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Rentacop

American

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21

Donnerstag, 18. August 2016, 12:38

Geographisch gibt's schon ein paar "Seltsamheiten": Ely liegt definitiv nicht am Weg - der Abzweiger dahin schon... und Green River? Auch die Routenwahl über Zion und dann doch noch über Cedar Breaks find' ich seltsam... warum nicht nach Cedar City und dann von da aus nach Panguitch...?


Wenn man keine Route hat, liegt alles am Weg :zwinker:

Zitat von »Susanne«

...Ein Mann braucht nur einen Schlüpper zum Wechseln (falls der den er anhat wegkommt :D ) und eine Kreditkarte...


Tja, da kommt wohl meine feminine Seite zum Tragen: Ich brauche mindestens zwei Kreditkarten. :D

Zitat von »Traude«

...Wenn ihr jetzt noch im Clarion Zimmer 157 übernachtet habt dann weiß ich nicht...


Unsere Zimmer-Nummer im Clarion wusste ich nicht mehr auswendig. Also habe ich den Zettel ausgegraben, auf dem die Dame vom Front-Desk aufgezeichnet hatte, wo unser Zimmer war. Es war Zimmer Nr. 156 :zwinker: :


Rentacop

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22

Donnerstag, 18. August 2016, 14:11

Tag 3:

Die Sonne war schon längst aufgegangen, als wir gegen halb neun(!) langsam aufwachten. Die meisten der anderen Camper waren da schon hochaktiv, sassen beim Frühstück oder brachen sogar schon ihre Zelte ab. Manche waren offenbar schon abgereist. Anders als am Morgen davor, waren wir nicht mehr so leicht von all dieser Aktivität ansteckungsgefährdet und liessen uns gemütlich Zeit. Sogar Gracie kam nur langsam in Schwung und obwohl sie die ganze Nacht zuvor nicht raus wollte, hatte sie auch jetzt noch keine richtige Lust auf einen Morgenspaziergang.





Wir alle traten dann gemeinsam unseren Marsch zu de den Waschräumen an, wodurch wir schliesslich doch munter wurden. Zurück auf unserem Platz gab's dann ein gutes Frühstück und so gegen 10 Uhr hatten wir dann auch bereits gepackt und die Reise konnte weiter gehen. Unsere französischen Nachbarn lagen zu dem Zeitpunkt noch im Koma...

Wir machten uns auf den Weg und fuhren die diversen Aussichtspunkte ab, was im Kodachrome ja nicht viel Zeit in Anspruch nimmt, da der Park recht klein ist. Um etwas mehr aus dem Park herauszuholen, beschlossen wir, ein bisschen zu wandern. Wir machten eine kurze 1.7 Meilen Wanderung, die sich als wirklich nett herausstellte. Es gab abwechslungsreiche Landschaft, einen Arch und sogar eine waschechte Bat-Cave zu sehen.





Nach der Wanderung waren wir alle hungrig und niemand hatte Appetit auf die Sachen im Cooler. Daher mussten wir wieder Richtung Zivilisation, um irgendwo warmes Essen aufzutreiben. Die Wahl fiel auf Escalante, wo's zumindest ein Geschäft und ein Restaurant geben würde. Wir fuhren also nach Escalante, besorgten in dem einen Geschäft neues Eis für die Cooler und ein bisschen Proviant und steuerten dann das eine Restaurant an, wo wir uns Burger und Pommes gönnten. Das war das erste warme Essen für uns seit dem Frühstück im Clarion Suites in Saint George. Ich kann nicht beurteilen, ob die Burger wirklich so herausragend gut waren, aber nach fast drei Tagen Käse- und Truthahnsandwiches schmeckte mein Bison-Burger wie Haute Cuisine.

Wir assen im Truck, da das Wetter unverändert wechselhaft war. Eigentlich war es gar nicht wechselhaft, sondern eher dauernd bewölkt und regnerisch. Aber es schmeckte auch im Truck hervorragend und an dem einzigen, von einem Baum vor Regen geschützten, Tisch vor dem Restaurant hatten sich unsere französischen Nachbarn der vergangenen Nacht niedergelassen.
Nachdem wir bestens diniert hatten, stand wieder einmal die Beantwortung der Frage "Wohin jetzt?" an. Wir beschlossen, wieder auf die Forstrassen im Hinterland und deren Unterhaltungswert zu vertrauen. Und so fuhren wir zur "Hell's Backbone" Road, die wir zwar schon kannten, aber unser letzter Besuch lag schon ein paar Jahre zurück und es hätte sich ja inzwischen was ändern können.

Die Strasse führt in die Berge bis auf knapp 3,000m Seehöhe und durch ein Recreation Area mit zahllosen Wander- und Campingmöglichkeiten, tollen Aussichten und diversen versteckten Waldlichtungen und 4x4-Trails. Einer der Höhepunkte ist die "Hell's Backbone Bridge", die über eine mehrere hundert Meter tiefe Schlucht führt. An der Brücke selbst ist die Schlucht zwar nicht allzu tief, aber ich möchte trotzdem nicht hinunterfallen. Die Aussicht von dort ist jedenfalls recht spektakulär und sowas kann man sich ja durchaus auch 2 x oder öfter ansehen.



Nachdem wir den Dixie National Forrest hinter und gelassen hatten und wieder auf der 12 waren, beschlossen wir weiter in südöstlicher Richtung zu fahren. Dafür bot sich natürlich der Burr-Trail an, den wir auch schon des Öfteren befahren hatten. Früher einmal war der Trail eine 70-Meilen lange Sandstrasse mit Wash-Outs und Furten. Inzwischen ist der grösste Teil der Strecke bereits asphaltiert. So kann es passieren, dass man selbst später bei den Switchbacks noch dem einen oder anderen verwegenen RV-Kapitän begegnet. Aber die Landschaft ist natürlich den Trip wert. Ausserdem hofften wir, dass wir vielleicht eine schöne Flash-Flood zu sehen bekommen würden. Es regnete ja immer wieder und ein paar, über dem Capitol Reef herumhängende, Gewitter sahen recht vielversprechend aus. Aber die Gewitter hatten wohl schon anderswo abgeregnet und so blieben die Washs und Creeks trocken und die Fahrt bis Bullfrog am Lake Powell ohne grössere Ereignisse.




In Bullfrog angekommen, steuerten wir gleich einmal die nächste Tankstelle an. Wir waren durstig, der Truck auch und die Cooler wollten frisches Eis. Als ich den Truck betankte, fiel mir auf dass irgendwas nicht ganz im rechten Winkel zuging. Das Waschbrett des Burr-Trails hatte doch tatsächlich zwei mächtige 22er Bolzen des hinteren Stossfängers durch- oder losgerüttelt. Jedenfalls hing der Stossfänger nur noch an der linken Seite fest und an der rechten Seite herunter. Damit gab's nur zwei Alternativen: Entweder sofort reparieren, oder am nächsten Morgen. Da es schon abends, alle Werstätten geschlossen und die Mechaniker daheim waren, blieb nur die Alternative in Bullfrog zu übernachten.





Gleich gegenüber der Tankstelle lag der Campingplatz und somit war klar wo wir die Nacht verbringen würden. Wir suchten uns ein schönes Plätzchen direkt neben den Waschräumen und machten es uns gemütlich. Es war Samstag Abend und am Wochenende treffen sich gerne die Party-People am Lake Powell. Aber wir hatten Glück mit unseren Nachbarn. Zwar gab's auf dem Campingplatz ein paar der üblichen Parties, aber die waren alle weit genug entfernt und so störten die uns auch nicht. Nach einem kleinen Imbiss gab's für uns nur noch Shuteye...

AtzeBlues

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23

Donnerstag, 18. August 2016, 14:31

...also, ich hab mich auch mit rangehängt. sehr erfrischender Schreibstil, nich so trocken wie man es oft liest.

als ich 2009 von Stuttgart nach Ulm umgezogen bin, glaube hatte ich nich so viele Sachen im Umzugs LKW wie Ihr im Urlaub dabei habt. :rolleyes: ...und ja, ich bin auch nicht verheiratet: :thumbsup:
Mit besten Grüßen Thorsten
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24

Donnerstag, 18. August 2016, 14:34

dem kann ich mich nur anschliessen
bitte weitermachen

Sanfrancis

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25

Donnerstag, 18. August 2016, 14:44

Ich dachte, ich könnte mitreisen. Aber nach einem Blick in den eigentlich geräumigen hinteren Teil des "Trucks" denke ich, dass es wohl eher ein Plätzchen auf dem Dach wird. Egal, ich halt mich fest.
Gruß Bernd
Bei Treffen dabei gewesen



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Dieter

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26

Donnerstag, 18. August 2016, 20:36

....ich bin auch mit dabei, schöner entspannter Bericht, macht einfach Spaß :-) :thumbsup:

Gruß Dieter
Bei Stammtischtreffen dabei

ThomasMG

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27

Donnerstag, 18. August 2016, 20:59

Ich bin dann auch noch zu gestiegen. Klasse Bericht.
Ich könnte sofort wieder rüber.
Viele Grüße
Thomas

Rentacop

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28

Donnerstag, 18. August 2016, 22:11

Tag 4:

Obwohl wir eigentlich früh los und unseren weichgerüttelten Truck zur Werkstatt bringen wollten, wurde es doch wieder so gegen neun bis wir eine Kleinigkeit gefrühstückt und alles gepackt und verstaut hatten. Mir fiel immer wieder die Camper-Familie vom Bryce Canyon ein, die alle Handgriffe mit "militärischer Präzision" erledigte. Bei uns lief das ganz anders, da die Mrs. und ich jeweils andere Prioritäten und Vorstellungen davon hatten, was wo am besten und effizientesten zu verstauen war. Aber nach unserer 3. Camping-Nacht waren doch schon zarte Fortschritte erkennbar. Den Campingkocher, das (über-)lebenswichtigste Utensil (kein Kaffee ohne heissem Wasser) war zBsp. am Vorabend schon nach 10 Minuten aufgefunden worden. Zwar blieb die Kaffeekanne länger verschollen, aber man kann eben nicht alles auf einmal haben.

Nach einem letzten Check ging's also wieder zurück zur Tankstelle mit benachbarter Werkstatt. Diese Werkstatt stellte sich dann hauptsächlich als Geschenk- und Souvenirs-Shop heraus, aber es gab immerhin auch eine Abteilung für Boots-Ersatzteile.





Wir kauften also zuerst einen Kühlschrank-Magneten, eine Sonnenbrille und eine Baseball-Kappe. Dann arbeitete ich mich in die Boots-Abteilung vor, wo ich auf den sehr hilfsbereiten Mitarbeiter Kevin traf. Ich erklärte Kevin das Dilemma mit den losgerüttelten Schrauben unseres Trucks und er machte sich gleich auf die Suche nach passenden Bolzen, Muttern und Beilagscheiben. Binnen kurzer Zeit hatte Kevin eine Auswahl an Hartware zusammengesucht und wir machten uns beide daran, den Stossfänger wieder in's rechte Lot zu hängen. Das stellte sich als etwas schwieriger heraus als zunächst angenommen. Das nicht nur weil der Stossfänger schwer war, sondern vor allem weil man ganz zarte Fingerchen brauchte, um die Bolzen in die richtige Position zu bringen. Und zarte Fingerchen hatten weder Kevin noch ich. Nachdem wir einiges an Schweiss und auch etwas Blut in die Sache eingebracht hatten, war der Truck aber wieder gut zusammengeschraubt und fertig die nächste Rüttelpiste. Kevin nahm zwar dankbar aber doch widerstrebend einen Zwanziger als Trinkgeld und wir machten uns wieder auf die Reise.

Da wir schon so nahe am Lake Powell waren, wollten wir natürlich noch das Wasser antesten. Und so fuhren wir zum Strand hinunter und wanderten ein bisschen auf und ab, beobachteten das Treiben auf dem See und freuten uns darüber, dass der Wasserspiegel des Sees in letzter Zeit wieder am Steigen war. Tatsächlich dürfte das Wasser um gut einen halben Meter höher gestiegen sein, denn diverse Sträucher und kleine Bäume waren inzwischen wieder im See, nicht mehr um vormaligen Ufer.







Wir überlegten kurz, ob wir schwimmen gehen wollten, aber da's an dem Strand keine Duschen gab und wir nicht anschliessend mit angetrocknetem Sand den ganzen Tag im Auto sitzen wollten, verschoben wir den Badespass auf's nächste Mal. Auf dem Weg vom Strand zurück auf die Strasse beschloss dann der Truck, sich noch ein bisschen im losen Sand einzugraben. Ich hätte natürlich den Allradantrieb aktivieren sollen... Aber der Gedanke kam mir erst, als das rechte Hinterrad schon bestens festgefahren war. So kam ich dann doch noch zu etwas körperlicher Ertüchtigung am See, indem ich mit meinem kleinen Spaten den Reifen freischaufeln durfte. Nach etwa 20 Minuten Schaufeln und diversen, nicht ganz jugendfreien Ausdrücken meinerseits, waren wir wieder mobil und die Reise konnte weiter gehen.

Oder doch nicht... Durch das am See herumwandern und meine Schaufelei waren wir inzwischen doch hungrig geworden. An der Tankstelle / Boots-Souvenirs-Shop gab es nichts Essbares das wir nicht ohnehin schon im Cooler gehabt hätten. Aber wir wollten wieder warmes Essen. Da es Sonntag war und die Mormonen den Tag des Herrn hoch halten, halten sie die Rollläden an dem Tag geschlossen. Das machte die Suche nach einem geöffneten Lokal etwas langwieriger. Wir fanden dann doch noch ein laizistisch geführtes Etablissement, die "Off Shore Marina". Dort gab's ein Selbstbedienungs-Restaurant mit durchaus nennenswerter Auswahl an warmen Gerichten - also Pizza, Sandwiches und alles Mögliche aus der Fritteuse - und sogar eine Salatbar.



Die Mrs. wählte ein klassisches Frühstück, also Hot Dog mit Pommes. Ich hatte einen Anfall von Gesundheitsbewusstsein und wählte das Thunfisch-Sandwich für knapp $9. Zuerst hatte ich angenommen, dass der hohe Sandwich-Preis mit der exponierten Lage des Lokals und/oder der Tatsache zu tun hatte, dass alle anderen Lokale an dem Tag geschlossen hatten. Aber das Sandwich stellte sich dann als riesige Portion heraus und wurde kunstvoll und mit viel Zeitaufwand von der russischen Bedienung zusammengebaut. Die junge Dame brauchte tatsächlich fast 10 Minuten, um das Kunstwerk fertig zu stellen. Ich war fasziniert zu sehen, wie sie zBsp. die Position der Tomatenscheiben mehrfach leicht veränderte, dann alles kritisch betrachtete, wieder und wieder anders arrangierte, um dann noch einmal von vorne zu beginnen. Ich war so fasziniert, dass ich ganz auf mein Hungergefühl vergessen hatte und dann nur das halbe Sandwich essen konnte. Die andere Hälfte wanderte in den Cooler, um später zur Hungerbekämpfung herangezogen zu werden.
Die Mrs. teilte ihr Hot Dog mit unserem Dog und so wurden wir alle satt und es konnte weitergehen.

Wohin es weitergehen würde, war natürlich nicht klar. Wir fuhren zunächst einmal die 276 Richtung Nordosten, denn aus der anderen Richtung waren wir ja gerade gekommen. Als wir die 95 erreichten, stellte sich dann wieder die Frage "Links oder rechts?". Rechts gings nach Hite, aber da war nichts das uns interessierte und ausserdem waren wir da schon oft. Also bogen wir nach Links ab und fuhren die 95 weiter nach Norden. Dank diverser Gewitter in der Umgebung und der im Überfluss vorhandenen Landschaft gab's interessante Photo-Motive. Aber nach einer längeren Autofahrt wollten wir dann doch endlich wieder ein bisschen Aktivität und so bogen wir zum Goblin Valley State Park ab, um dort ein bisschen herumzulaufen.



Der Park war fast menschenleer und wegen des bewölkten Himmels war es auch nicht notwendig, extra Wasser auf die Erkundung des Tals mitzuschleppen. Wir parkten den Kleinwagen am Aussichtspunkt und machten uns voller Energie auf, das ganze Tal zu erwandern. So wanderten wir kreuz und quer durch das Tal bis zum Südende. Als wir am weitesten vom Parkplatz entfernt waren, kam dann die Sonne heraus und es wurde doch etwas wärmer und wir durstiger. Ich reise gerne leicht und hatte gar nichts zum Trinken dabei. Die Mrs. hatte eine kleine Flasche Wasser mit - für den Hund. Da wir beide dem Hund nicht das Wasser wegtrinken wollten, machten wir uns auf den Rückweg. Es war ja nicht weit, denn das Goblin Valley ist ja nicht allzu gross. Trotzdem brauchten für den Rückweg zum Parkplatz gefühlt doppelt so lange wie zuvor bis zum Südende des Tals. Die Lufttemperatur war auch zu dem Zeitpunkt gefühlt doppelt so heiss wie noch zu Beginn unseres kleinen Ausflugs. Und es schien immer wärmer zu werden. Es waren dann auch überhaupt keine anderen Leute mehr zwischen den Goblins unterwegs.

Als dann noch die Mrs. über Übelkeit zu klagen begann, lief ich die letzten paar hundert Meter zum Aussichtspunkt und die Stufen dorthin hinauf, um Wasser zu holen. Am Truck angekommen inhalierte ich erst einmal den Inhalt einer 16oz Wasserflasche, griff noch zwei weitere Flaschen und machte mich auf den Weg zurück zur Mrs. und Hund. Die beiden hatten sich im Schatten eines Goblins niedergelassen und waren daher nicht unmittelbar aufzufinden. Aber schliesslich fand ich sie doch und obwohl meine Frau sonst nie Wasser trinkt, machte sie diesmal eine Ausnahme. Dannach fühlte sie sich besser und wir drei machten uns gemeinsam auf den Weg zurück zum Parkplatz.





Am und im Truck angekommen, tranken wir dann noch jeder eine Flasche Wasser und Gracie bekam ein paar Eiswürfel zum daran lecken. Die Sachlage war klar, dass das noch nicht alles für's Goblin Valley gewesen sein konnte. Also beschlossen wir, noch die eine oder andere abgelegene Strasse im Umfeld zu erforschen. Wir fanden eine schöne Strecke, die "Wild Horse Road", die aus dem Nordwest-Ende des Parks hraus und in eine sehr abwechslungsreiche Landschaft führte. Dieser Trail wird offenbar hauptsächlich von OHV-Fahrern benutzt und dürfte früher einmal als Strasse zu einer inzwischen verlassenen Ranch gedient haben. Jedenfalls war's abgelegen und bis auf zwei Fourwheeler sahen wir auch keine anderen Verkehrsteilnehmer. Laut Karte führte die Wild Horse Road zum "Muddy Creek", würde dann zur Coal Mine Road und sollte irgendwann auf die 24 treffen, die wiederum nach Hanksville führen würde - also eine schöne Runde. Aber Karten sind ja nicht immer allzu präzise...











Die Strasse war weitestgehend gut in Schuss und von ein paar felsigen Abschnitten abgesehen völlig harmlos. Aber das änderte sich rasch nach der verlassene Ranch. Ab dort verliefen sich verschiedene Spuren im Gebüsch und es wurde zunehmend sandiger. Schliesslich erreichten wir den laut Karte ja angekündigten "Muddy Creek" und der Creek hatte wohl seinen Namen nicht von ungefähr erhalten. Zwar war das Bächlein selbst weder breit noch tief, aber dank des sandigen Untergrunds und dem Schemm-Material aus den offensichtlich aus Ton bestehenden Bergen ringsum, war das Bachbett eine einzige, schlammige Masse. Zwar gab es frische Spuren durch das Bachbett, die offenbar von den zwei Fourwheelern stammten, welche wir zuvor gesehen hatten. Aber mit einem 4-Tonnen Truck gab's auch dort kein Durchkommen.
Da wir unsere Tagesration an Leichtfertigkeit und Ignoranz gegenüber den Herausforderungen der Natur bereits bei unserre wasserlosen Wanderung im Goblin Valley aufgebraucht hatten, fiel schweren Herzens die Entscheidung umzukehren. Wir hatten keine Lust, im tiefen Schlamm festzuhängen und womöglich tagelang auf Hilfe zu warten, oder auf die nächste Flash-Flood...



Wir fuhren also die Wild Horse Road zurück bis zum Goblin Valley State Park und weiter zur 24 und diese dann nach Norden. Inzwischen war es später Nachmittag und die Gewitter machten sich wieder breit. Wir beschlossen, dass es irgendwie nicht das richtige Wetter für Camping werden würde und wir eher ein Hotelzimmer für die Nacht suchen wollten. Die nächste Stadt war Green River an der I-70 und dorthin machten wir uns auf den Weg.



Da nicht alle Hotels, bzw. Motels Pet Friendly sind, fiel unsere Wahl zur Sicherheit gleich auf das lokale "Super 8", wo wir unmittelbar vor einem einfallenden Gewitter eincheckten. Das Zimmer war, naja, "Super 8" und das Hotel füllte sich rasch mit Touristen und Truckern, die ebenfalls keine Lust hatten, sich durch den rasch näherkommenden Sturm zu kämpfen. Bestens besucht war auch der Indoor-Pool Bereich. Im 8 Personen fassenden Jacuzzi sassen 11 Franzosen. (Mir waren noch nie so viele Franzosen unangenehm aufgefallen wie auf diesem Trip - Und das obwohl ich schon in Frankreich war - mehrfach! :rolleyes: )

Ich verzichtete also darauf, mich zwischen die Franzosen zu zwängen und das Dutzend voll zu machen und schwamm einfach noch ein paar Runden im nicht so stark frequentierten und sehr kalten Pool. Dann holte ich Abendessen bei Burger King gegenüber. Dazu musste ich in Todesverachtung den Unbilden des Wetters trotzen. Ich erwischte natürlich genau den Zeitpunkt, als Starkregen die knapp 100 Meter vom Super 8 zu Burger King in eine veritable Dusche verwandelt hatte. Abes dann gabs Burger und Pommes für die Mrs. und mich. Für Gracie gab's gebackene Hühnerstreifen. Und es war ein Festmahl wie es beim Franzosen nicht besser hätte schmecken können!

Mit gut gefüllten Bäuchen ging's dann ab in's Bett. Meine Ambition, noch den Weather Channel zu checken um zu sehen wo's am nächsten Tag wann und wie stark regnen würde, blieb eine Ambition. Draussen prasselte der Regen weiter auf den Asphalt und innerhalb von vielleicht fünf Minuten waren wir alle eingeschlafen.

Obelix

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29

Donnerstag, 18. August 2016, 23:20

Bin auch zugestiegen, gefällt mir gut. (:daumenh:)
Viele Grüsse
Jürgen

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Rentacop

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30

Freitag, 19. August 2016, 02:30

Tag 5:

Ja, eigentlich war es erst der vierte Urlaubstag, denn am 27. waren wir ja gleich nach dem Dienst losgefahren und dann bis Utah, also quasi "Anreisetag". Aber da das doch auch schon Urlaub war, zähle ich den Anreisetag trotzdem mit und werde es beim "Abreisetag" ebenso halten...

Da wir am Vorabend schon recht früh sanft entschlummert waren, geisterten wir am Morgen schon gegen 8h herum. Ausserdem waren wir schon wieder hungrig. Das Frühstück im Super 8 war "continental" (also unbefriedigend). Aber für den frühmorgendlichen Hunger reichte es, bzw. um den Appetit in die Schranken zu weisen. Wir waren richtig stolz, dass wir schon so zeitlich aktiv waren. Allerdings lagen wir dann offenbar doch eher im weit abgeschlagenen Hinterfeld der anderen Hotelgäste. Die meisten Leute waren schon abgereist, als wir unser Gepäck in den Truck wuchteten.



Wir fuhren die I-70 Richtung Norden und bogen dann Richtung Moab ab. Nach ein paar Aussichtspunkten entlang der Strasse erreichten wir den Dead Horse Point State Park. Beim Visitor Center fanden wir einen kleinen Kiosk, wo auch kleine warme Speisen, wie zBsp. Burritos angeboten wurden. Nach dem unbefriedigendem Super 8 Frühstück, kam uns das Angebot gerade recht und wir orderten zwei Frühstücks-Burritos. Der Kiosk wurde von einer vormaligen Dorfschönheit und ihrer Tochter, der nunmehrigen Dorfschönheit, betrieben. Die beiden machten den Eindruck, dass sie mit ihrem Job oder ihren Leben nicht übermässig happy waren und sie liessen ihre Unzufriedenheit über die Gesamtsituation recht offen aneinander aus.
Aber die Burritos waren richtig gut.

Wir machten dann frisch gestärkt die naheliegende Rim-Wanderung und fuhren im Anschluss die restlichen Aussichtspunkte an. Am äussersten Aussichtspunkt sass ein Park-Ranger in seinem Auto und somit musste Gracie im bzw. beim Auto bleiben und wir mussten beide einzeln zum eigentlichen Aussichtspunkt marschieren um Photos zu machen. Gracie war über die Pause aber nicht allzu unglücklich und so verbrachte sie die Wartezeit mit einem Nickerchen.



Nachdem wir im Dead Horse Point SP alles abphotografiert hatten, fuhren wir zur "Island in the Sky" Sektion des Canyonlands Nationalparks. Dort war etwas mehr Andrang, was aber auch an der Tageszeit gelegen haben mag. Nachdem wir auch dort die Aussichtspunkte abgefahren hatten, war's wieder höchste Zeit für ein bisschen alternative Unterhaltung. Ich zeigte meiner Frau von einem der Aussichtspunkte aus den Shafer Trail. Dazu muss ich erwähnen, dass meine Frau extreme Höhenangst hat. Sie kämpft zwar hart dagegen an, aber wenn sie die Angst übermannt, versteinert sie geradezu und kann sich absolut nicht mehr bewegen. Daher sind enge Bergstrassen für sie der absolute Horror. Andererseits freut sie sich dann immer sehr, wenn sie zBsp. die Switch Backs des Burr Trails oder die des Moki Dugway überlebt hat. Aber ich wollte sicherstellen, dass sie vorher weiss, was nachher auf sie zukommen würde. Also liess ich sie den Shafer Trail aus sicherer Entfernung begutachten und sie war ohne Zögern einverstanden, dass wir den Trail zu fahren hatten.



Nachdem somit die Genehmigung von allerhöchster Stelle gegeben worden war, ging's auf den Trail. Ich hatte den schon vor einigen Jahren mit einem Freund und einem kleineren Fahrzeug befahren und erwartete daher keine grossen Überraschungen und/oder Herausforderungen. Immerhin ist der Shafer Trail ja eine stark befahrene Touristenstrecke, auf die sich auch fallweise Leute im Prius trauen. Das Wetter war gut, das Verkehrsaufkommen überraschend gering, also alles bestens. Die Mrs. war zwar erwartungsgemäss etwas unentspannt, hielt sich aber tapfer. Das, bis wir die Switchbacks erreichten. Unser Kleinwagen hat laut Herstellerangabe einen Wendekreis von knapp 14 Metern - also rund dreinhalb Spuren auf einer gut ausgebauten Strasse. Mit unserer nicht ganz serienmässiger Bereifung kann man da noch gut einen Meter dazu addieren. Jedenfalls gibt's in den Switchbacks des Shafer Trails keine 15 und auch keine 14 Meter Platz.
Daher musste ich mehrfach mit links bremsen reversieren und das mit der Motorhaube (optisch) bereits über dem Abgrund. Ich wusste natürlich was ich tat, aber die Mrs. war sich diesbezüglich nicht ganz so sicher. Sie sagte zwar nichts, aber ich kenne sie ja nun schon eine Weile und weiss, dass wenn sie nichts sagt, dann kann das wahrlich ohrenbetäubend sein. Und ja, natürlich hatte ich sie in diese Situation manövriert, in der sie nichts sagen konnte. Immerhin hatte sie ja zuvor ausdrücklich genehmigt, den Trail zu fahren. Das machte ihr Schweigen noch um einiges lauter... engel1







Aber als wir dann heil im Tal angekommen waren, war auch die Mrs. wieder voller Stolz, dass sie es ohne zu offensichtliche Panikattacke überstanden hatte. Der Rest des Weges via Potash Road war dann fahrtechnisch keine Herausforderung mehr, aber landschaftlich umso schöner. Hier gab's dann auch ein paar verwegene Mietwagen-Piloten zu sehen, die sich ihr "Offroad"-Abenteuer gönnten. Wir blieben oft stehen um die Landschaft zu geniessen und Photos zu machen. Aber irgendwann erreichten wir dann doch wieder Asphalt und machten uns via der 279 auf den Weg nach Moab.









Inzwischen war es schon früher Abend geworden und es wurde Zeit, einen Schlafplatz für die Nacht aufzutreiben. Die Campingplätze am Ortseingang von Moab gefielen uns nicht so sehr. Es war an und für sich nichts falsch mit den Campingplätzen. Es lag wohl eher daran, dass wir nicht campen wollten. Also musste ein Hotelzimmer her. Da wir nichts vorbuchen, hatten wir jede Menge Auswahl. Das heisst, die Mrs, hatte die Auswahl. Ich hatte es womöglich schon erwähnt, aber nach knapp zwei Jahrzehnten Ehe-Ausbildungslager, weiss man(n) wer ein Hotel auszusuchen hat. Die Mrs. wählte zielsicher das La Quinta Inn & Suites und das war gut so. Das Zimmer hatte zwar einen Ausrunfungspreis von $239, aber mit AAA Rabatt und dem guten Willen der sehr netten Rezeptionistin kamen wir dann auf $151,-. Das Zimmer war's auch wert. Dazu gab's einen 10% Gutschein für das benachbarte (und Hunde-freundliche!) Lokal "The Blu Pig", die Aussicht auf ein umfangreiches Frühstück, Pool, Jacuzzi, einen netten Dog-Park und keine lauten Franzosen.

Nachdem wir das Zimmer bezogen hatten, war's Zeit für's Abendessen. Seit den Burritos von Mrs. und Ms. Moab hatten wir überhaupt nichts gegessen und dieser Umstand machte sich inzwischen bemerkbar. Wir wanderten also hinüber zum blauen Schwein und bestellten was die Karte hergab. Für Gracie gab's Eiswürfel und viele Kostproben von unseren Tellern mit Brisket und Loose Ends. Das Essen war sehr gut, die Portionen mehr als ausreichend und ich gönnte mir sogar einen Cocktail. Anschliessend hörten wir noch ein bisschen der Live-Musik in der Bar des Blauen Schweins zu und dann ging's ab in's Bett.






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31

Freitag, 19. August 2016, 04:53

Tag 6:
(oder 5, je nachdem...)

Wir hatten zwar am Vorabend im Blu Pig wahrlich ausgiebig gegessen, aber trotzdem waren wir am Morgen schon wieder hungrig. Das angekündigte Frühstücksbuffet im La Quinta übertraf unsere Erwartungen. Es gab eine grosse Auswahl, u.a. mit Sausage Patties und -Links, Rührei, hart gekochten Eiern, Omelettes, Speckstreifen, O'Brien Potatoes, Pancakes und Waffles, Donuts, Muffins, diverse Säfte, Voll- und Magermilch, diverse Yoghurts, Cereals, verschiedene Geschmacksrichtungen Kaffee und Tee, usw., usw... Da im Frühstücksbereich trotz der hundefreundlichen Einstellung des Hotels keine Hunde erlaubt waren, brachten wir unser Frühstück mit auf's Zimmer und begannen so den Tag gemütlich mit Frühstück und Fernsehen. Die Mrs. fand dabei einen Kanal mit einem Deutschkurs für Kinder. Im Mormonenstaat werden ja schon die jüngsten, männlichen Familienmitglieder darauf vorbereitet, später einmal als Missionare des Elohim die Welt zu retten. Dafür müssen die Kleinen schon rechtzeitig mit der Sprachausbildung beginnen. Und wie bei allen an Kindern interessierten Organisationen, beginnt die entsprechende Ausbildung somit in jungen Jahren und in spielerischer Form.



Wir liessen uns dadurch aber nicht den Appetit verderben. Nach dem Frühstück bekam Gracie dann erst einmal ihren Morgenspaziergang. Gleich hinter dem Hotel gab es einen netten Park, den die Kleine ausgiebig erkunden und als ihr Eigentum markieren durfte. Der Morgenspaziergang tat uns allen gut, denn das mehr als reichliche Frühstück konnte sich so besser im Magen verteilen. Ausserdem hatten wir das Gefühl, so zumindest einen Teil der Pancake-Kalorien abgearbeitet zu haben.



Eigentlich fühlten wir uns im La Quinta so wohl, dass wir es nicht allzu eilig mit der Abreise hatten. Der beste Grund, bzw. die beste Ausrede für unsere Faulheit war, dass wir an dem Tag nur zum Arches NP wollten, der ja gleich bei Moab liegt - also keine lange Anreise und so, da kann man sich Zeit lassen. Aber irgendwann überwog dann doch das schlechte Gewissen und wir checkten aus dem schönen La Quinta aus, fuhren zum City Markt, betankten den Kleinwagen und erledigten ein paar Einkäufe. Ich hatte vergessen, Handschuhe auf den Trip mitzunehmen. Nicht dass es temperaturmässig ein Problem gewesen wäre, keine Handschuhe dabei zu haben. Aber bei der Stossfänger-wiederanschraub Aktion in Bullfrog hätten sich Handschuhe schon recht gut geeignet, die Schrammen an den Händen zu vermeiden. Also kaufte ich im City Markt ein paar Arbeitshandschuhe - Man(n) weiss ja nie wofür's dann doch einmal gut sein kann. Zusätzlich füllten wir noch unsere Wasser- und Eisvorräte und besorgten zudem noch ein bisschen Proviant. Man weiss ja nie, wofür's noch einmal gut sein kann und so...

Weitre ging's zum Visitor Center des Arches NP. Die Mrs. stürmte den Souvenirs-Shop und kaufte den obligatorischen Kühlschrank-Magneten. Ich wartete inzwischen mit Gracie draussen und die Kleine machte in der Zeit viele neue Freunde. Sie liebt Aufmerksamkeit und nichts ist schöner für sie, als wenn ein paar Zweibeiner um sie herumstehen und "Ah" und "Oh" und "So Cute" rufen.



Als die Mrs. ihre Einkäufe erledigt hatte und zum Rudel zurückgekehrt war, machten wir uns auf den Weg in den Park. Das Verkehrsaufkommen war wieder einmal eher auf der heftigen Seite und an den diversen Aussichtspunkten und Parkplätzen herrschte dichtes Gedränge. Es war zwar nicht ganz so schlimm wie wenige Tage zuvor im Zion, aber eben doch recht überlaufen. Da der Arches ein Nationalpark ist, durfte Gracie wieder einmal gar nichts und auf keine Trails, sodass wir auf die vollgeparkten Aussichtspunkte beschränkt waren.



Um doch noch ein bisschen näher an die Natur und weiter weg von den Touristenmassen zu kommen, beschlossen wir die unbefestigte Salt Valley Road zu nehmen und dann über einen Trail Richtung Süden den Park zu durchfahren. An selbigem Trail war ich in der Vergangenheit schon zweimal gescheitert, aber damals mit inferiorer Technik. Beim ersten Mal hatte ich einen serienmässigen Ford Expedition und beim zweiten gescheiterten Versuch, einen nur leicht modifizierten Explorer. Diesmal trat ich mit einem Monstertruck an. Der Trail würde keine Chance haben und ich würde ihn nun endlich bezwingen. Daran herrschte nicht der Hauch eines Zweifels.

Sobald wir den Asphalt hinter uns gelassen hatten, ebbte auch das Verkehrsaufkommen schlagartig ab. Ein paar Miet-SUV's wagten sich noch einige Meilen auf die zunächst gut ausgebaute Schotterstrasse. Aber spätestens am Beginn des bösen Trails (dieser beginnt gleich einmal mit einem steilen und felsigen Anstieg) waren wir alleine unterwegs.







Es ging bestens voran und zügig vorbei an den Stellen, wo ich mit den weniger geeigneten Fahrzeugen vor einigen Jahren umdrehen noch musste. Was kümmern einen Felsstufen von 30+ Zentimetern, wenn man sowieso einen halben Meter Bodenfreiheit hat? Ja, man(n) braucht eben einfach nur das richtige Werkzeug und dann klappt's auch mit dem bösen Trail. Ich war der König der Welt!

Bis zu einem Abschnitt ganz ohne Felsen, dafür aber mit sehr tiefem Sand. Auch das sollte an und für sich kein Problem sein, denn wozu hätte sonst der König der Welt $2,000 in einen Satz dicke MT-Reifen investiert?
Also ging's hinein in's sandige Vergnügen - und da blieben wir dann auch. Nach rund 30 Metern war das rechte Hinterrad (der Übeltäter vom Lake Powell-Strand - wir erinnern uns...) bis zur Radnabe im Sand eingegraben. Der König der Welt und Beherrscher aller Offroad-Trails hatte wieder majestätisch darauf verzichtet (eher vergessen), rechtzeitig den Allradantrieb zu aktivieren. Und nu war es zu spät dafür, denn selbst mit Allradantrieb liess sich die Fuhre nicht mehr aus dem Sand bewegen.
Um es etwas interessanter zu machen, hatte sich das rechte Hinterrad direkt an einem sandigen Abhang eingegraben. Einfach rausschaufeln ging also nicht, denn jeder Schaufel voll weggeschaufeltem Sand rieselte in doppelter Menge vom Abhang herunter in das freigeschaufelte Loch. Ich schaufelte trotzdem eine Weile lang Sand durch die Gegend. Ich hatte ja ohnehin nichts besseres zu tun und wenn nichts hilft dann hilft wenigstens das Gefühl, irgendwas zu tun. Die Mrs. verzog sich aus dem Truck, da die Klimaanlage wieder einmal Pause machte und es ohnehin schon so an die 100°F draussen hatte. Sie und Gracie machten es sich im Schatten unter einem Baum gemütlich und ich schaufelte gemütlich Sand - ohne Schatten, in der Sonne...
Nach rund einer halben Stunde sinn- und ergebnislosen Schaufelns war ich dann auch nicht mehr in Stimmung und machte Pause. Die Mrs. teilte mir ihre Besorgnis darüber mit, dass uns hier am Trail und im Sand des selbigen ein einsamer und dennoch qualvoller Tod heimsuchen könnte. Ich beruhigte sie, indem ich ihr die Symptome des Verdurstens genau erläuterte und erklärte dass Verdursten eigentlich nicht allzu qualvoll wäre. Irgendwie beruhigte sie das aber nicht allzu sehr...
Ich hatte zwar keinen Plan, aber der Plan war, erst einmal nichts zu tun und darauf zu warten, bis es abends kühler werden würde. Der Alternativplan war, darauf zu warten, bis ein anderer Offroad-König des Weges kommen würde - bevorzugt einer mit einer Seilwinde.



So sassen wir im Schatten der Pinie und warteten auf kühlere Temperaturen, eine Seilwinde oder sonst ein Wunder. Wir hatten zwar kein Mobilfunk-Netz, aber Dank unserer Einkäufe vom Morgen, Wasser und Proviant für 3 Tage (ohne die Vorräte zu rationieren). Ja, man(n) weiss eben nie wann's für was gut ist! :zwinker: Zudem hatten wir noch mehr als ausreichend Überlebensausrüstung mit dabei. Im Death Valley hätte ich mir vielleicht trotzdem Sorgen gemacht. Manche der Trails dort sehen nur alle paar Monate einen Offroader. Aber wir waren im Arches und der Trail war zwar nicht gerade eine Hauptverkehrsroute, wurde aber doch von einigen Fahrzeugen täglich befahren. Wir würden also leben. Es bestand halt nun einmal die Aussicht, dass uns für einige Zeit fad sein würde.

Nach rund eineinhalb Stunden hörten wir dann entfernt Stimmen und langsam näher kommendes Motorengeräusch. Ich ging dem Geräusch entgegen und traf auf Josh und Nicky aus Missouri, die mit ihrem Jeep den Trail in der selben Richtung befuhren. Die beiden waren mir sofort sympathisch und auch die grosse Seilwinde an deren Jeep :love:
Ich erklärte den beiden unsere Situation und ein paar Minuten später hing unser Kleinwagen schon an der wunderschönen Seilwinde. Es dauerte nicht lange und wir waren wieder flott und auf festem Untergrund. Ich gestand Josh und Nicky, dass ich zuvor vergessen hatte, den Allradantrieb zu aktivieren. Wir alle lachten (ich ein bisschen hysterisch) und Josh meinte, dass ich es jetzt einfach einmal mit aktiviertem Allradantrieb versuchen sollte, denn damit würde es doch kein Problem sein, den tiefen Sand zu durchpflügen. Ich war etwas skeptisch, da der Sand schon ziemlich tief war und ich selbst mit Schaufel keinen festen Untergrund erreichen konnte. Ich merkte an, dass der Truck voll beladen war und an die 4 Tonnen auf die Waage brachte und dass das durchaus ein negativer Faktor für das Durchfahren tiefen Sandes darstellen würde.
Aber Josh meinte, dass das schon gehen würde.

Nach solch gutem Zureden wollte ich es natürlich noch einmal versuchen. Ausserdem hatte ich ja noch offene Rechnungen mit dem Trail. Aber um die Geschichte abzukürzen: Nope, hat trotzdem nicht funktioniert...
Josh musste meinen Truck wieder aus dem Sand ziehen, was diesmal aber etwas aufwendiger wurde, da sich nun mehrere Reifen tief eingegraben hatten und das auch noch ein gutes Stück weiter in den sandigen Abschnitt des Trails hinein. Es brauchte diesmal die volle Länge des Seils von Josh's Seilwinde. Als wir nach langem hin und her dann endlich den Truck wieder dort hatten wo er schon eine Stunde zuvor gewesen war - nämlich wieder auf festem Boden - verabschiedete sich Josh's Seilwinde beim Aufspulen. Das Stahlseil musste dann in Handarbeit auf die Rolle gerollt werden, was ziemlich auf die Finger gehen kann. Da fragte mich Josh, ob ich eventuell ein paar Handschuhe hätte, denn er hatte keine...
Ahaa! 8-) Und so kamen meine am Morgen im City Markt gekauften Handschuhe zum Einsatz. Ja, man(n) weiss eben nie wann's für was gut ist (ausser im Nachhinein, da weiss man's dann natürlich).

Die Entscheidung fiel mir nicht leicht, aber ich musste mich wieder dem Trail geschlagen geben und umdrehen. Wäre ich alleine gewesen, hätte ich wahrscheinlich noch einen Versuch unternommen. Aber da die Mrs. mit dabei war, hätte ich durch einen weiteren Versuch wohl nur allzu leicht einen Fall von Domestic Violence provoziert. Und da hätten mich Josh und Nicky auch nicht mehr retten können...



Der Weg zurück war natürlich beschämend. Ich hasse es, umzudrehen und auf diesem Trip war das nun schon das zweite Mal, nachdem wir ja beim Goblin Valley SP am Muddy Creek das Handtuch geworfen hatten. Aber es war die vernünftige Entscheidung. Der trail soll sich ruhig in Sicherheit wiegen. Ich komme wieder! :cursing:

Eigentlich hatten ursprünglich wir mit dem Gedanken gespielt, nach dem Arches noch ein gutes Stück Richtung Süden und zur Needles Sektion des Canyonlands NP zu fahren und dort zu campen. Aber inzwischen war es schon zu spät, um noch weit zu fahren. Ausserdem hatten an dem Tag wir keine Lust mehr auf Natur. Wir hatten die Natur in allen Kleidungsstücken und jeder ein gutes Pfund davon in den Schuhen. Das reichte erst einmal. Mir war nach Pool, warmem Essen und einem weichen Bett. Der Mrs. ging es ebenso und Gracie war auch einverstanden. Also fuhren wir wieder beim La Quinta vor und checkten ein. Wir bekamen das exakt selbe Zimmer, welches wir schon am Vortag bekommen hatten. Und nach ein paar Runden im Pool ging's wieder in's Blu Pig zum Abendessen. Wir bestellten Chili-Cheese Fries mit Pulled Pork und BBQ'ed Portobello Mushroom Salat.







Nach dem Essen ging's zurück zum Hotel. Ich wollte noch etwas aus dem Truck holen, aber nach einem Blick auf das Chaos, welches die Schaukelei auf dem Trail zuvor hinterlassen hatte, gab ich den Versuch auf zu suchen was ich finden wollte. Es war gut, dass wir nicht campen mussten. Wir hätten nichts gefunden und unser Lager wäre wohl erst im Morgengrauen fertig aufgeschlagen gewesen...



Ich schloss also die Heckklappe des Trucks und ging einfach schlafen.

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32

Freitag, 19. August 2016, 06:40

Tag 7:
(oder 6, zum Aussuchen...)

Nachdem wir wieder gnadenlos über das üppige Frühstücks-Buffet hergefallen waren und Gracie erneut einen Morgenspaziergang bekommen hatte, ging's abermals zurück zum City Markt in Moab. Wir betankten den Truck und trafen an der Tankstelle den Kellner vom Blu Pig. Dann kauften wir noch neues Eis und unternahmen einen zaghaften Versuch, etwas Ordnung in den Saustall im Truck zu bringen. Wir beliessen es bei dem Versuch und einigten uns darauf, zu einem späteren Zeitpunkt einen weiteren Versuch zu unternehmen. Als nächstes ging's Rictung Süden und raus aus Moab.

Der erste Stop liess nicht lange auf sich warten. Wir hielten am "Hole N''The Rock". Als Touristen waren wir moralisch dazu verpflichtet, an zumindest jedem zweiten Souvenirs-Shop zu halten und nach Möglichkeit auch etwas zu kaufen. Wir kauften einen Kühlschrank-Magneten und bestaunten die zahlreichen Artefakte, mit denen das Gelände liebevoll ausgestattet worden war.





Sobald wir unsere tourischtischen Pflichten erfüllt hatten, machten wir uns wieder auf den Weg in Richtung Süden und zur Needles Sektion des Canyonlands NP. Dort eingetroffen stellten wir fest, dass dieser Teil des Parks offenbar viel weniger populär ist als die "Island In The Sky" Sektion. Jedenfalls sahen wir nur ein paar andere Fahrzeuge und an den Aussichtspunkten waren wir praktisch alleine. Von einem der Aussichtspunkte aus erspähte ich einen stark gewundenen Trail im Tal. Ich war natürlich sofort Feuer und Flamme dafür, diesen Trail zu erkunden. Nach der Schmach des Vortages brauchte ich wieder ein Erfolgserlebnis. Aber diesmal erteilte die höchste Instanz eine Absage und somit musste das Projekt aufgeschoben werden. Stattdessen machten wir ein paar kurze Wanderungen im 1-2 Meilen Bereich. Auch Gracie konnte diesmal mitkommen, da in diesem Teil des NP nicht nur kaum Touristen sondern auch keine wachsamen Ranger unterwegs waren.







Wir fuhren dann die 191 weiter nach Süden und bogen rechts auf die 211 ab, um noch ein letztes Mal im Canyonlands NP vorbeizuschauen. Der Weg führte uns am Newspaper Rock vorbei und durch ein Recreation Area mit vielen netten Plätzen um zu campen oder ein Picknick zu machen. Wir waren wieder einmal hungrig und der Idee in der Gegend über Nacht zu bleiben auch nicht abgetan. Wir suchten uns ein nettes Plätzchen und sortierten erst einmal unser Campingzeug auseinander, das sich ja am Vortag im Arches zu einem nahezu undurchdringlichen Knäuel formiert hatte. Nach einiger Zeit hatten wir auch schon Tisch und Stühle aufgebaut und bereiteten ein paar Sandwiches vor. Dann aber stellten wir fest, dass wir nicht die einzigen Hungrigen vor Ort waren. Es dauerte nicht lange und wir hatten ein paar Dutzend recht lästiger Mosquitos um uns herum schwirren, während sich eine Horde Feuerameisen bedrohlich unseren Sandwiches näherte. Die Mosquitos stammten wohl von einem kleinen See in der Nähe. Die Ameisen stammten aus dem Boden um uns herum. Dazu kamen noch ein paar recht eindrucksvolle Gewitter, welche auch nicht mehr allzu weit entfernt waren. Wir assen rasch unsere Sandwiches und packten dann wieder alles ein, um uns zu einem späteren Zeitpunkt anderswo ein besseres Plätzchen mit weniger aufdringlicher Natur zu suchen.







Wir fuhren also wieder zurück auf die Strasse und weiter Richtung Canyonlands NP. Inzwischen liefen die Gewitter zur Bestform auf und streckenweise regnete es bemerkenswert heftig. Aber der Truck musste ja sowieso gewaschen werden, also passte das schon so. Ausserdem bekamen wir endlich ein paar Flash-Floods zu sehen, zwar nichts wirklich Spektakuläres, aber immerhin. Nach irgendwas um die 20 Meilen die Strasse runter kamen wir wieder in den Canonlands NP und fuhren weiter bis zum Big Springs Canyon Overlook, der zugleich das Ende der Strasse ist. Auch der Regen hörte dort auf.









Mittlerweile war es schon fortgeschrittener Nachmittag und schön langsam mussten wir nach einem Platz für die Nacht Ausschau halten. Unweit des Overlooks und noch auf Nationalpark-Gebiet bot sich ein voll ausgebauter Campingplatz an. Wir fanden uns dort auch gleich einen sehr netten Platz mit einer Höhle, Pinien und nicht allzu weit von den Waschräumen. Von der Lage her war der Platz geradezu perfekt. Aber leider, leider gab's auch hier wieder lästige Anwohner. Nein, diesmal keine laut pinkelnden Franzosen, sondern wieder durstige Mosquitos. Innerhalb von Minuten hatten wir einige davon schon im Auto. An eine ruhige Nacht war so nicht zu denken, denn der gute Off-Spray hält die Dinger zwar davon ab zu stechen, aber nicht davon einem am Ohr herum zu surren. Wir verliessen den Campingplatz also wieder und fuhren zurück, am Newspaper Rock vorbei und dann auf die 136, abermals weiter in Richtung Süden.
Die Strasse führte uns hinauf in die Berge des Manti La Sal National Forrest. Statt Felsen und Wüstenlandschaft gab's dort Pinien-, Eichen- und Birkenwald und jede Menge Kühe.

Da es nun schon dunkel wurde, war der nächste Campingplatz genau der Richtige für uns. Ausser der Dunkelheit setzte auch wieder Regen ein und so konnten wir unser Campingzeug nicht uneingeschränkt ausbreiten. Es ging sich gerade noch aus, eine Kanne Kaffee für die Mrs. zuzubereiten, dann wurde der Regen zu stark und wir verzogen uns in den Truck. Obwohl der Campingplatz ruhig und abgelegen war, wurde es dann eine eher unruhige Nacht. Zum einen war das prasseln des Regens auf dem Autodach nicht so einschläfernd wie man annehmen könnte. Zum anderen hatte sich unweit von uns eine religiöse Familie niedergelassen, die bis weit in die Nacht hinein irgendwelche Schriften rezitierte - und das ziemlich laut. Sollten sie für Regen gebetet haben, hatte es jedenfalls funktioniert.
Dazu kam dann noch, dass meine Frau mitten in der Nacht Magenprobleme bekam und ein paar Mal durch den dunklen Wald zu den WC's musste. Das hob ihre Stimmung nicht wirklich und an erholsamen Schlaf war so auch nicht zu denken. Schliesslich, als der Regen endlich aufgehört hatte, hörte ich jemand oder etwas um's Auto schleichen. Zuerst war ich mir noch sicher, dass es sich nur um ein Reh handeln könnte. Aber als das Reh dann offenbar über einen Ast stolperte und dabei ein verhaltenes "Damn" ausstoss, war ich mir gleich nicht mehr so sicher.

Mit religiösen Fanatikern als Nachbarn muss man auf alles gefasst sein. Ich sah uns schon als Opfergabe am Grillspiess rotieren. Jedenfalls griff ich mir meine Dienstwaffe und sass so erst einmal eine gute halbe Stunde im Dunkeln weiter mit gespitzten Ohren auf Horchposten. Da aber weder die Mrs. noch Gracie irgendetwas gehört haben dürften und ich inzwischen schon wirklich müde war, beschloss ich dass ich im Ernstfall wenigstens eine halbwegs ausgeschlafene Opfergabe sein wollte und legte mich doch wieder schlafen. Vom Rest der Nacht bekam ich dann nichts mehr mit.


Rentacop

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Freitag, 19. August 2016, 08:29

Tag 7:
(in etwa...)

Als es wieder langsam hell wurde und die Mrs. zu einer weiteren Expedition zu den Toiletten aufgebrochen war, wurde Gracie plötzlich unruhig und starrte aus dem Fenster. Ich starrte auch und draussen starrte ein Reh auf uns. Das beruhigte mich wieder, denn vielleicht war es ja in der Nacht zuvor schon da gewesen, um's Auto geschlichen und dabei gestolpert.





Obwohl der Campingplatz eigentlich sehr schön und idyllisch war, hatten wir keine Absicht dort allzu lange zu bleiben. Das Frühstück liessen wir bis auf eine Tasse Kaffee für die Mrs. aus. Dann wurde rasch gepackt und wir waren wieder unterwegs. Der Ort Monticello bot sich als nächster Boxenstop an und so fuhren wir da hin, um zu tanken und etwas zu frühstücken. Allerdings fanden wir dann dort nichts das uns ausreichend angesprochen hätte. Also fuhren wir weiter nach Blanding. Dort besorgten wir von der Deli des lokalen Supermarkts erst einmal gebackene Hühnerstreifen und Macaroni-Salat - das Frühstück der Champions. An der Tankstelle gab's Sprit für den Truck und frisches Eis für die Cooler.
Nachdem ich das Schmelzwasser aus dem grossen Cooler abgelassen hatte, fiel mir das halbe Thunfisch-Sandwich in die Hände, das ich seinerzeit am Lake Powell im Cooler verstaut hatte um es später zu essen. Das Sandwich machte noch durchaus einen essbaren Eindruck, aber es war doch an der Zeit, sich zu davon zu trennen. Nachdem ich noch ein paar andere halb gegessene Sandwiches aus dem Cooler extrahiert hatte, wurde das neue Eis eingefüllt. Wir hatten jedenfalls so wieder Platz für neue Essensreste.

Das nächste Ziel war das Natural Bridges National Monument. Da waren wir zwar auch schon öfters gewesen, aber es lag irgendwie auf dem Weg und daher fuhren wir dort hin. Natürlich durfte Gracie wieder auf keinen der Trails und ohne Wandern sieht man die Brücken nicht so wirklich gut. Aber wo wir schon einmal da waren, fuhren wir auch den Loop mit den diversen Aussichtspunkten ab. Ausserdem waren wir wetterbedingt auch gar nicht zum Wandern aufgelegt. Die Regenwolken hatten sich an den Bergen festgehangen und so gab's anhaltenden Regen bis weit in den Tag hinein. Ausserdem war es auch ziemlich kalt, was einerseits wegen unserer eigenwilligen Klimaanlage im Truck nicht unwillkommen war, andererseits aber eben auch die Wanderlust in Grenzen hielt. Nicht einmal Gracie hatte Lust auf's Herumlaufen. Und das will schon etwas heissen...







Irgendwie gab das Natural Bridges NM an dem Tag und wahrscheinlich besonders wegen dem Wetter nichts her. Nachdem wir den Loop abgefahren waren, machten wir uns wieder auf den Weg zum Highway und zu neuen Zielen. Wir fuhren den Moki Dugway und die Mrs. blieb ganz entspannt. Nach den Wende-Manövern am Shafer Trail konnte sie nichts mehr erschüttern. Ausserdem gab's fast keinen Verkehr. Am Fuss des Plateaus angekommen, bogen wir zum Valley of the Gods ab. Mittlerweile waren wir dem Regen entkommen und konnten ein paar kurze Stops einlegen, aber der Himmel war immer noch stark bewölkt und dadurch gab's natürlich nicht die schönen Farben zu sehen. Aber das Wetter kann man sich eben nicht aussuchen.







Wir fuhren weiter zum Hovenweep National Monument. Das hatten wir beide noch nie besucht und daher freuten wir uns schon darauf. Noch mehr freuten wir uns. als uns die nette Rangerin im Visitor Center mitteilte, dass Gracie auch auf den Wander-Trails willkommen war. So machten wir uns auf, das Monument zu um- und durchwandern. Das Wetter spielte auch bestens mit. ES war inzwischen etwas wärmer, aber nicht zu heiss und die Sonne zeigte sich mit nobler Zurückhaltung - also bestes Wanderwetter.







Nachdem wir ein paar Stunden herumgewandert und -geklettert und ziemlich sicher waren, im Hovenweep NM alles gesehen zu haben, machten wir uns wieder auf den Weg. Wir hatten das Canyon of the Ancients National Monument als nächstes Etappenziel ausgewählt. Unser Kartenmaterial war etwas ungenau, aber wer braucht schon altmodische Karten auf Papier wenn man GPS hat? Ich tippte also "Canyon of the Ancients" in's GPS und bekam auch gleich das gewünschte Suchergebnis. Den Canyon als neues Ziel bestätigt, ging's los unter Führung des GPS...

Und das GPS führte uns. Es führte uns über so ziemlich jede County-Road die es in der Umgebung gab (Es gab auch viel Umgebung). Die County Roads wurden zunächst schmäler, dann Schotterstrassen, dann Feldwege und schliesslich fuhren wir ohne Weg über ein Feld. Aber das GPS war sich seiner Sache sicher und wir fanden's lustig. Dass wir nicht auf dem richtigen Weg sein konnten, war schon länger offensichtlich geworden. Aber wir waren gespannt, wo uns das Ding noch hinführen würde...







Ein paar hundert Meter nach dem Ort an das letzte Photo aufgenommen wurde, endeten die Fahrzeugspuren und der ohnehin nur schwer erkennbare Trail führte steil in einen Canyon hinunter. Es gab kein Anzeichen dafür, dass wir hier in einem vom NPS betreuten Park gewesen wären - zumindest nicht in einem Teil davon, der für Touristen halbwegs einfach zugänglich sein sollte. Da's wieder einmal schon gegen Sonnenuntergang ging und wir den ziemlich überwucherten Trail nicht weiter erkunden wollten, traten wir den Rückzug. Ich gab dem GPS noch eine Chance und fand heraus, dass es noch eine zweite Destination mit dem Titel "Canyon of the Ancients" gab. Wir waren sowieso nicht allzu sicher, wo wir gerade genau waren. Also folgten wir noch einmal dem GPS.
Diesmal führte es uns den ganzen Weg zurück über die diversen County-Roads zurück zum Highway und schliesslich sahen wir sogar ein hochoffizielles NPS-Schild "Canyon of the Ancients National Monument". :thumbsup: Wir folgten der Beschilderung zu den "Lowry Pueblo Ruins". Inzwischen war es bereits dunkel geworden, aber das machte die Ruinen im Schein unserer Taschenlampen noch interessanter - und ein bisschen unheimlich :zwinker: .







Das war's dann auch schon für den Canyon und die Ancients. Wir hatten wieder einmal Hunger und wollten auch ein Quartier für die Nacht finden. Die Papierkarte und das GPS waren sich eitestgehend darüber einig, dass Cortez die nächste grössere Stadt war und somit machten wir uns auf den Weg dorthin. Unterwegs begann es wieder zu regnen und da wir nicht lange herumfragen wollten, welches Hotel Pet-Friendly sein würde, steuerten wir direkt das lokale Super 8 an und checkten für irgendwas um die $70 in ein durchaus nettes Zimmer ein. Ich erinnere mich nicht mehr genau ob und ggf. was wir dann noch zum Abendessen aufgetrieben haben, also kann's nicht herausragend gut oder schlecht gewesen sein. Jedenfalls hatten wir ein trockenes Zimmer und ein weiches Bett für den Rest der Nacht.

onkelstony

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Freitag, 19. August 2016, 08:33

Mann, Du gibst ja Gas.... so schnell kann ich fast nicht mitlesen... :D

Gibt's eigentlich nur Fotos von der Mrs und dem Hund? Keine von Dir?
- Viktor

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Freitag, 19. August 2016, 08:56

Lässt sich wirklich gut lesen...sind auch mit dabei :thumbsup:

Uli

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Freitag, 19. August 2016, 09:01

Ich bin überzeugt, dass es auch Fotos vom Mr. gibt, Mrs. knipst ja auch, er veröffentlicht sie nur nicht.
Was mich wundert ist, warum die Dienstwaffe mit in Urlaub fährt...
Grüßle, Uli
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Freitag, 19. August 2016, 09:43

Die Photos welche die Mrs. aufgenommen hat, habe ich selbst noch nicht gesehen. Sie hat noch nicht einmal die SD-Karte aus der Camera genommen, da sie seit unserer Rückkehr praktisch durchgearbeitet hat. Ich hatte gerade drei Tage frei und somit genug Zeit, um den Ausflugsbericht zu beginnen. Sobald ich die restlichen Photos gesehen und welche von mir für erträglich befunden habe, stelle ich gerne welche ein.

Die Dienstwaffe ist immer dabei. Ausserdem: Ich übernachte doch nicht mitten im Wald und dazu noch vielleicht zwischen hungrigen Bären und irgendwelchen ominösen Kult-Anhängern, ohne ggf. meine Familie und mich entsprechend beschützen zu können. :zwinker:

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Freitag, 19. August 2016, 09:44

Die Dienstwaffe ist immer dabei. Ausserdem: Ich übernachte doch nicht mitten im Wald und dazu noch vielleicht zwischen hungrigen Bären und irgendwelchen ominösen Kult-Anhängern, ohne ggf. meine Familie und mich entsprechend beschützen zu können. :zwinker:

Ganz zu schweigen von den Franzosen.... (:fluecht:)
- Viktor

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Freitag, 19. August 2016, 09:53

Meine Güte, da ist man mal ein paar Tage kaum online und du rasselst hier den kompletten Urlaub runter ... :D

Zitat

Ich starrte auch und draussen starrte ein Reh auf uns. Das beruhigte mich wieder, denn vielleicht war es ja in der Nacht zuvor schon da gewesen, um's Auto geschlichen und dabei gestolpert.
... und dann auch "Damn" dabei geflucht! Genial :8o:
.
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Freitag, 19. August 2016, 11:12

Tag 8:
(oder 7)

Da wir am Vorabend, bzw. in der Vor-Nacht spät in's Hotel gekommen waren, standen wir auch wieder spät auf. Der Parkplatz des Super 8 Cortez war schon weitestgehend leer und die meisten Gäste bereits abgereist. Das Frühstücksbuffet war nicht überwältigend, aber soweit ganz ok. Es gab immerhin Rührei und diverses Toastbrot, Waffeln, Yoghurt, etc. Damit konnten wir schon etwas - zBsp. den Tag - anfangen. Nachdem wir gar nicht viel aus dem Auto ausgeräumt hatten, mussten wir auch nicht wieder viel einräumen und so ging's dann doch noch halbwegs zügig wieder auf die Strasse. Das Wetter war immer noch nass und der Himmel dicht mit Wolken verhangen.



Das erste Tagesziel war der Mesa Verde National Park. Dieser Park war auch etwas Neues für uns beide. Wir waren gleich einmal vom Visitor-Center und dem trotz des bescheidenen Wetters grossen Besucherandrangs beeindruckt. Wir kauften einen Kühlschrank-Magneten, ein T-Shirt für die Mrs. und einen schneidigen Ranger-Hut für mich. Dann ging's auf in den Park und die Serpentinen hinauf auf die Mesa. Anfangs gab's von der grossartigen Aussicht nicht viel zu sehen, da wir uns exakt auf der Höhe befanden, die sich auch die Wolken für ihren Parkbesuch ausgesucht hatten. Aber so nach und nach verzogen sich die Wolken und es gab sogar etwas blauen Himmel und doch noch Aussicht zu sehen.







Irgendwie schien der NPS vom Mesa Verde eine gewisse Obsession mit Wildfeuern zu haben. Zumindest hatte man überall Hinweisschilder aufgestellt, wann's wo, warum und wie lange gebrannt hatte. Neben dem Visitor-Center, abgebrannten Baumstümpfen, Wolken und ein paar Anasazi-Ruinen fanden wir uns nichts wirklich Aufregendes im Mesa Verde NP. Wahrscheinlich hatten wir uns nur nicht genau genug umgesehen. Aber da Gracie wieder einmal von allen Wanderwegen verbannt war, beschlossen wir den Besuch zeitlich eher kompakt zu halten und unser nächstes Ziel, das Four Corners Monument anzusteuern.

Auf dem Weg zum Four Corners verfolgten uns wieder zunehmend Gewitter und Regen. Wir erreichten das Monument gerade noch rechtzeitig vor dem Eintreffen von drei Gewittern. Da Gracie auch hier nicht willkommen war, machte ich nur rasch das notwendige Beweisphoto und ging dann wieder zum Auto zurück, um die Mrs. beim Babysitten abzulösen. Die hatte aber inzwischen Hunger bekommen und wollte unbedingt eine der authentischen indianischen Köstlichkeiten ausprobieren, welche an den Ständen am Monument angeboten wurden. In einem vertrauenserweckend und sehr hygienisch aussehenden Kiosk orderten wir 2x die originalen Navajo Hot Dogs mit Fry-Bread zum Preis eines dreigängigen Menüs bei Chili's oder Applebee's.









Nachdem wir uns derartig authentisch auf Navajo-Art gestärkt hatten, pirschte sich meine Frau durch dem mittlerweile eingesetzt habenden Regen und trotz Blitz und Donner bis an's Monument heran und machte dort auch noch ein Beweisphoto. Dann begann es richtig zu regnen...



Die Fahrt durch die Navajo Nation wurde so durchaus interessant und kurzweilig, obwohl wir nicht viel Landschaft zu sehen bekamen. Wir sahen auch nicht viel von der Strasse oder von sonstwas. ausser Blitze und Regen. Immerhin war für uns nun eindeutig bewiesen, dass die ganze Geschichte von wegen Dürre im Westen und so eindeutig eine fiese Erfindung und sowieso nur eine Verschwörung des Weltklimarates und der Ostküste ist. Es war auch offensichtlich, dass die Eingeborenen an solche Wetterverhältnisse bestens gewöhnt waren. Zumindest fuhren die trotz des Wetters nicht langsamer. Aber vielleicht kannten sie die Gegend einfach zu gut und Kurven gibt's dort ja auch nicht allzu viele.
Wir waren auch eher im Blindflug unterwegs, aber das GPS navigierte uns diesmal zuverlässig durch alle Tiefen und Untiefen, sodass wir zum anzunehmenden Zeitpunkt des Einbrechens der Dunkelheit (wir konnten es nur annehmen, da es schon seit dem frühen Nachmittag dunkel gewesen war) die Metropole Chinle erreichten, das Tor zum Canyon De Chelly National Monument.

Wir hielten am Best Western, mussten aber feststellen dass dort Hunde unerwünscht waren (obwohl auf dem Parkplatz mehrere Hunde herumliefen). Die Dame an der Rezeption meinte sogar, dass sie überhaupt nur ein Hotel kennen würde, wo man Hunde nicht einfach wie irgendwelche Tiere behandeln würde. Dieses Hotel war die Thunderbird Lodge im Park. "Lodge" in Verbindung mit "Im Park" übersetzt sich meist mit einer dreistelligen Summe für's Zimmer. Aber das war uns egal und wir fuhren direkt weiter zur Lodge.
Dort wurden wir in vieler Hinsicht angenehm überrascht. Erstens war das gesamte Ambiente der Anlage sehr hübsch, das Zimmer wirklich nett (rustikal eingerichtet und mit Microwelle, Kühlschrank und Kaffeemaschine) und der Preis dafür lag deutlich unter $100,-. Ausserdem gab's noch ein Restaurant und ein Souvenirs-Shop mit Kühlschrank-Magneten.

Abgesehen von dem Hühnerknochen, den Gracie unter einem der Betten aufstöberte, gab's absolut nichts zu meckern. Aber da wir schon zu müde waren um noch ausgiebig über den Hühnerknochen zu meckern, gingen wir erst einmal schlafen...