Die Seattle Seahawks mit Quarterback Sam Darnold haben beim Super Bowl LX die New England Patriots in Grund und Boden gespielt. Beim Champion feierte Kicker Jason Myers eine historische Nacht: Zum 29:13 im Stadion von Santa Clara in Kalifornien trug er gleich fünf Field Goals bei - das gab es noch nie.
Das Duell zwischen dem NFC Champion und dem AFC Champion, also den beiden besten Teams der regulären Saison in der US-Football-Liga NFL, war von Beginn an ein Fest für Fans brillanter Abwehrarbeit. Auf beiden Seiten überragten zunächst die Defensivreihen, ließen wenig Raum für spektakuläre lange Pässe oder tiefe Läufe. Was die Offensive der Patriots anbelangte, war die erste Halbzeit sogar eine historische Enttäuschung: Ganze 48 Yards bekam das Team um Drake Maye in zwei Vierteln zustande, das war der drittschlechteste Wert im 60. Super Bowl. Immer wieder wirkte der junge Quarterback von New England in den entscheidenden Versuchen überfordert, hatte wenig Zutrauen in seine überragenden Fähigkeiten, bekam aber auch von seiner O-Line permanent viel zu wenig Zeit, um glänzen zu können.
Auf der anderen Seite spielte der in seiner Karriere immer wieder durch Enttäuschungen gestählte Sam Darnold vor allem unter Druck sehr stabil. Das einzige Manko: In den dritten Versuchen in Nähe der Patriots-Endzone verpasste er die Big Points, entweder seine Pässe kamen nicht an oder New England stoppte das Laufspiel. Die Folge: Trotz der drückenden Überlegenheit gelang den Seahawks kein Touchdown, es reichte dreimal nur zum Field Goal durch Kicker Jason Myers.
Nach der vor allem vom Bühnenbild her herausragenden Halftime-Show von Superstar Benito Antonio Martínez Ocasio, besser bekannt als Bad Bunny, begann auch das dritte Viertel wie eine Kopie der ersten Hälfte. Darnold trieb sein Team schnell und präzise über das Feld, doch im entscheidenden Drive reichte es wieder nicht zum Touchdown. Myers durfte zum vierten Field Gold antreten und hatte ein bisschen Glück, dass sein Versuch aus 41 Yards knapp innerhalb der Stangen landete: 12:0 - New England wartete immer noch auf die ersten Punkte.
Auf der anderen Seite wurde Maye direkt anschließend wieder sehr schnell gestoppt, danach sah man an der Seitenlinie, dass er schon sehr viel Trost und Zuspruch von seinen Kollegen brauchte. Seine Horror-Statistik 3:45 Minuten vor Ende des dritten Viertels: Nur zwei von zehn dritten Versuchen hatte er erfolgreich gestaltet. Achtmal musste sein Team also zum Punt greifen, um das Spielgerät möglichst weit in die gegnerische Hälfte zurückzubefördern, statt auch mal für ein eigenes Erfolgserlebnis sorgen zu können.
Seattle hätte diese komplette Rat- und Hilflosigkeit der Patriots allerdings noch deutlich härter bestrafen können. Auch Darnold leistete sich viele schwache Anspiele, vor allem die Pässe auf Routinier Cooper Kupp kamen immer wieder in den Rücken. Kurz vor Ende des dritten Durchgangs lag die Erfolgsquote des Quarterback der Seahwaks auch nur bei 13 von 29 - war damit aber immer noch um Längen besser als bei Totalausfall Maye.
Zehn Sekunden vor Ende des dritten Viertels setzte es dann die nächste und bereits vorentscheidende Ohrfeige für New England. Wieder leistete sich die O-Line der Patriots einen kollektiven Blackout. Die Seahwaks kamen mit vier Mann durch und Maye musste bereits den fünften (!) Sack im Verlauf dieses Endspiels schlucken - diesmal verlor er dabei sogar den Ball.
Den daraus folgenden Ballbesitz nutzte Seattle zum endgültigen Knockout. Bei einem schwierigen dritten Versuch fand Darnold einmal mehr Kupp, der in Abwesenheit des zwischenzeitlich verletzt fehlenden Top-Receivers Jaxon Smith-Njigba plötzlich immer wichtiger wurde. Anschließend war dann auch endlich der erste Touchdown des Abends fällig: 1:36 Minuten waren im letzten Viertel gespielt, als Darnold mit einem guten Pass auf die rechte Seite der Endzone Albert Javonte "AJ" Barner erreichte: Mit dem Extrapunkt von Myers stand es damit 19:0.
Die Patriots waren damit im Prinzip aus dem Rennen, sie hätten die Magie eines Tom Brady gebraucht, um das nun benötigte Comeback hinzulegen. Einen kleinen Ansatz lieferte dann aber tatsächlich der indirekte Nachfolger des "GOAT": Unter größtem Druck feuerte der Youngster plötzlich zwei Hammer-Pässe ab, die beide bei Mack Hollins landeten - der zweite kam tatsächlich in der Endzone an: 7:19, und noch waren rund zwölf Minuten zu spielen.
Anschließend erhöhte Maye das Risiko. Einmal erlief er mutig selbst das First Down, zwei weitere Versuche aber wirkten schon beinahe wie Hail-Mary-Pässe - allerdings mehr von Verzweiflung als von Hoffnung getragen. Der zweite dieser beiden wilden Anspiele war dann auch das Ende des Liedes: Interception, Ballbesitzwechsel zu den Seahawks, die in Person von Myers mit seinem fünften Field Goal dieser Partie auf 22:7 erhöhte - damit stellte er einen alleinigen Kicker-Rekord auf.
Danach ging es nur noch um Ergebniskosmetik, die ersten Fans der Patriots verließen bereits fluchtartig das Stadion. Sie verpassten einen weiteren Seahawks-Touchdown durch Uchenna Nwosu, anschließend konterten nochmal die Patriots durch Rhamondre Stevenson - 29:13 hieß es am Ende, als Seattles Coach Mike Macdonald die obligatorische Gatorade-Dusche abbekam. Der überragende Running Back Kenneth Walker hätte kurz vor dem Ende beinahe auch noch einen Touchdown gefeiert. Der Lohn für seine Top-Vorstellung - für die er auch als "MVP" ausgezeichnet wurde - scheiterte aber an einer Strafe gegen einen Teamkollegen.
Sam Darnold erklärte bei der Siegerehrung anschließend, wie es nach all den Rückschlägen in seiner Karriere zu diesem Triumph kommen konnte: "Unser Mindset war es, immer zusammenzuhalten, nie aufzugeben und in jedem Training alles zu investieren. Wir hatten eine absolut überragende Defensive, bei der müssen wir uns heute besonders bedanken."