auch einen „German Brewmaster“ zu haben. Der Betrieb kann natürlich besichtigt werden, ein Restaurant gibt es auch. Zum Probieren brauchen wir allerdings nicht hinzufahren, Wilfried hat einige „Altstadt“ in seinem Kühlschrank, die er seinen Gästen anbietet.
Als wir auf der Monarc Ranch zurück sind, wird es langsam Abend. Auf der Terrasse unseres Hauses, das den Namen „Among the Crepe Myrtles“ trägt und eines von drei Gästehäusern ist, bereiten wir den Tisch vor. Es gibt ein Barbecue, unsere Gastgeber Monica und Mark haben uns ein paar Rindersteaks spendiert, „aus eigener Produktion“. Dazu Rotwein von den Becker Vineyards. Natürlich bietet die Ausstattung unseres Farmhauses auch einen großen Grill – man ist schließlich in Texas.
Der weite Himmel färbt sich rot. Später werden wir, so wie gestern Nacht, wieder den beeindruckenden Sternenhimmel bestaunen können. Und sollten wir oder unser Nachwuchs doch Abwechslung vom ländlichen Idyll brauchen – jener Ort, von dem aus die Amerikaner einst den Weltraum eroberten, ist für amerikanische Verhältnisse recht nah gelegen.
Das Lyndon B. Johnson Space Center befindet sich etwas außerhalb von Houston, etwa vier Stunden mit dem Auto entfernt. Hier können Mondfahrzeuge und Raketen bestaunt werden sowie noch viele weitere Ausstellungsstücke, die für große und kleine Kinder interessant sind. Das Gestern und das Heute liegen in Texas nahe beieinander.
Aber warum in die Ferne schweifen? So ähnlich denken es sich wohl auch die Katzen, die wieder um unsere Beine streichen, während das Reh von heute Morgen irgendwo auf dem weiten Grundstück in der Dämmerung herumspaziert – und vielleicht in ein paar Stunden wieder, bei den ersten Sonnenstrahlen, seinen Platz auf der Veranda einnimmt.

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Freitag, 5. April 2019, 20:43

Die Magie der deutschen Sterne von Pennsylvania

Zitat

Man kann die Scheune schon von Weitem sehen. Das satte Rot, wie es sich so scharf vom Himmel abhebt, als wären die Konturen mit einer Rasierklinge ausgeschnitten. An der Giebelseite prangt ein Kreis, darin ein farbig geschmückter Stern, und hineingesetzt in diese liebliche Gegend des Berks County im Südosten Pennsylvanias wirkt das Ganze wie aus einem Märchen gefallen, und ganz so falsch liegt man damit nicht.

Ihr Glaube gab ihnen Halt
„Die Ornamente sind Abbilder der Sterne am Himmel“, sagt Patrick Donmoyer. Seine Worte liegen über dem Raum, sie erzählen von einer Zeit, in der alles begann. Als die deutschen Siedler vor über 300 Jahren ihre alte Heimat hinter sich ließen, um hier in der Gegend ihr Glück zu versuchen. Die meisten waren Bauern, die meisten kamen aus der Pfalz, viele hatten ihr Hab und Gut für eine Überfahrt über den Atlantik gegeben, Monate großer Entbehrungen lagen hinter ihnen, und auch wenn sie sich mutig dem Unbekannten entgegenstellten, in ihren Bräuchen und ihrem Glauben fanden sie Halt.
Patrick Donmoyer nimmt auf einer schmalen Bank Platz; das Holz knarzt unter jeder Bewegung. Es klingt, als wären es die Planken eines Schiffs. Unter der Decke hängen Bilder der amerikanischen Präsidenten George Washington und Abraham Lincoln, an der Tafel sind mit Kreide die Wörter „Deutsche Sprichwadde“ geschrieben, als Beispiel steht darunter: „Spaar dei Geld“ oder „Alle Daag iss net aarn“.
Früher war der 1870 gebaute Raum ein Klassenzimmer, heute ist er Teil des Pennsylvania German Cultural Heritage Center. Als sich die Deutschen auf diesem Stück Erde niederließen, versuchten sie, ein Stück ihrer Traditionen in die Gegenwart zu retten. Sie sprachen Deutsch, sie dachten Deutsch, und ihre Scheunen und Mühlen schmückten sie mit bunten geometrischen Figuren, häufig waren es sechsstrahlige Sterne. Und weil, so zumindest geht die Legende, die deutsche Zahl sechs in fremden Ohren wie Hex klang, fand sich der Begriff Hex Sign dafür.
Patrick Donmoyer allerdings bevorzugt das Wort Barnstar, also Scheunenstern, weil die Malereien nach seiner Auffassung mit Hexerei so wenig zu tun haben wie die Wissenschaft mit Aberglaube. Der 33-Jährige ist Experte auf dem Gebiet, er hat ein Buch über die Ornamente geschrieben, er sagt: „Die Sterne sind optisch atemberaubend und sie inspirieren uns, die Geschichten unserer Kultur zu lernen, sie zeigen uns, was es bedeutet, Pennsylvania-Deutscher zu sein.“
Als er während seines Kunststudiums mit seinen Recherchen begann, war nicht viel bekannt über die Scheunensterne, das meiste mehr Andeutung als Wissen. Und viele der Malereien waren bereits verwaschen von Wind und Wetter, auf dem Holz waren sie kaum zu erkennen, sich selbst und der Zeit überlassen. Für ein knappes halbes Jahr fuhr er quer durchs Land, zehn bis zwölf Stunden am Tag, und was er fand, bezeichnet er heute als eine der „wichtigsten öffentlichen Ausdrucksformen der deutschen Volkskunst in Pennsylvania“.
Wie die meisten in der Gegend ist Donmoyer Nachfahre deutscher Einwanderer, sein Ururgroßvater war einst mit dem Schiff über Bremerhaven nach Amerika gekommen. Er ist der Zehnte in der Generation, in Kutztown leitet er das Pennsylvania German Cultural Heritage Center, in seiner Freizeit schreibt er für die Redaktion „Hiwwe wie Driwwe“, ein Heftchen, deren Texte in Dialekt geschrieben sind, „Hiwwe wie Driwwe“ heißt übersetzt „hüben wie drüben“, und genau so ist das Konzept zu verstehen.

Auf den Grabsteinen stehen deutsche Namen
„Wir bringen Leute zusammen“, sagt er. Es gehe um Völkerverständigung, es gehe darum, Verständnis füreinander zu entwickeln. Und man muss nur mal über den Friedhof der Stadt gehen, um zu verstehen, was ihn antreibt. Die Menschen, die dort begraben liegen, heißen Elisabeth Bieber, Jacob Biel oder Jabob Singemeister, die Städte im County nennen sich Hamburg oder Hanover, und das ist alles kein Zufall.
Früher dachte Patrick Donmoyer, eine Scheune sei eine Scheune, heute sieht er überall die Symbole und versteht ihre Sprache. Er hält Vorträge über das Thema, er ist als Gastredner immer wieder in Deutschland, er dokumentierte Hunderte von Beispielen, er recherchierte, er machte Tausende von Fotos, er sprach mit den Hauseigentümern über die Geschichte und Hintergründe, er kartierte die Standorte, er war überrascht von der Vielzahl der Designs und der Vielzahl der Standorte; gerade bereitet er zu dem Thema eine große Ausstellung nahe Philadelphia vor, er ist überzeugt: Kutztown ist das Epizentrum von allem.
Einmal im Jahr findet im Ort das Folk Festival statt, ein über neun Tage dauerndes Fest, in diesem Jahr feiert man das 70. Jubiläum, aus weiten Teilen des Landes reisen die Menschen dafür an, es gibt Musik mit viel Tanz, man kann an einer Hochzeit der Amish People teilnehmen, und über allem leuchten die Scheunensterne. Auf der Pennsylvania Dutch Hex Sign Tour lässt sich gut verfolgen, wie weit im Land die Sterne verbreitet sind. Kutztown, Virginville, Windsor Castle, wie Perlen auf einer Kette ziehen sie sich durchs County.
Niemand weiß genau, warum die Deutschen wirklich ihre Scheunen dekorierten, es gibt dazu die unterschiedlichsten Interpretationen; die einen sagen, dass die Menschen glaubten, damit das Böse abwehren zu können, andere sind überzeugt, dass der Ursprung rein künstlerischer Natur war, es könnte aber auch alles ganz anders gewesen sein, jeder hat seine eigene Theorie.
Patrick Donmoyer sagt: „Die Menschen haben das gezeichnet, was sie gesehen haben, also Sonne, Mond und Sterne.“ Sein Lieblingsmotiv ist der Milton Hill Star, ein aufwendiger Stern, bei dem es scheint, als würden sich die Strahlen ineinander drehen, und glaubt man ihm, ist der Acht-Punkte-Stern der am häufigsten verwendete, weil er am einfachsten zu reproduzieren ist.
Die Muster reichen dabei von fünf- bis zu zwölfstrahligen Sternen, manchmal finden sich Tiere in den Medaillons, mal Blumen, mal Pflanzen, die Palette ist so vielfältig, wie es die Fantasie erlaubt. In der Regel werden vier bis fünf Farben verwendet, ein Kreis symbolisiert dabei Einheit, das Eichenblatt steht für Stärke, Grün für Leben, Gelb soll Fruchtbarkeit darstellen, Rot Stärke, Weiß Reinheit.

Das Versprechen auf dem Sterbebett
Herzen stehen für die Liebe, Vögel für Glück, Tulpen für den Glauben, nichts kommt von ungefähr. Einer der schönsten Scheunensterne zeigt zwei blaue Vögel, in der Mitte überlappende Herzen und darunter eine Tulpe. Gemalt hat das Ganze Eric Claypoole, ein Volkskünstler aus Lenhartsville. Claypoole lernte das Handwerk von seinem Vater Johnny, der wiederum wurde von Johnny Ott inspiriert, in den Künstlerkreisen des Countys eine Legende. Glaubt man den Erzählungen, hat Johnny Claypoole dem Sternenmaler Ott am Sterbebett versprechen müssen, die Kunst der Scheunenmalerei weiterzuführen.
Mit dem Tod seines Vaters vor 22 Jahren übernahm dann Eric die Geschäfte, inzwischen ist er für die überwiegende Mehrheit der historischen Sternenneuanstriche verantwortlich. Die „New York Times“ bezeichnete ihn einst als Geisterjäger, er selbst sieht sich eher als Handwerker. Seine Kunden kommen von überall aus den USA, auch aus dem Ausland melden sich die Leute bei ihm, sie hängen sich seine Sterne auf die Terrassen, sie hängen sie sich über den Kamin oder den Frühstückstisch, und es gibt welche, die tätowieren sich die Symbole auf die Oberarme.
Es sind die zwölfsternigen Motive, die ihn am meisten faszinieren, sagt Claypoole; er mag die Symbolik daran, 12 Strahlen, sie sollen für die 12 Apostel stehen, in der Mitte ein Windrad als Zeichen für Jesus. Aber auch im Achtstern kann er sich verlieren, weil, wie er sagt, die geometrische Form eine besondere sei. Und dann erzählt er, wie er einst bei einem Folk Festival auf eine Frau von 90 Jahren traf, interessiert zeigte sie auf den reich geschmückten Hill Star – und ermunternd von ihren Fragen begann er zu erzählen. Er sprach über die Symbolik, er sprach darüber, wie sein Vater das Motiv nach einem Scheunenmaler in der Gegend benannt hatte, Milton Hill dessen Name. Er erzählte ihr, dass dieser Hill einer der führenden Sternenmaler der Region gewesen sei und dass er die Sterne in seiner Mudderschprooch „Schtanne“ genannt hatte; er redete und redete, er redete über die Kreativität und Produktivität des Scheunenmalers, er redete ohne Punkt und Komma, und am Ende seines Vortrags lächelte die Frau ihn an und sagte: „Danke, das war mein Vater.“

Ein „magisches Mysterium“
Fragt man Claypoole nun nach der Magie der Hex Signs, antwortet er diplomatisch. „Ich fühle die Magie, die die Menschen damit verbinden.“ Für ihn sei das Ganze ein magisches Mysterium („magical mystical“). Nichts anderes sagt Patrick Donmoyer, der Wissenschaftler aus Kutztown. „Die Sterne ermöglichen es uns, unsere Kultur und unser Erbe zu erforschen und sie helfen uns, uns darin auszudrücken.“
Fährt man dann an einem sonnenklaren Tag durch Berks County, kann man die Scheune schon von Weitem sehen. Das satte Rot, wie es sich so scharf vom Himmel abhebt, als wären die Konturen mit einer Rasierklinge ausgeschnitten. An der Giebelseite prangt ein Kreis – und er erzählt seine eigene Geschichte.

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