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Otto

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Sonntag, 1. November 2020, 22:42

Sie konnte Donald Trump nicht entkommen

Angelika Kausche ist die erste deutsche Abgeordnete im Repräsentantenhaus in Georgia. Mit Donald Trump wollte sie dabei nichts zu tun haben – eigentlich.

Zitat

Johns Creek in Georgia liegt rund 1.000 Kilometer oder 10 Autostunden entfernt von Washington, D.C. Hier, im erweiterten Speckgürtel der Metropole Atlanta, wohnt seit 2015 die 58-jährige Angelika Kausche mit ihrer Familie. Sie stammt aus Wuppertal und ist wegen der Karriere ihres Mannes vor 23 Jahren in die USA gekommen. Vor zwei Jahren, 2018, wurde Kausche, die hier alle Angelika nennen, für die Demokraten die erste aus Deutschland stammende Abgeordnete im Repräsentantenhaus des Staates Georgia. Kausches Weg in die Politik, ihre Erfahrungen als Abgeordnete und ihr jetziger Wahlkampf für den Wiedereinzug – sie zeigen, wie die Präsidentschaft von Donald Trump und die Polarisierung der Politik auch im politisch Kleinen, im Lokalen, alles in ihren Bann zieht.
Es begann in der Wahlnacht im November 2016. Angelika Kausche saß mit ihrem Mann vor dem Fernseher, sah Trump gewinnen und wusste, dass sie etwas tun musste. "Wir sind 2011 US-Bürger geworden, als Barack Obama Präsident war. Wir dachten: Das geht hier jetzt in die richtige Richtung. Und dann ging es 2016 plötzlich wieder rückwärts."

Mit 65.000 Menschen im Regen
Also, was dagegen tun? Am 20. Januar 2017, dem Tag der Amtseinführung Trumps, fuhr Kausche mit einer Freundin nach Atlanta zum dortigen Women's March, den Protestzügen, mit denen hauptsächlich Frauen im ganzen Land gegen den neuen Präsidenten demonstrierten. Es regnete in Atlanta, und Kausche dachte: Da kommt doch sowieso keiner. Aber dann kamen 65.000 Menschen. "Das war eine beeindruckende Erfahrung, all diese Leute wollten etwas ändern", erinnert sich Kausche.
An jenem Tag in Atlanta spürte sie, dass eine Bewegung entstand und dass sie dabei sein wollte. Kausche vernetzte sich mit anderen Frauen aus ihrer Gegend per Facebook und engagierte sich im Wahlkampf eines demokratischen Senatskandidaten. Der verlor, aber Kausche war auf den Geschmack gekommen. Als die Demokraten kurz darauf keinen Kandidaten für Kausches als sicheren republikanisch geltenden Heimatwahlkreis für das Repräsentantenhaus finden konnten, wagte sie es. Und wurde überraschend und mit knapper Mehrheit gewählt. "Das habe ich mir wirklich vorher nicht vorstellen können und es war ja auch nicht in meinem Lebenslauf drin", so Kausche. In Deutschland, glaubt sie, wäre eine vergleichbare politische Blitzkarriere kaum möglich gewesen.

Für Bildung und Krankenversicherung
Mit Trump wollte Kausche als Neu-Abgeordnete nichts zu tun haben. Möglichst konkret und vor Ort das Leben der Menschen verbessern – das erschien ihr die beste Antwort. Zwei Themen lagen ihr besonders am Herzen: die ungleichen Bildungschancen für Kinder in Georgia zu verbessern und mehr Menschen Zugang zu einer guten und bezahlbaren Krankenversicherung zu ermöglichen. Die Dauer-Eskapaden Donald Trumps und das politische Chaos im fernen Washington wollte Kausche so gut es geht ignorieren. Das war der Plan. Doch es kam anders, wie Kausche schnell herausfinden sollte.
Als Parlamentsneuling der Oppositionspartei kam Kausche nicht in die gewünschten Fachausschüsse, in denen sie ihr Interesse für Kinder und Gesundheit einbringen konnte. Zudem sind Demokraten generell in weniger Ausschüssen vertreten als die das Repräsentantenhaus kontrollierenden Republikaner. "Die Republikaner sind in der Regel in fünf oder sechs Ausschüssen, ich bin nur in drei Ausschüssen – und einer davon ist ein Ausschuss, der nicht aktiv ist. Da packen sie all die Demokraten rein, damit die keinen Unsinn anstellen können," erklärt Kausche.
Was dann passierte, sorgte bei der frisch gewählten Abgeordneten endgültig für Ernüchterung. Die Demokraten in Atlanta sahen sich kurz nach Beginn der Legislaturperiode mit einem offenbar national koordinierten Angriff der Republikaner auf das Abtreibungsrecht konfrontiert.
Diese brachten einen Gesetzentwurf ein, der das ohnehin schon strenge Abtreibungsrecht Georgias drastisch verschärfen sollte. Die sogenannte Heartbeat Bill verbietet Schwangerschaftsabbrüche ab der sechsten Woche und lässt nur sehr wenige Ausnahmen zu.

Die größte Niederlage
Kausche selbst versuchte gemeinsam mit anderen Demokraten in Gesprächen noch genügend Republikaner umzustimmen, um das Gesetz zum Scheitern zu bringen, doch letztlich fehlten zwei Stimmen. Die Heartbeat Bill wurde Ende März 2019 mit knapper Mehrheit verabschiedet und vom republikanischen Gouverneur unterzeichnet. Zwar wurde es kurz nach Verabschiedung gerichtlich für nicht verfassungsgemäß befunden und bis zur endgültigen juristischen Klärung ausgesetzt. Aber genau das war der republikanische Plan. Sie hatten ähnliche Gesetze in anderen Staaten eingebracht mit dem Ziel, dass eines vor dem Verfassungsgericht landen und das unter Trump deutlich nach rechts gerückte Richtergremium dann das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche aufheben würde.
"Es könnte das Gesetz aus Georgia sein, das schließlich vor den Supreme Court kommt", so Kausche. "Weil wir es vorher nicht geschafft haben, das auf lokaler Ebene abzuwehren." Die Niederlage war für Kausche und die Demokraten auch deshalb schmerzhaft, weil Georgias Repräsentantenhaus ein Teilzeitparlament ist, dass pro Jahr nur drei Monate von Anfang Januar bis Anfang April zusammentritt. Der verlorene Kampf um das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche dominierte daher die kurze Legislaturperiode.

Ihr Gesetzentwurf kommt nicht weit
Kausches Amt ist nicht mit der Macht und der Ausstattung der deutschen Landtagsabgeordneten zu vergleichen. Sie teilte sich mit sechs Abgeordneten eine Schreibkraft und musste mit 7.000 Dollar für alle weiteren Ausgaben der Legislaturperiode auskommen. Wer mehr bewegen will, braucht Geld, und muss entweder seine Zeit mit dem Einwerben von Spenden verbringen oder auf die persönliche Aufwandsentschädigung von 17.000 Dollar im Jahr zurückgreifen. Was Kausche auch lernte: Ihre früheren "hehren Ziele", wie sie es heute nennt, das Leben der Menschen vor Ort verbessern – die seien als Abgeordnete der Minderheitspartei schlicht nicht durchsetzbar. "Unsere Hauptaufgabe in der Opposition ist, dafür zu kämpfen, das schlechte Gesetze nicht durchkommen", sagt Kausche.
Sie hat beispielsweise einen Gesetzentwurf eingebracht, der auf den Schulhöfen des Staates das Rauchen der schon bei Jugendlichen beliebten E-Zigaretten eingeschränkt hätte. Aber weil sie keinen Partner auf republikanischer Seite hatte, kam sie nicht weit. "Auch eine Erfahrung, die ich machen musste", sagt Kausche. "Da habe ich auch sehr viel gelernt, was ich verbessern kann."
Mittlerweile ist sowieso alles von Corona überschattet – und damit erneut von den Folgen der Politik des Präsidenten im fernen Washington. Regiert von einem Gouverneur, der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus wie sein Vorbild in Washington häufig ablehnte, abschwächte oder verschleppte, wurde Georgia bald zu einem Covid-Hotspot. Bis heute sind in dem Bundesstaat mit seinen rund 10 Millionen Einwohnern mehr als 7.500 Menschen an dem Virus gestorben. Zum Vergleich: Deutschland mit rund 83 Millionen Einwohnern verzeichnete bislang rund 10.000 Corona-Todesfälle. Auch Kausche und ihr Mann erkrankten im Frühjahr an Covid-19, ihr Mann leidet bis heute an Spätfolgen.

Haustürwahlkampf ist abgesagt
Inmitten der Coronavirus-Krise führt Kausche nun den Kampf um ihre Wiederwahl, die zeitgleich mit der Präsidentschafts- und Kongresswahl stattfindet. "Der Wahlkampf ist natürlich total anders", sagt Kausche. "Wir haben diesen Bezirk 2018 gewonnen, in dem wir von Tür zu Tür gegangen sind, an über 15.000 Türen geklopft haben, mit Leuten gesprochen haben. Das ist jetzt durch Covid absolut zusammengebrochen." Kausche macht auch deshalb keinen Haustürwahlkampf mehr, weil es in der Pandemie "einfach das falsche Signal setzen würde". Ihr und ihren Helfern bleiben nur Telefon und SMS, Zoom und Flyer. Der republikanische Gegner übrigens zieht weiter von Tür zu Tür.
So sehr Kausche unter den Folgen der Trump'schen Politik und des republikanischen Politikstils leidet – sie profitiert auch vom Widerstand gegen ihn und seine Mitstreiter. Die Demokraten sind laut Umfragen sowohl in ihrem Wahlkreis als auch in ganz Georgia im Aufwind. Vielleicht könnte ihr Präsidentschaftskandidat Joe Biden diesmal sogar den Staat gewinnen. Es wäre das erste Mal seit 1992.
Mit den republikanischen Abgeordneten in Atlanta hat Kausche sich trotz der gemeinsamen zwei Jahre nicht viel zu sagen. "Die leben in einer eigenen Welt – und das sagen die von uns auch." Das ist der Hauptgrund dafür, dass die Deutsche, die jetzt Politikerin in den USA ist, skeptisch in die Zukunft schaut. Selbst wenn sie ihren Wahlkreis gewinnen sollte und selbst wenn Joe Biden die Präsidentschaftswahl in wenigen Tagen gewinnt: "Es wird Jahre dauern das Land wieder zusammenzuführen", sagt Kausche. "Jahre, wenn überhaupt."

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Sonntag, 3. Januar 2021, 23:13

Rottweiler „Völkerwanderung“ in die USA

Zitat

Ungebremst von den Corona-Wirren hat der frühere Stadtarchivar Dr. Winfried Hecht 2020 wieder wichtige Beiträge zur Rottweiler Stadtgeschichte veröffentlicht. Allein im letzten Quartal kamen zwei Schriften zu Zünften sowie eine zum Thema Auswanderung hinzu.

Ab Mitte der 1840er Jahre wurde Auswanderung in die USA zu einem Massenphänomen – zeitweise stellten die Deutschen die Spitzengruppe der Neuankömmlinge. Auch Rottweiler zog es, wie Hecht gewohnt kundig zeigt, dorthin – weit mehr als etwa in die Schweiz oder nach Südamerika. 644 der registrierten 810 Auswanderer aus der Stadt zwischen 1803 und 1914 suchten in den Vereinigten Staaten eine bessere Zukunft. Viele weitere tauchten nie in einer Statistik auf.
1854 war in der „Rottweiler Chronik“ von einer regelrechten „Völkerwanderung“ die Rede, als an die 40 meist junge Leute „den Wanderstab nach Amerika ergriffen“. Binnen weniger Jahre zog es acht Prozent der Stadtbevölkerung in die Ferne, wobei die Zahlen auch im Bezirk Rottweil hoch waren. Meist gingen Landwirte und Handwerker.
Treiber waren wirtschaftliche Not, die gescheiterte Revolution 1848/49, aber auch Werbung. So zeigt Hecht, dass der Neukircher Bäcker und Bierbrauer Bernhard Mager 1839 in die USA reiste und nach seiner Rückkehr 1845 als „Kreuz“-Wirt Anzeigen für Überfahrten schaltete. Später boten regelrechte Agenturen ihre Dienste an, etwa die im „Goldenen Becher“ ansässige Agentur A. Bernheim.
Hecht schildert viel Interessantes über die Überfahrt, das Heimweh und die Lebensverhältnisse der Ankömmlinge. Nicht allen erging es gut, aber viele konnten sich mit Fleiß und Glück eine Existenz aufbauen, wobei ein deutsch geprägtes Vereinsleben half, Heimweh zu verarbeiten.
Als spätes Beispiel nennt Hecht Victor Balluff (1905-1986), der in Chicago und Detroit schwäbische Männerchöre leitete und es 1974 zum „German-American oft the Year“ brachte. Andere kehrten sogar in die schwäbische Heimat zurück, etwa der Tapeziermeister Otto Wolf (1869-1951), der 1919 den Text zum Narrenmarsch verfasste.
Mit großem Gewinn zu lesen sind neben der Schrift zur Auswanderung auch zwei Darstellungen zur Geschichte von Rottweiler Zünften, denen Winfried Hecht einer nach der anderen ihre stolze Vergangenheit ins Stammbuch schreibt. Bei den Rottweiler Malern kann er etwa auf den um 1400 geborenen Konrad Witz verweisen – womit bereits die ganze Spanne bis zu künstlerischer Meisterschaft aufgezeigt ist.
An den Malern kann Hecht zudem zeigen, wie 1905/1906 eine Neugründung gelang und sich immer wieder Traditionsbewusstsein und neue Impulse günstig verbinden – so etwa durch eine zeitgenössische Zunftfahne aus der Hand von Tobias Kammerer oder die Öffnung der Zunft für Frauen.
Ein Gegenbeispiel bietet die Tucherzunft, die im 19. Jahrhundert erlosch und nicht neu belebt wurde. Aber auch aus ihrer Geschichte erfährt man viel Wissenswertes über die wechselvolle Rottweiler Historie.
Info: Alle drei neueren Schriften von Winfried Hecht sind im Buchhandel erhältlich.

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Dienstag, 23. März 2021, 21:24

Auf dem Weg in die Freiheit

Von Bad Urach bis nach Amerika: Die heutigen Nachfahren des Apothekers Edmund Märklin sind New Yorker. Den Grundstein für ihre Existenz legte Märklin vor 170 Jahren mit seinem beachtlichen Mut.

Zitat

Einer der über 150 000 Württemberger, die zwischen 1846 und 1855 ihre Heimat verlassen haben, ist der Uracher Apotheker Edmund Märklin, ein Sohn des Uracher Oberamtsrichters Ernst Friedrich Märklin. Während die meisten Auswanderer der Armut und der Not entflohen, kehrte er aus politischen Gründen seiner Heimat den Rücken. Die „Neue Welt“, Amerika, war sein Ziel.

Edmund Märklin kämpfte während der bürgerlichen Revolution der Jahre 1848 und 1849 für demokratische Reformen. So beteiligte er sich auch am badischen Aufstand. Als dieser scheiterte, wurde er zusammen mit anderen des Hochverrats angeklagt. Seiner Festnahme entzog er sich durch die Flucht in die Schweiz, aus der er allerdings schon bald wieder ausgewiesen wurde. Als er nach Württemberg zurückkehrte, wurde er umgehend festgenommen und auf der Festung Hohenasperg 18 Monate lang interniert. Letztlich sprach ihn aber das Ludwigsburger Schwurgericht vom Vorwurf des Hochverrats, des Aufruhrs sowie der Beleidigung von Staat und Kirche frei.
Nachdem die bürgerliche Revolution endgültig gescheitert war und sich dadurch die politischen Verhältnisse im Königreich Württemberg nicht änderten, beschloss Edmund Märklin entmutigt, seine Heimat für immer zu verlassen.

Strapazen des Auswanderns
Die Erlebnisse auf der Schiffsreise in seine neue Heimat Nordamerika schilderte er seinen „Freunden in Urach und der Umgebung“ in einem ausführlichen Brief vom 16. November 1852. Die ausführliche und aufschlussreiche Reiseschilderung vermittelt heutigen Lesern einen Eindruck der Strapazen einer Atlantiküberquerung mit einem Auswanderer-Segelschiff.
Märklin buchte bei dem von der württembergischen Regierung zur Beförderung von Auswanderern nach Nord- und Südamerika autorisierten Agenten Müller in Stuttgart eine Überfahrt. Die Reise erlebte er auf einem „schnellsegelnden, gekupferten, großen dreimastigen Segelschiff erster Klasse mit hohen und luftigen Zwischendecks“, das von einem deutschen Kapitän geführt wurde.
Dieses Schiff sollte am 15. September 1852 in Bremerhaven, dem damals größten Auswandererhafen Kontinentaleuropas, Richtung New York in See stechen. Tatsächlich legte es erst vier Tage später ab.
Edmund Märklin hatte damit Gelegenheit, das im Hafen liegende Segelschiff – die rund 40 Meter lange und 10 Meter breite Bark „Admiral Brommy“ – die ihn in seine neue Heimat bringen sollte, ausführlich zu betrachten. Als er das von ihm gebuchte enge Zwischendeck sah, entschloss er sich spontan um einen Aufpreis von 20 Gulden eine Kajüte zu buchen, „was ihn auch nie reute“.
In der Frühe des 20. September 1852, einem Montag, begann die Reise. Aber schon am zweiten Tag geriet die „Admiral Brommy“ zwischen den Inseln Wangerooge und Helgoland in eine Flaute und musste wie viele andere Amerikafahrer auch vor Anker gehen.
Als endlich nach vier Tagen wieder Wind aufkam, erklärte der Kapitän seinen erstaunten Passagieren, dass er bei der vorgerückten Jahreszeit, wo Weststürme die Fahrt oft unmöglich und gefährlich machen würden, nie und nimmer durch den englisch-französischen Kanal, den Ärmelkanal, fahren würde. Er werde sein Schiff quer durch die Nordsee zwischen England und Jütland, Norwegen und Schottland, die Färöer-Inseln und Island steuern.
Bald kam ein Sturm auf, der zwei Tage andauerte. „Die Wellen waren am Anfang bloß ein Stockwerk hoch“, berichtet Märklin, und weiter „nach zehn Stunden aber schon in Häuserhöhe und überragten am zweiten Tag fast den Mittelmast“. Insbesondere im Zwischendeck gab es nun immer mehr Seekranke. Da Märklin verschont blieb, konnte er sich dort als „Schiffsdoktor“ betätigen, wo „275 Passagiere zusammengepresst waren, wo es stank, dass einem Hören und Sehen verging und Blechgeschirr, Kisten, Passagiere bunt durcheinander rumpelten“, so Märklin.
Nach einigen Tagen legte sich der Sturm. Die „Admiral Brommy“ befand sich nun zwischen Norwegen und den schottischen Shetlandinseln. Mit dichterischer Ausdruckskraft berichtet Märklin: „Die Kälte wurde nun empfindlich. Von Seeungeheuern bekamen wir bloß einen harmlosen Seehund zu sehen, während ein Sonnenuntergang in der Nähe der Färöer-Inseln das prachtvollste war, was ich je von einem Naturschauspiel gesehen. Am meisten Genuss verschaffte mir aber, wenn das Schiff pfeilschnell und ruhig dahinschoß, nachts der Anblick des Meeres, wo Millionen leuchtender Sternchen im Schaum umhertanzten. Auch der Mond nimmt sich famos aus; nicht sentimental wie in Deutschland, sondern klar, bestimmt groß, wie eine emanzipierte Bürgerin der vereinigten nordamerikanischen Staaten.“
Während die „Admiral Brommy“ nun den Atlantik durchpflügte, vertrieb sich Märklin zusammen mit anderen Kajütenpassagieren die Zeit mit „edlem Gaigel nebst herrlichem Wein“. Aber dann, am 10. Oktober, zog erneut ein großer Sturm auf. „Eine starke Sturzwelle hatte auf dem Oberdeck etliche Seitenbretter eingeschlagen und das dadurch hereinströmende Wasser sich in die offengebliebenen Türen des Zwischendecks gemacht und dort etliche vorn liegende Passagiere begossen. Der Stoß, den das Schiff erlitt, war ein grässlicher. Unterdessen gab es immer mehr Kranke“. So schilderte Märklin die Situation, in der letztlich „der Schrecken größer als die Gefahr war“.
Nun musste Edmund Märklin wieder als „Schiffsdoktor“ Verletzte und Kranke im Zwischendeck behandeln. Er erzählt: „Eine leichte Geburt bildete ebenfalls den Gegenstand meiner schiffsärztlichen Praxis, wo jedoch die Natur und des Schiffes lebhaftes Schwanken zum exzellenten Ausgang mehr beitrug als meine Wenigkeit, der dieser Fall noch ein ganz neuer war“.
Endlich kam am Nachmittag des 29. Oktober, dem vierzigsten Tag nach dem Ablegen in Bremerhaven, Land in Sicht. „Welche Freude, welcher Jubel!“ berichtet Märklin. „Schöne blaue Berge und nachts Leuchttürme und endlich der Anblick von Staten Island und Long Island, wo Quarantäne gehalten wurde“.
Am Morgen des 30. Oktober landete die „Admiral Brommy“ sicher im Hafen von New York. Die Überfahrt dauerte damit rund eine Woche länger als üblich, weil der Kapitän sich entschieden hatte, sein Schiff statt durch den stürmischen Ärmelkanal auf einer längeren, aber sichereren, ruhigeren Route zu steuern. Diese Entscheidung sollte sich als richtig erweisen, schreibt Märklin, denn „am zweiten Tag nach unserem Aufenthalt brachte der Dampfer „Washington“ die Nachricht, dass die mit uns ausgelaufenen Schiffe erst Mitte Oktober die englische Küste verlassen konnten und zwar zum Teil mit Verlusten von Segeln und Masten, weil im Kanal Contrestürme wüteten“.

Von der Apotheke zum Zigarettengeschäft
Edmund Märklin beschließt seinen Reisebericht mit den Worten: „Nachdem die Seestürme nun hinter mir sind, sehe ich unerschrockenen Auges den Stürmen zu Land entgegen, denen ein neugebackener, allbereits vielseitig getäuschter Reisender in der Neuen Welt, der sich erst eine Existenz zu gründen hat, ausgesetzt ist“.
Märklin blieb zunächst in New York und arbeitete dort als Apothekergehilfe. Aber schon fünf Monate später verzog er nach Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin, wo er vorübergehend ein Zigarrengeschäft betrieb. Schnell engagierte er sich im vereins- und politischen Leben dieser von deutschen Auswanderern geprägten Stadt. Auch schrieb er sowohl satirische als auch humoristische Beiträge sowie Gedichte für die in der Stadt erscheinenden „freisinnigen und radikalen“ deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften. Ende des Jahres 1858 heiratete er.

Kriegsjahre
Am Sezessionskrieg nahm er als Feldapotheker und Assistenzarzt teil. Nach Kriegsende gründete er in Manitowoc/Wiskonsin eine Apotheke, die er bis 1887 betrieb. Verstärkt war er nun schriftstellerisch tätig und veröffentlichte mehrere Gedichtbände, die „allgemein großen Anklang finden und von des Dichters tiefem Gemüt zeugen“.
Ab 1889 lebte Edmund Märklin bei seinem Sohn in New York. Seinen ersten Eindruck von New York schildert Edmund Märklin im Überschwang seiner Gefühle: „Famos! Zwölftausend Schiffe von allen Nationen vor Anker und in den Docks! Eine ungeheure Stadt, wo die Vorstadt Brooklyn so groß ist wie Nürnberg. Straßen, wo Palast an Palast steht und darinnen Yankees, Engländer, Spanier, Indianer, Neger, Irländer und Deutsche, sogar Chinesen. Tausende von Omnibussen fahren hin und her, ebenso die Lokomotiven der Eisenbahnen und auf dem Hudson Hunderte von Dampfern, die dich von einer Vorstadt in die andere als nach Albany, Hoboken usw. bringen. Ungeheurer Verkehr. Nachts eine feenhafte Gasbeleuchtung auf dem Broadway oder Bowery, wo ein kostbar ausgestatteter Kaufladen um den anderen steht.“

Am 20. Februar 1892 starb Edmund Märklin in Chicago.

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Freitag, 26. März 2021, 22:05

Ein Auswanderer wider Willen

Zitat

Der Altenplathower Gottfried Friedrich Huch wird 1850 ungeplant zum US-Bürger. Ein Stück Genthiner Stadtgeschichte.

Die Lebensgeschichte des Gottfried Friedrich Huch ist so aufwühlend, wie die Verfilmung eines Auswandererromans des 19. Jahrhunderts. Dabei hatte der Familienvater ein Leben in der neuen Welt nicht im Sinn. Dieses Leben passierte ihm sozusagen - aufgrund von tragischen Umständen. Aber von vorn: Huch wird am 9. Dezember 1794 in Pfitzdorf im heutigen Salzlandkreis geboren.
Als sich in Altenplathow die Pieschelschen Industriebetriebe gründen, kommt Huch aus beruflichen Gründen in den aufstrebenden Ort. Er macht Karriere und wird Maschinenmeister in der Zichorienfabrik und Bleischrotgießerei des Magdeburger Kaufmanns Carl Pieschel. Gisela Dirac-Wahrenburg, die Ur-Ur-Ur-Enkelin Huchs hat die Geschichte ihres Ahnen umfangreich aufgearbeitet und schreibt auf einer eigens dafür eingerichteten Internetseite: „Offensichtlich hatte Gottfried dort eine angesehene, gut bezahlte Arbeit, die ihm einige Privilegien erlaubten.“

Zwei Kinder wandern nach Amerika aus
Friedrich Huch ist eine gute Partie. Er lernt die zwei Jahre ältere Johanna Falke kennen. Am 22. Oktober 1820 wird geheiratet. Das Paar bekommt drei Kinder. Auguste (1821), Friedrich (1824) und Luise Huch (*1826). Alle drei Kinder wandern nach und nach in die Vereinigten Staaten aus. Übersee übt zu dieser Zeit gerade auf junge Menschen eine große Faszination aus. Versprechen die USA doch Freiheit und wirtschaftliche Möglichkeiten ungeahnten Ausmaßes. Nach der gescheiterten Revolution von 1848/49 sind auch viele politisch Enttäuschte unter den Menschen, die den reaktionären Verhältnissen in Deutschland den Rücken kehren.
„Nur Gottfrieds Frau Johanna sowie Augustes ältester Sohn Wilhelm Wahrenburg (mein Ur-Großvater) blieben in Deutschland“, beschreibt es Gisela Dirac-Wahrenburg. Doch dann nimmt Gottfried Huchs Leben eine dramatische Wendung. Was der Anlass für seinen Entschluss gewesen ist, ob vielleicht auch ihn so etwas wie Abenteuerlust gepackt hat, nachdem seine Kinder sicher in der neuen Welt angekommen waren, man kann es nicht sagen. Aber im Jahr 1850, im Alter von 56 Jahren, bricht Gottfried zu einer für damalige Verhältnisse gewagten und sehr langen Reise auf. Er will seine Kinder Friedrich und Luise besuchen, die 1848 und 1849 in die USA ausgewandert sind und in Lafayette, Indiana leben. Ungewöhnlich, denn der Abschied aus Deutschland war Mitte des 19. Jahrhunderts fast immer ein endgültiger Abschied. Johanna Huch bleibt bei ihrer Tochter Auguste Wahrenburg zurück. „Die wochenlange, strapaziöse Reise war ihr vermutlich zu mühsam.“ Und noch ein Grund: Tochter Auguste ist zur Zeit der Abreise ihres Vaters mit ihrem dritten Kind schwanger.

Moderner Dampfer gerät in Seenot
Gottfried Huch wählt die Überfahrt mit dem ersten deutschen Transatlantik-Dampfschiff Helena Sloman. Mitte des 19. Jahrhunderts ist der Dampfer eine hochmoderne technische Errungenschaft. Das Schiff ist fast dreimal schneller als ein Segelschiff, aber die Überfahrt auch doppelt so teuer. „Da der Name Gottfried in Amerika nicht sehr geläufig war, beschloss er, den Namen Fred, Frederick oder Friedrich zu gebrauchen, solange er in den USA weilte“, berichtet Huchs Urahnin. Dennoch fand sie ihren Vorfahren auf der Passagierliste - als „F. Huck, Altenlatow“. Die Helena Slowman verlässt Hamburg am 26. Oktober 1850, legt einen Zwischenstopp in Southampton ein und macht sich am 1. November mit 144 Passagieren und 36 Besatzungsmitgliedern auf den Weg über den Atlantik. Am 19. November gerät das Schiff vor Neufundland in einen schweren Sturm.
Stundenlang hält es den haushohen Wellen stand, bis es am 20. November von einer riesigen Welle seitwärts getroffen und schwer beschädigt wird. Es füllte sich langsam mit Wasser. Während die Passagiere helfen, die Pumpen zu betätigen, versucht die Mannschaft vergeblich, die Schäden zu reparieren. Das verunglückte Schiff treibt manövrierunfähig ab. Fast bis zu einer gefährlichen Sandbank, die als „Friedhof des Atlantiks“ bekannt ist. Doch der Sturm lässt gerade noch rechtzeitig nach. Erst nach acht Tagen in Seenot wird die Helena Slowman endlich vom amerikanischen Packschiff Devonshire entdeckt, das von London nach New York unterwegs ist. Den ganzen Tag sind nun Ruderboote zwischen den beiden Schiffen unterwegs, um Passagiere und Mannschaft des havarierten Schiffes zu bergen. Ein Rettungsboot kentert sogar und acht Personen sterben. Mit den geretteten Passagieren macht sich die Devonshire auf den Weg und erreicht New York am 5. Dezember 1850.

Nur Sterbetag ist bekannt
Gottfried Huch müssen die Tage in Seenot schwer zugesetzt haben. Entgegen seines ursprünglichen Wunsches trat er den Weg zurück in die Heimat nie an. Wahrscheinlich hat er sogar in seinem Leben nie wieder ein Schiff betreten. Seine Ehefrau Johanna lebte noch weitere 17 Jahre in Altenplathow bei der Familie ihrer ältesten Tochter. Gottfried Huch lebte noch 28 Jahre in den USA. Die beiden sahen sich nie wieder.
Der Auswanderer wider Willen wird mit seiner Ankunft in Amerika quasi unsichtbar, berichtet seine Nachfahrin: „Das heißt, dass ich ihn auf offiziellen Papieren wie Volkszählungen, Todesanzeigen, Social Security Index, nirgendwo finden konnte, auch wenn ich sämtliche Varianten seiner Vornamen und etwaige Schreibfehler für seinen Nachnamen in Betracht gezogen habe.“ Fest steht, dass er laut der Aufschrift auf seinem Grabstein im Jahr 1878 in Lafayette, Indiana gestorben ist und dort auf dem Greenbush Cemetery beerdigt wurde. Wahrscheinlich starb der Mann aus Altenplathow als Mitglied einer wohlhabenden deutschen Einwanderfamilie.
Wer die Geschichte der Familien Huch und Wahrenburg nachlesen möchte, hat auf der von Gisela Dirac-Wahrenburg eingerichteten Internetseite „Schicksale.ch“ die Möglichkeit.

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Freitag, 16. April 2021, 20:34

Warum schwarze Sklavinnen und Sklaven Deutsch lernten

In seinem 2012 erschienenen Western „Django Unchained“ lässt Regisseur Quentin Tarantino eine schwarze Sklavin deutsch sprechen. Damit greift er eine nur lückenhaft erforschte Beziehung zwischen deutschen Einwanderern und schwarzen Sklaven und Sklavinnen in den USA auf.

Zitat

Was für ein Plot! Der aus Düsseldorf stammende Zahnarzt Dr. Schultz arbeitet Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA als Kopfgeldjäger. In diesem Zusammenhang lernt er Django kennen, einen entflohenen Sklaven, der seine Frau Brunhilde sucht – auch sie eine Sklavin. Beide vereinbaren einen denkwürdigen Deal: Django hilft Schultz bei der Suche nach drei Verbrechern, im Gegenzug hilft Schultz Django bei der Suche nach seiner Frau. Und die findet er auch relativ schnell auf der Plantage Candyland in Mississippi. Die Dame des Hauses stellt sie ihm vor.

„The Doctor, he speaks German,… speak a little bit German.“
„Es wäre mir ein Vergnügen, mit dir auf Deutsch zu sprechen.“

Dr. Schulz ist begeistert und bittet die junge Sklavin herein – und sie spricht deutsch mit dem unbekannten Besucher.

„Ein gemeinsamer Freund von uns beiden und ich haben einige Mühen auf uns genommen, sind viele Meilen geritten, um Sie zu finden, mein Fräulein.“
„Ich habe keine Freunde.“
„Oh, oh, oh, doch, die haben sie.“

Deutschsprechende Afroamerikaner gab es viele
Mitte des 19. Jahrhunderts spricht eine schwarze Sklavin Deutsch – auf so eine Geschichte muss man erst einmal kommen. Dabei hat Quentin Tarantino in seinem Film „Django Unchained“ – 2012 produziert für Columbia Pictures – einfach nur eine fast vergessene Episode der US-amerikanischen Geschichte aufgegriffen. Deutschsprechende Afroamerikanerinnen und Afroamerikaner gab es während und nach der Sklaverei erstaunlich viele, wie sich dieser im Rahmen einer Studie befragte Texaner erinnert.

„Keine Mexikaner, aber ein paar schwarze Leute, die haben dann Deutsch gelernt, und das war so komisch für uns, ein schwarzer Kerl, dass der Deutsch sprechen konnte.“

Warum lernten schwarze Sklavinnen und Sklaven sowie deren Nachfahren Deutsch? Zunächst einmal, weil es ihnen leichtfiel – so David Hünlich, Migrationsforscher am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache, Mannheim.

Deutschsprechende Afroamerikaner gab es viele
Mitte des 19. Jahrhunderts spricht eine schwarze Sklavin Deutsch – auf so eine Geschichte muss man erst einmal kommen. Dabei hat Quentin Tarantino in seinem Film „Django Unchained“ – 2012 produziert für Columbia Pictures – einfach nur eine fast vergessene Episode der US-amerikanischen Geschichte aufgegriffen. Deutschsprechende Afroamerikanerinnen und Afroamerikaner gab es während und nach der Sklaverei erstaunlich viele, wie sich dieser im Rahmen einer Studie befragte Texaner erinnert.

„Keine Mexikaner, aber ein paar schwarze Leute, die haben dann Deutsch gelernt, und das war so komisch für uns, ein schwarzer Kerl, dass der Deutsch sprechen konnte.“

Warum lernten schwarze Sklavinnen und Sklaven sowie deren Nachfahren Deutsch? Zunächst einmal, weil es ihnen leichtfiel – so David Hünlich, Migrationsforscher am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache, Mannheim.

Deutsche Einwanderer fremdelten mit der Sklaverei
„Es stimmt nicht, dass viele Deutsche Sklaven besaßen, die waren eher dagegen abgeneigt. Manche behaupten, das war nur wegen der Armut. Ich habe das in Bezug zu den Besitzverhältnissen untersucht, und bei jeder Besitzklasse waren Deutsche viel weniger geneigt, Sklaven zu besitzen als Angloamerikaner, sondern auch als die aus den Nordstaaten, selbst irische Einwanderer, also Deutsche waren hintendran.“
Viele Deutsche sind vor Ausbeutung und Unterdrückung nach Amerika geflohen, Freiheit – auch für Schwarze – war für sie ein hohes Gut. Bis ins 20. Jahrhundert lässt sich diese Einstellung nachweisen – das zeigen zum Beispiel Interviews, die der Historiker Walter Kamphoefner mit Afroamerikanern geführt hat.

„Der eine Herr erzählte mir, dass sein Vater so Jahrgang 1918 rum mit deutschen Kindern auf dem Schulweg zusammenlief. Wenn sie zur Schule kamen, trennten sie sich natürlich in Texas, aber so sind sie ziemlich normal miteinander umgegangen.“
Außerdem bedeutete Zweisprachigkeit für afroamerikanische Kinder immer auch einen gewissen Schutz.

„Da haben wir zum Beispiel auch aus erster Hand Berichte, wie Kinder zum Beispiel in deutschen Communities Deutsch gelernt haben, damit sie sich sprachlich schützen konnten vor Gerede oder vor Gerüchten, dass die Leute wussten, der ist ernst zu nehmen als Kommunikationspartner.“

Afroamerikaner und Afroamerikanerinnen in Texas sprachen meist kein Hochdeutsch, eine systematische Erziehung zur Zweisprachigkeit ist etwas völlig anderes.

„Es waren auf jeden Fall diese Mischvarianten des Deutschen, die sich dort lokal entwickelt hatten. Es war in der Regel nicht Hochdeutsch, obwohl ich auch eine Informantin habe, die deutschen Unterricht dann genommen hat, um eben Hochdeutsch zu lernen, sondern es war die Umgangssprache vor Ort, die wir heute als Texasdeutsch bezeichnen, die für unser Ohr auch etwas kurios klingt. Es gibt viele Anglizismen, die Wortstellung ist nicht immer so wie im Standarddeutschen, die Aussprache variiert stark.“

Wer deutsch sprach hatte größere Chancen auf dem Arbeitsmarkt
Die Kenntnis des Texasdeutschen erleichterte zumindest in den Südstaaten vielen Familien ehemaliger Sklaven bis ins 20. Jahrhundert das wirtschaftliche Überleben. Heute spielen diese Vorteile keine Rolle mehr. Englisch dominiert, deutschsprechende Schwarze sind eine Minderheit, für die sich allenfalls Germanistinnen und Germanisten interessieren. Und die – so der US-Historiker Walter Kamphoefner – sollten sich mit Ihrer Forschung beeilen.

„Laut Linguisten wird geschätzt, dass so um 2040 die letzten Texasdeutschsprecher aussterben werden.“

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Samstag, 17. April 2021, 13:36

Interessante Statistik zur Einwanderung in die USA. Anfangs war Deutschland ganz gut dabei.

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Otto

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Samstag, 24. April 2021, 20:56

Pretzeln“ in Chicago

Chicago galt lange Zeit als die Stadt der Gangster, des Blues und der eisigen Winde. Die Metropole am Michigansee ist aber auch die Stadt der deutschen Einwanderer. Bis heute sieht und spürt man ihren Einfluss.

Zitat

Wir verkaufen mehr Brezeln als irgendetwas anderes“, sagt Mark Steuer, der im Westen von Chicago seit dem Jahr 2018 das „Funkenhausen“ betreibt. Es gilt als eines der besten und angesagtesten Restaurants der Stadt. Zur großen „Pretzel“, wie man die Brezel hier schreibt, serviert er eine hausgemachte Knoblauch-Vinaigrette, in die das Laugengebäck getunkt wird. Man fragt sich, warum man in Deutschland diese Kombination vergeblich sucht. Es schmeckt köstlich. Dazu ein deutsches Bier vom Fass – und schon sind die meisten Gäste zufrieden.
Der Name des Restaurants leitet sich vom Wort „funky“ ab, also „ausgefallen“ oder „flippig“. So sieht der 38-jährige Chef das Konzept: „Mein Restaurant ist ein bisschen verrückt und funky.“ Der große Raum mit der Deckenkonstruktion aus Holz soll ganz bewusst eine deutsche Bierhalle oder ein Bierzelt andeuten. Die Einrichtung ist modern und erinnert mit vielen Details wie einer Kuckucksuhr, einem Straßenschild, das den Weg nach Stuttgart weist, oder einem Hirschgeweih augenzwinkernd auf die deutschen Wurzeln von Mark Steuer.
Sein Vater ist in Lindau am Bodensee geboren, und beide Großeltern mütterlicherseits stammen aus Deutschland. Mark Steuer hat Cousins in Heidenheim und war selbst schon häufig in Deutschland zu Besuch. So verwundert es nicht, wenn man im „Funkenhausen“ neben Ayinger Bier auch Oktoberfestbier oder Maisel’s Hefeweizen vom Fass bekommt.
Auf der Weinkarte findet man einen deutschen Riesling oder Dornfelder. Die raffinierten und frisch zubereiteten Speisen sind aber auch inspiriert von der Küche seiner Kindheit in Charleston im US-Bundesstaat South Carolina. Mark Steuer ist Autodidakt, durch „ganz viel Arbeit und viel Lesen“ hat er sich die Kunst des Kochens selbst beigebracht. Das wissen nicht nur seine deutschen Gäste zu schätzen, weshalb sich eine Reservierung immer empfiehlt. Sein Restaurant konnte nach der coronabedingten Schließung wieder in voller Besetzung durchstarten, sagt der Chef. Nun bekommt man in dem Gebäude aus den 1920er Jahren in der 1709, West Chicago Avenue neben exzellenter Küche auch wieder deutsches Bier vom Fass in Bierkrügen, den sogenannten Steins, oder – wer gerne Aufmerksamkeit auf sich zieht – im Glasstiefel.
Deutsche Kultur in Form von Bier und Essen findet man an vielen Ecken auch in der Innenstadt – im Loop, wie die Einheimischen diesen Bereich nennen. Der Loop bezeichnet die Schleife, die die Hochbahn in Chicagos Banken- und Einkaufsviertel fährt. Es ist nach Manhattan der zweitgrößte Geschäftsbezirk in den USA. Schnitzel mit Kartoffelsalat bekommt man beispielsweise im „The Berghoff Restaurant“. Der Familienbetrieb wird seit 1898 in der mittlerweile vierten Generation betrieben. Und in der Bäckerei „Hannah’s Bretzel“, die mit acht Filialen im Stadtzentrum vertreten ist, gibt es allerlei Laugengebäck. Sie beliefern auch das „Funkenhausen“.
In Chicago, der Metropole im Bundesstaat Illinois, kann man sogar Dirndl und Lederhosen kaufen, um damit eines der Chicagoer Oktoberfeste zu besuchen. Das damalige wie heutige Zentrum der „Germantown“ ist der Lincoln Square mit zahlreichen deutschen Lokalen und Geschäften – mit der Hochbahn knapp 45 Minuten weit vom Zentrum entfernt im Norden der Stadt. Die Deutschen haben sich seinerzeit dort angesiedelt, weil es damals noch große Flächen gab, die landwirtschaftlich bebaut werden konnten. Die Auswanderer haben in Chicago genauso Getreide und Gemüse angebaut wie einst in der deutschen Heimat.
Am Lincoln Square findet man auch das Modegeschäft „Fashions by Ingrid“. Die Inhaberin verkauft seit dem Jahr 1978 in der Lincoln Avenue Trachten. Ingrid erzählt, dass viele ihrer amerikanischen Kunden sich bei ihr für das Münchner Oktoberfest einkleiden. Aber natürlich zählen auch Deutsche, die in Chicago leben, zu ihren Stammkunden.
Nimmt man downtown die braune Linie der U-Bahn und steigt an der Haltestelle Western aus, so begrüßt dort ein Stück Berliner Mauer die Fahrgäste. Draußen steht in der entsprechenden Jahreszeit ein riesiger Maibaum, an der nächsten Einmündung zur Lincoln Avenue füllen deutsche Wurstwaren und andere deutsche Lebensmittel die Auslagen. Leibniz-Kekse sind besonders beliebt – der Butterkeks hat bereits im Jahr 1893 bei der Weltausstellung in Chicago die Goldmedaille für seinen „feinen Buttergeschmack“ erhalten.
Die Deutschen gehörten im Jahr 1870 zur größten ethnischen Gruppe in Chicago. Nach den Iren, die schon seit den 1840er Jahren nach Chicago einwanderten, kamen die „Germans“. Schätzungen zufolge leben auch heute noch etwa eine halbe Million Menschen mit deutschen Wurzeln in Chicago. Mit 2,7 Millionen Einwohnern ist Chicago nach New York und Los Angeles die drittgrößte Stadt der USA.
Im „DANK-Haus“, dem deutsch-amerikanischen Kulturzentrum, das ebenfalls am Lincoln Square angesiedelt ist, mutet die Präsentation deutscher Kultur etwas altmodisch an. Neben der Dauerausstellung befinden sich riesige Festsäle mit Bierzapfanlagen in dem großen Gebäude. Zu manchen Treffen würden ältere Herren in Tracht erscheinen, Frauen seien bis heute nicht bei diesen Zusammenkünften zugelassen, verrät die Museumsleiterin.
Sogar die Architektur Chicagos mit ihren verschiedenen Stilrichtungen ist von einigen namhaften deutschen Architekten geprägt. Da die meisten Gebäude in der Innenstadt 1871 bei dem großen Brand zerstört wurden, bot sich den Architekten in Chicago die Möglichkeit, neues technisches Know-how für den Bau von Wolkenkratzern anzuwenden.
1939 gründete der frühere Bauhaus-Leiter Ludwig Mies van der Rohe sein Architekturbüro in Chicago, später folgte ihm Helmut Jahn, der bis heute eine Niederlassung und einen Wohnsitz in Chicago hat. Jahn kooperierte mit dem Stuttgarter Architekten und Ingenieur Werner Sobek, um Architektur und Ingenieurbaukunst zusammenzuführen. Ein Highlight ist daher die Bootsfahrt auf dem Chicago River, bei der man bedeutende Bauwerke der Stadt bestaunen kann.

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Sonntag, 20. Juni 2021, 19:51

Texas: Der deutscheste Ort der Prärie

Zitat

Man spricht Deutsch, nach wie vor, mitten im Hill Country von Texas. Dort, wo sich im 19. Jahrhundert deutschsprachige Siedler niederließen, werden von den Nachfahren bis heute Bräuche und Traditionen am Leben gehalten – vom Wurstfest bis zum Lebkuchen und mit einem starken Hang zur Volkstümlichkeit.

Es fühlt sich irgendwie sehr deutsch an und trotzdem doch irgendwie anders. Ein bisschen wirkt es, als befände man sich in einem seltsam verschobenen, eigentümlich volkstümlichen Paralleluniversum. So, als wäre man in einer amerikanisierten Deutschland-Version aufgewacht, die sich ein paar Texaner in einem bayerischen Fiebertraum nach zu viel Schweinsstelze und Weißbier ausgedacht haben. „Gemütlichkeit zur Ewigkeit“ prangt da über einer großen Wandmalerei, aus deren wild heimatverbundener Wurstplattenfantasie unter anderem eine strohblonde Dirndlschönheit lächelt.
Die Bäcker von „Naegelin’s“, eröffnet bereits 1868, ein paar Schritte weiter backen das ganze Jahr Lebkuchen, Pfeffernüsse und Apfelstrudel. Und in „Krause’s“-Biergarten stößt man unter den Flaggen mit den Wappen der Stadtgründer-Familien an, während die Kellnerin zum Bier deftige Schnitzel oder Bratwürstel mit Sauerkraut an den Bierbank-Tischreihen serviert. Mittwoch ist Polka-Nacht. Werbung für das nächste Dachshundrennen gibt es auch. Willkommen in New Braunfels! Mitten in Texas.
Schon am Ortseingang wird man dort auf Deutsch begrüßt. Auf einem aufragenden Wassertank steht in übergroßen Buchstaben „In New Braunfels ist das Leben schön“. Wer als Tourist hierherkommt, dürfte daran wenig Zweifel haben. Und gemütlich ist sie auch, diese Kleinstadt, in der die Einheimischen deutscher Abstammung bis heute versuchen, ihre Version deutscher Kultur zu erhalten. Maßgeblich engagiert ist in dieser Hinsicht die „German-American Society“, die eine Möglichkeit zum Austausch bietet und unter anderem eine deutsche Sommerschule organisiert. Frauen gibt es in der Gesellschaft keine. Dafür sind unabhängig vom Familienstand alle anderen Opas – so nennen sich nämlich die Mitglieder. Jüngere, frisch Dazugestoßene sind „kleine Opas“ und bekommen eine grüne Weste. In der nächsten Stufe werden sie „Opa“ mit roter Weste. Schließlich, im hohen Alter dann, bekommen sie den Titel „Senior Opa“. Auch Benno Engel, ein pensionierter Deutschlehrer knapp über siebzig, und der mittfünfzigjährige Anwalt Frank Suhr sind Opa in der Gesellschaft.
„Die deutschen Gemeinschaften in dieser Region lebten über lange Zeit isoliert“, erklärt Engel. Die ersten Generationen heirateten untereinander und bewahrten auf diese Weise ihre Bräuche und ihre Kultur. „Noch in den 70ern sprachen fast alle in New Braunfels Deutsch.“ Heutzutage werden auf den Treffen der deutsch-amerikanischen Gesellschaft die Sprachkenntnisse zwar noch wachgehalten. Verglichen mit damals ist Deutsch im Alltag aber mittlerweile nicht mehr so deutlich präsent. Das deutsche Erbe verschwindet langsam: Nicht nur bei der jüngeren Generation, sondern auch, weil New Braunfels immer mehr wächst und andere Kulturen und Einflüsse dazukommen. Hatte die Stadt Anfang der 70er Jahre 17.000 Einwohner, sind es jetzt mehr als 80.000. „Wir werden amerikanisiert“, sagt Suhr.

Mit großen Träumen über das Meer
Die deutschen Wurzeln von New Braunfels reichen zurück bis ins Jahr 1844. Damals fuhren die Auswanderer, unter ihnen zahlreiche Adelige, von Bremen in Richtung USA und landeten nach der gefährlichen, wochenlangen Atlantik-Überfahrt in Galveston an der texanischen Golfküste. Wie andere Immigranten hatten sie große Träume von einem Neuanfang im Gepäck, als sie von Carl Prinz zu Solms-Braunfels, auch Texas-Carl genannt, empfangen und ins texanische Hill Country geführt wurden. Am Zusammenfluss von Comal River und Guadalupe River kaufte der Prinz schließlich etwas Land und gründete 1845 dort New Braunfels.
Solms selbst setzte sich zwar wenige Monate später schon wieder nach Deutschland ab, und auch aus der ursprünglich geplanten, deutschen Kolonie wurde nichts. Die anderen Auswanderer blieben jedoch und werkelten an ihrem neuen Leben in dieser sanft hügeligen, grünen Gegend, die Erinnerungen an Hessen oder die Eifel wachrufen. Das soll tatsächlich einer der Gründe gewesen sein, warum die Siedler sich hier niederließen. Das zottelig von vielen Bäumen hängende Spanische Moos, so wird zumindest gern augenzwinkernd kolportiert, soll sie zudem an Sauerkraut erinnert haben.
Auf das Erbe dieser Vorfahren sind viele New Braunfelser wie Suhr und Engel bis heute stolz. Ihr Bild von deutscher Kultur wirkt einerseits etwas aus der Zeit getrudelt und ist andererseits stark süddeutsch geprägt: von alten Traditionen und von Lederhosen, Bier, Dackeln und nicht zuletzt natürlich von der Wurst. Das legendäre Event des Jahres ist schließlich das „Wurstfest“. Hunderttausende amüsieren sich dann deutschlandselig unter dem Motto „Sprechen Sie Fun?“. Zu keinem deutschen Volksfest in den USA kommen mehr Besucher.
Ein legendäres „Wurstfest“ gibt es im rund hundert Kilometer entfernten Fredericksburg, eine weitere deutsche Siedlung in Texas, zwar nicht. Dafür wird jedes Jahr aber das Oktoberfest zünftig gefeiert – und darüber hinaus stößt man auch hier vielerorts auf deutsche Spuren. Ein Blickfang dort ist die achteckige Vereinskirche. Ursprünglich wurde sie 1847 fertiggestellt und diente als Kirche, Schule und Treffpunkt. Nach dem Abriss fünfzig Jahre später wurde sie 1935 wieder neu errichtet. Heute beherbergt die „Kaffeemühle“ ein kleines Museum.

"Pioneer Museum"
Eine sehr anschauliche Reise in die Vergangenheit der deutschen Siedler gibt es zudem nicht weit entfernt im „Pioneer Museum“. Dort sitzt Evelyn Weinheimer im musealen Klassenraum eines alten Schulhauses und erzählt über die Ausstellung historischer Gebäude – mit einer leicht hessischen Färbung, die sich selbst über die Generationen nicht herausgewachsen hat. Auf dem Gelände ist zu sehen, wie die Siedler einst in den Blockhütten lebten. Auch sogenannte „Sonntagshäuser“ stehen dort. „Das waren kleine Holzgebäude, die die Farmer am Wochenende nutzten, wenn sie in die Stadt kamen, um ihre Waren zu verkaufen, zum Tanz zu gehen und den Gottesdienst zu besuchen“, sagt die 72-Jährige.

Deutsches Reinheitsgebot
Auch außerhalb der Museen, im Hier und Jetzt, sind die deutschen Ursprünge noch sichtbar. In der „Altstadt Brewery“ etwas außerhalb beispielsweise wird seit nicht allzu langer Zeit Craft-Bier nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut. Auf der Main Street zwischen all den individuellen Shops, Boutiquen und Antiquitätengeschäften findet man eine deutsche Bäckerei, deutsche Restaurants und zahlreiche Anspielungen auf Deutsch. Mit einem etwas anderen Ansatz überrascht etwas versteckt in einer Parallelstraße das Restaurant „Otto’s“ von John Washburne. Der 34-Jährige wuchs in Dallas auf, wo Dirk Nowitzki zu seinen Jugendhelden gehörte. Er mag Filme von Fassbinder und die Musik von Kraftwerk. Als Jugendlicher trank er auf einer Deutschlandreise mit seinen Eltern sein erstes Bier – in einem türkischen Imbiss. Seitdem kehrte er immer wieder zurück, und das merkt man durchaus.
„Das deutsche Essen ist in den USA falsch dargestellt, es ist meist bayerisches Essen, tatsächlich aber gibt es ja noch viel mehr“, sagt Washburne in seinem kleinen Restaurant im Bistro-Stil, das ohne Deutschlandflaggen und Volkstümelei auskommt. So stehen zwar auch im „Otto’s“ Sauerkraut und Bratwurst auf der Karte. Es kommen aber auch Varianten von Spätzle, Flammkuchen, manchmal sogar Döner Kebab auf den Tisch. Einen etwas moderneren, weiter gefassten Blick auf Deutschland gibt es also durchaus – und gemütlich ist es dabei trotzdem.

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