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Rentacop

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Dienstag, 27. Februar 2018, 18:38

Nachrichten

IM Moment findet in den Medien gerade eine Hexnjagd nach dem Broward County Sheriff's Department statt.

Das offensichtluche Haupt-Thema ist das kürzliche School-Shooting mit17 Toten und die Frage "wie konnte das kommen". Und dazu gibt es eine ganze Reihe, sehr berechtigter Fragen.

Was aber absolut niht gerechtfertigt ist, ist dass jetzt vier Sheriff Deputies in den Nachhrichten niedergemacht werden, weil die nicht - so wie ihre Kollegen - unmittelbar eingegriffen haben. Nicht nur die vier Deputies werden jetzt durch Medienberichte niedergemacht, sondern das ganze Sheriff's Department. Und das istnicht ok!

Es ist mir hinlänglich egal, wenn politisch entsprechend positionierte TV-Stationen wahlweise für stremgere Waffengesetze oder die Bewaffnung von Lehrern Stimmung machen wollen. Darüber will ich gar nicht diskutieren...

Aber dass sich jetzt zahlreiche "Journalisten" dazu aufschwingen, die taktische Vorgangsweise der Einsatzkräfte zu bewerten, ist nicht akzeptabel. In den Nachrichten wird jetzt das Broward County Sheriff's Department so hingestellt, als wäre es es für den Tod der 17 Opfer verantwortlich - weil ebe vier Depities draussen vor der Schule mehr oder weniger untäätig "herumgelungert" hätten...

Ich kann nachvollziehen, dass immer irgendwelche Erklärungen für alles Mögliche gesucht werden. Das liegt in der menschlichen Natur.
Aber dass jetzt darauf herumgehackt wird, dass vier/von dutzenden) Deputies nicht ungebremst auch gleich in die Schulgebäude gerannt sind, ist absolut inakzeptabel. Jede grundsätzliche Taktik bzgl. der Vorgehensweise in sog. "Active Shooter" Szenarios setzt voraus, dass nur diejenigen Einsatzkräfte auch tatsächlich einschreiten, die tatsächlich benötigt werden - und dass diejenigen in Warteposition zurückbleiben, die nicht unmittelbar benötigt werden.

Uli

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Mittwoch, 28. Februar 2018, 08:03

Das beobachte ich auch bei uns immer öfter.
Ganz besonders war mir das wegen der Vorkommnisse in der Silvesternacht 15/16 in Köln aufgefallen.
Und seit dem lese/höre ich immer öfter von Beschuldigungen gegen die Polizei, die nicht richtig reagiert hätte.
Und jedes Mal denke ich, warum schimpft niemand über die Täter?
Die sind immer nur mutmaßlich. Und dann war es das.
Also, ich möchte mit unseren Polzisten nicht tauschen.
Grüßle, Uli
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StromerRalf

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Donnerstag, 1. März 2018, 10:58

Stimmt, ist hier in Deutschland auch immer häufiger festzustellen, wie vermeintliche "Fachleute" sich aufschwingen, Lagen zu beurteilen, die sie nicht mal aus der Ferne gesehen haben, geschweige denn, über taktisches Wissen verfügen. Ist natürlich einfach, sich hinterher hinzustellen und zu erklären, was man hätte besser oder anders machen können. Selbstverständlich wird rechtsstaatliches Vorgehen, Einsatztaktik persönliche Gefährdungen usw. völlig außer acht gelassen. Es geht nur um Effekthascherei. Wie oft ich auch Leserbeiträge lese, in denen Leute, die kaum ein Wort fehlerfrei in ihrer Muttersprache schreiben können, der Polizei erklären, wie die ihren Job zu machen hat, ist erschreckend.

Ralf

Ian

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Donnerstag, 1. März 2018, 15:30

Ist das nicht ein weltweites Phänomen, dass Nachrichtsendungen und -sender immer sensationslustiger und ohne Ehrencodex berichten? Es zählen nur noch die 5 Minuten Ruhm, egal ob man was zu sagen hat oder nicht. Stundenlange Endlosschleifen, ohne den geringsten informativen Inhalt werden beim kleinsten Geschehen auf den Zuschauer berieselt ohne das dieser sich wehren kann, da bei jedem Unglück sofort alle Sender Dauersendungen bringen und auf der Jagd nach der besten Story sind. Da müssen die Helfer, seien es Ärzte, Ersthelfer, Feuerwehr oder Polizei nun mal drunter leiden und seien es eben Falschmeldungen. Wenn es nicht stimmt was man berichtet, druckt man halt eine Entschuldigung - so kann man gleich zweimal gut Zeitungen verkaufen oder Zuschauer binden...

Am besten ist es sowieso, wenn beim noch so nichtssagenden Vorfall zu Antonia Rados im 1000de km entfernten Kairo geschaltet wird. So lief es schon im ersten Golfkrieg und ist seither immer gut für Satire:
"Frau Rados in China ist ein Sack Reis umgefallen, was können Sie uns in Kairo zu dieser Situation sagen?"....

Uli

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Freitag, 2. März 2018, 11:59

Antonia Rados... die hatte ich ja ganz vergessen :D
Grüßle, Uli
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Rentacop

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Samstag, 3. März 2018, 17:27

Stimmt, ist hier in Deutschland auch immer häufiger festzustellen, wie vermeintliche "Fachleute" sich aufschwingen, Lagen zu beurteilen, die sie nicht mal aus der Ferne gesehen haben, geschweige denn, über taktisches Wissen verfügen. Ist natürlich einfach, sich hinterher hinzustellen und zu erklären, was man hätte besser oder anders machen können...


Ja, so in etwa: Neptunbrunnen, Berlin Zitat: "Warum der Beamte nicht aus Arme oder Beine des Mannes schoss, ist bislang unklar..."

Warum, sollte alleine schon aufgrund dieses Videos klar sein.

Wobei, das "21 Foot Rule" offenbar in Deutschland nicht gelehrt wird :zwinker:
(Das "21 Foot Rule" - also mindestens knapp 7m Anstand zu einem möglicherweise mit einem Messer oder sonst einer Stichwaffe Bewaffneten - ist inzwischen schon umstritten und wird von vielen erfahrenen Law Enforcement Officers als nicht ausreichend erachtet)

Der Mann im Brunnen war nicht "möglicherweise", sondern de facto und klar ersichtlich mit einem Messer bewaffnet. Zudem war er klar ersichtlich psychisch gestört und/oder unter Drogeneinfluss.

Da - speziell im deutschen TV - solche Videos gar nicht gezeigt werden dürfen, gibt es auch keinerlei Verständnis für die tatsächliche Gefahr, die von einer Messerattacke ausgeht. Und das ist einerseits gut so, denn es beweist, dass nur sehr wenige Menschen jemals tatsächlich in so eine Situation kommen. Der Grund dafür, ist, dass psychisch gestörte, Kriminelle und/oder unter DRogeneinfluss stehende Personen mit entsprechender Gewaltbereitschaft von denjenigen aus dem Verkehr gezogen werden, die sich dann nachher von, oftmals in schönen Wohngegenden lebenden und niemals irgendwelcher Gewaltkriminalität ausgesetzten, Schreibtischtätern die Frage gefallen lassen müssen: "Ja, warum, hat der bemate denn nicht ein bisschen in's Bein geschossen?"

Der Mann im Brunnen wurde durch einen(!) Schuss tödlich getroffen. In dem zweiten Video sieht man deutlich, dass der Mann dennoch für lange Zeit absolut in der Lage gewesen wäre, dem Beamten erhebliche, wenn nicht sogar tödliche Verletzungen zuzufügen. Es war ein glücklicher Umstand für den Beamten, dass der Angreifer seinen Angriff nicht fortgesetzt hat - sonst nichts!

Hier werden inzwischen Medienvertreter von diversen Law Enforcement Agenturen dazu eingeladen, selbst an sog. Shoot - Don't Shoot Scenario Training festzustellen, wie sie sich in unterschiedlichen Situationen verhalten würden. Die meisten "Spezialisten" aus dem Medien, schiessen überraschend - und oft ungerechtfertigt - schnell, nachdem sie 2-3x "um's Leben" gekommen sind. Bei manchen setzt dann ein Umdenkprozess ein. Bei den meisten geht's aber weiter nur um die Einschaltquote...

StromerRalf

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Samstag, 3. März 2018, 19:01

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Allerdings glaube ich schon, dass diese 7 Meter-Regel hier geschult wird. Bei meiner Ausbildung (beim Zoll) zum Polizeivollzugsbeamten und Waffenträger vor 13 Jahren, war das jedenfalls eine Thema. Da wurde ausdrücklich Zeit für aufgewendet. In der Schießanlage der Bundespolizei, wo ich regelmäßig zum Schießen hin muss, hängt ein Plakat, dass ausdrücklich auf die Problematik hinweist. Da ist auch ein Bild eines Polizisten abgebildet, dem ein "Messerkünstler" sauber den Rücken zerschnitten hat. Er hatte wohl "Glück" und der Angreifer wollte ihn nicht töten, aber man kann es schon fast als filetiert bezeichnen, so wie der Beamte aussieht. Wie es bei den Landespolizeien aussieht, weiß ich allerdings nicht.

Es ist aber wirklich so, dass sich der Normalbürger keine Vorstellung davon macht, wie schnell so eine kurze Distanz überwunden ist. Vor ein paar Jahren hatten wir hier in Lübeck einen Fall, wo ein Jugendlicher im Drogenrausch seine Eltern in der Wohnung mit einem Messer angegriffen hat. Die verletzten Eltern haben dann die Polizei gerufen. Die erste Streifenwagenbesatzung die eintraf, hat dann nicht versucht in die Wohnung einzudringen, in der sich nur noch der Jugendliche befand, sondern nur das Treppenhaus in beide Richtungen, also nach oben und unten gesichert, damit der Jugendliche nicht weitere Personen angreifen konnte, z. B. durch gewaltsames Eindringen in andere Wohnungen. Die Beamten warteten auf das SEK.

Es kam dann aber dazu, dass der Jugendliche plötzlich aus der Wohnung gestürmt kam und mit gezückten Messern auf einen der Beamten zustürmte. Beide Beamte hatten natürlich die Dienstwaffen im Anschlag und der angegriffene Beamte hat geschossen. Der Jugendliche starb an der Schußverletzung. Jedem, der für solche Situationen ausgebildet oder auch nur unterwiesen war, war klar, dass der Beamte zum einen keine andere Wahl hatte und schießen musste und zum anderen keine Zeit hatte, ins Bein zu schießen. Er konnte nur die Waffe hochreißen und abdrücken, egal, wo er treffen würde. Hätte er es nicht getan, wäre er jetzt tot.

Es gab ein riesen Theater in den Medien, dass es ja wohl unmöglich sei, dass der Beamte den Jugendlichen nicht nur angriffsunfähig geschossen hatte, sondern tödlich verletzt hatte. Selbst die Eltern des Jugendlichen, die ja beinahe von ihrem Sprößling umgebracht worden waren, haben Strafanzeige gegen den Beamten gestellt und sich in der Presse als empörte und wütende Eltern dargestellt. Ich hätte kotzen können über so ein Verhalten. Anstatt Mitleid mit dem Beamten zu haben, der nun damit leben muss, einen Jugendlichen getötet zu haben, stellten sie ihren Sprößling dann als armes Opfer dar. Die bösen schießwütigen Polizisten hätten ja völlig falsch reagiert.

Meines Wissens nach ist die Angelegenheit für den Beamten straf- und disziplinarrechtlich wohl ohne Folgen geblieben.

Ralf

Rentacop

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Samstag, 3. März 2018, 20:59

Ich bin am 22. 12. 2016 von einem 19-Jährigen mit einem Messer angegriffen worden. Er hatte es geschafft, sich während ich mit jemand anderem gesprochen hatte, von hinten an mich heranzupirschen. Er versuchte dann, mich in einen "Choke-Hold" zu nehmen, wobei er offenbar bereits sein Messer an meinen Hals hielt. Ich habe ihn abschütteln können und zuerst mit Pfefferspray "behandelt". Erst dann fiel ihm das Messer aus der Hand und ich wies ihn an, auf die Knie zu gehen (um einen Felony-Arrest vorzunehmen).
Der junge Mann verhielt sic nicht kooperativ und ich musste zusätzlich noch den Taser einsetzen, um ihm Handschellen anlegen zu können.
Das Ganze dauerte kaum 20 Sekunden.

Er hat mich kurz darauf sogar noch gefragt, ob ich das Messer an meinem Hals gespürt hätte.
Ich wusste gar nicht, was ich in de Moment darauf hätte sagen sollen. Aber die wahrheitsgemässe Antwort wäre gewesen: "Dann wärst du, oder ich, oder wir beide jetzt nicht mehr am Leben"

Hätte der Angreifer auch nur ein bisschen mehr Absicht gehabt, könnte ich die Geschichte nicht mehr erzählen. Er hatte das Überraschungsmoment zu 100% auf seiner Seite - und ja, das war meine Schuld. Ich habe nicht die ausreichende "Situation Awareness" aufgewendet. Durch diesen - und einige andere Zwischenfälle (die ich zum Glück ohne eigene Verletzungen überstanden habe) bin ich inzwischen "Field Training Officer" geworden - und wenn ein neuer Kandidat im Bereich "Officer Safety" nicht lernbereit oder -fähig ist, dann segne ich den (oder die) nicht ab.

Rein rechtlich hätte ich bei dem o.g. Fall den Einsatz tödlicher Gewalt absolut rechtfertigen können. Der Angreifer hatte ein Messer (eine tödliche Waffe) eingesetzt - und er hätte durchaus noch ein zweites Messer bei sich tragen können. Er hat sich geweigert meinen Anordnungen Folge zu leisten. Ich habe später mit mehrere Deputies gesprochen die sich verwundert darüber gezeigt haben, dass ich nach dem Pfefferspray überhaupt noch zu einem weiteren Mittel von "Less Lethal Force" gegriffen habe, obwohl schon längst Schusswaffeneinsatz gerechtfertigt gewesen wäre.
Ich persönlich sehe das nach wie vor etwas anders (ich hatte ds Messer zuerst nicht gesehen und auch nicht gefühlt). Und ich bin im Nachhinein auch heilfroh. dass ich das damals auch anders gesehen habe. Aber das ist eben der Punkt: "Im Nachhinein!"
Denn hätte ich das Messer gleich gesehen und/oder an meinem Hals gespürt, hätte ich nicht einmal "zart" mit Pfefferspray angefangen. Und es wäre ggf. sicher nicht bei einem Schuss in's Bein geblieben...
Also noch einmal "gut" ausgegangen für alle Beteiligten.

Dazu hatte ich auch alles komplett auf meiner Body-Cam aufgezeichnet. Das ist sowieso meine "tödlichste" Waffe...

Aber wehe, wehe, wenn's eben nicht so gewesen wäre. Dann hätte ich mich nicht nur mit den üblichen, umfassenden Ermittlungen gegenüber gesehen. Ohne Videomaterial hätten so an die 12 Zeugen des "Opfers" behaupten können, dass ein komplett durchgeknallter Officer einen unschuldigen Teenager "hingemeuchelt" hat - sehr wahrscheinlich noch dazu aus rassistischen Motiven, denn der Zeitgenosse war ja hispanischen Ursprungs...

Apropos: Ich habe übrigens gerade ein Ermittlungsverfahren am Hals, in de mich ein - sehr weisser - Kläger beschuldigt, ich hätte ihm meine Dienstwaffe ungerechtfertigt in's Gesicht gehalten - das, nachdem er meinte "I'm going to shoot you!" und sich an den Hosenbund fasste...
(Der Treppenwitz: Ich hab' diesem netten Herrn de facto nur Pfefferspray in's Gesicht gehalten nicht einmal tatsächlich gesprüht). Aber egal... Da das Ganze so schnell ging dass ich nicht einmal meine Body-Cam rechtzeitig einschalten konnte, steht jetzt Aussage gegen Aussage und der Ausgang der Geschichte ist somit offen...

Ok, ich schweife wieder einmal vom Thema ab... :whistling:

Albert_W

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Sonntag, 4. März 2018, 10:20

Stimmt, ist hier in Deutschland auch immer häufiger festzustellen, wie vermeintliche "Fachleute" sich aufschwingen, Lagen zu beurteilen, die sie nicht mal aus der Ferne gesehen haben, geschweige denn, über taktisches Wissen verfügen. Ist natürlich einfach, sich hinterher hinzustellen und zu erklären, was man hätte besser oder anders machen können. Selbstverständlich wird rechtsstaatliches Vorgehen, Einsatztaktik persönliche Gefährdungen usw. völlig außer acht gelassen. Es geht nur um Effekthascherei. Wie oft ich auch Leserbeiträge lese, in denen Leute, die kaum ein Wort fehlerfrei in ihrer Muttersprache schreiben können, der Polizei erklären, wie die ihren Job zu machen hat, ist erschreckend.

Ralf


Leider ist es so. Siehe Axtanschlag in Ansbach oder aktuell Tafel in Essen.

Uli

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10

Montag, 5. März 2018, 10:10

Oh, Albert, über die Tafel rege ich mich auch auf.
Da sind Menschen, die in ihrer Freizeit unentgeltlich dafür sorgen, dass politisches Versagen wenigstens ein bisschen ausgeglichen wird. Die machen das, ohne großes Aufhebens.
Und dann ist der Versuch, ein entstandenes Problem zu lösen, zwar pragmatisch aber vielleicht nicht ganz politisch korrekt - und schon regen sich all die auf, denen die armen Menschen egal sind, die noch nie ein Ehrenamt bekleidet haben und sogar die, die diese Situation erst herbeigerufen haben.
Da könnte ich echt (:kotz:)
Grüßle, Uli
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11

Montag, 5. März 2018, 10:13

Das Leben ist halt hart und mitunter äußerst ungerecht.

Draußen scheint die Sonne, ich sehe das alles lieber entspannt, am Ende werde ich sonst noch herzkrank (gruseliger Gedanke!) wenn ich mich über alles aufrege, was mir so vor den Rüssel springt. :8o:
Stammtischtreffen: Ich sag mal 68, wahrscheinlich aber noch ein paar mehr :zwinker:

Rentacop

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Montag, 5. März 2018, 17:40

Das Leben ist halt hart und mitunter äußerst ungerecht...


Ich bin nicht sicher, dass du das Thema richtig verstanden hast. :zwinker:

Worum es ging war, dass in den Nachrichten (egal ob TV, Zeitung, Radio, Internet, etc...) oftmals Meldungen, entweder aufgrund mangelnder Zeit, mangelnden Interesses, mangelnder Ethik, mangelnden Fachwissens, oder ganz bewusst, aus politischen oder weltanschaulichen Interessen, oder um der jeweiligen "Zielgruppe" zu entsprechen, oder einfach um die eigene Einschalt- und Leserquote zu erhöhen, unvollständig oder gar irreführend gebracht werden.

In der Berichterstattung gilt grundsätzlich, dass die fünf "W" abgedeckt werden müssen: "Wo? Wann? Wer? Was? Wie?" - und, sofern diese Information bereits ermittelt werden konnte: "Warum?".Dies sind die absoluten Grundbestandteile jedes Berichts und jeden Reports. Die Informationen müssen den Fakten entsprechen (also nachweisbar sein), keine eigene Meinung beinhalten und daher jemandem der nicht selbst dabei war ein möglichst exaktes Bild der Ereignisse vermitteln können. Eigene Meinungen sind deutlich als "Kommentar" zu kennzeichnen.

Dazu kommt ein weiterer, ganz wesentlich Faktor: "Individual Perception".

Hier ein Beispiel:
Gestern kam in den News ein Bericht über einen Verkehrsunfall. Ein 2003 Volvo war in ein Mobile Home gekracht, was dann ein Feuer ausgelöst hatte. Die Bewohner des Trailers (eine ältere Frau und ihr Sohn) konnten von Nachbarn rechtzeitig gerettet werden. Der Fahrer des Volvo verstarb in dem Wrack des Autos.

Ok, soweit ein paar Fakten - eigentlich ausreichend als Story.

Aber am Ende des Berichts sagte die Nachrichtensprecherin noch: "Das LA Police Department ermittelt nun, ob illegales Street-Racing bei dem Unfall eine Rolle gespielt hat"

Und ja, das entspricht den Fakten. Nur ist das eine irreführende Meldung, denn es wird wegen "allen möglichen" Gründen ermittelt. Die Reporterin hatte gefragt, ob "Street Racing" auch dazu gehört und der zuständige Media-Relations Beamte hat natürlich darauf geantwortet "ja" - eben weil Street Racing zu "allen möglichen" Ursachen für den Unfall gehört - so wie Meteoriteneinschlag, Herzinfarkt des Fahrers, u.v.m. - eben "alles Mögliche".

Aber was man als Konsument der Meldung mitnimmt ist: "Aha, also wieder so illegales Street Racing!"

Dass 15 Jahre alte Volvos nicht zwingend die erste Wahl für "Street Racer" sind, kann man sich denken. Aber die Reporterin hat ja deutlich gesagt, dass das Police Department eindeutig Street-Racing als Ursache für die Katastrophe ermittelt hat. Richtig? :zwinker:

Da niemand ernsthaft verletzt wurde, blieb die ganze Geschichte später unerwähnt.

Aber wären die betagte Frau und ihr Mit-40er Sohn um's Leben gekommen, hätte es sehr gut später heissen können:
"Alleinerziehende Mutter und ihr Kind verbrennen bei lebendigem Leib!"
Im Internet gäbe es womöglich hitzige Diskussionen darüber, ob man illegales Street Racing und Volvos generell verbieten sollte.
Und warum wurde von den zuständigen Behörden nicht rechtzeitig etwas gegen den Fahrer unternommen, wo er doch schon 1993 einmal einen Strafzettel wegen Falschparkens bekommen hatte??? :cursing:

...Draußen scheint die Sonne...


Ich sehe da eine Sonderberichterstattung über die Gefahr von Hautkrebs wegen zuviel Sonne - mit Live-Schaltung zu Antonia Rados im sonnigen Kairo... :D