Architektur für eine bessere Welt: Vereinte Nationen eröffnen ihr Hauptquartier
ZitatAlles anzeigenAm 9. Januar 1951 wird das UN-Hauptquartier in New York offiziell in Dienst genommen. Die markanten Bauten am Ufer des East River drücken eine tiefe Hoffnung aus: auf Frieden
Noch während die letzten Kämpfe des Zweiten Weltkrieges auf dem Globus wüten, treffen sich Vertreter von 50 Ländern in San Francisco, um über die Gründung einer dem Frieden zwischen den Völkern gewidmeten internationalen Organisation zu beraten. Der Konferenz sind zahlreiche Gespräche zwischen den Alliierten im Kampf gegen das NS-Regime und dessen Verbündete vorausgegangen. Und so enden die Beratungen in San Francisco bereits nach zwei Monaten am 26. Juni 1945 mit der feierlichen Unterzeichnung der UN-Charta, dem Gründungsvertrag der Vereinten Nationen, der am 24. Oktober desselben Jahres in Kraft tritt. Getragen von der Vision einer besseren, auf den Grundsätzen der Gerechtigkeit und des Völkerrechtes fußenden Zukunft. Und noch im selben Jahr unterzeichnet von Polen als 51. Staat.
Nie wieder, so die Hoffnung der beteiligten Nationen, sollte ein Krieg wie der gerade durchlittene von der Menschheit ausgehen. Streitigkeiten welcher Art auch immer sollten künftig friedlich gelöst werden, durch Gespräche und Diplomatie, nicht durch Gewalt und Waffen.
Anfangs ist jedoch noch völlig unklar, wo der Hauptsitz der Organisation liegen soll. Tagungsorte wie Genf und London sind im Gespräch, dann einigt man sich auf einen Sitz in den USA, vielleicht in San Francisco? Oder Philadelphia? Den Ausschlag für New York, genauer Manhattan, gibt am Ende eine großzügige Spende des Geschäftsmanns und Philanthropen John D. Rockefeller Jr. Dieser hat das ehemalige Schlachthofgelände am East River für 8,5 Millionen Dollar kurzerhand erworben und es im Dezember 1946 den Vereinten Nationen geschenkt. Die Stadt New York, die USA und einige weitere UN-Mitglieder beteiligen sich ebenfalls.
Ganz im Geist der jungen Vereinten Nationen ist klar, dass es ein internationales Architektenteam sein muss, das den Komplex gestaltet. Im Januar 1949 wird der Bauauftrag vergeben, die Planungsleitung übernimmt der US-Amerikaner Wallace K. Harrison, dem gestalterischen Ausschuss gehören Nikolai G. Bassov (Sowjetunion), Gaston Brunfaut (Belgien), Ernest Cormier (Kanada), Le Corbusier (Frankreich), Su-Cheng Liang (China), Sven Markelius (Schweden), Oscar Niemeyer (Brasilien), Howard Robertson (Großbritannien), G. A. Soilleux (Australien) und Julio Vilamajo (Uruguay) an.
Was sie entwerfen und in Rekordzeit vollenden, gilt heute als Ikone der Architektur. Als Musterbeispiel des internationalen Stils, der sich durch seine Klarheit, den minimalistischen Einsatz von Ornamenten und zugleich viel Tageslicht auszeichnet. Dabei werden alle verwendeten Materialen so genutzt, dass sie das ihnen eigene Potenzial bestmöglich entwickeln können, etwa durch die Beschaffenheit ihrer Oberflächen.
Bereits am 9. Januar 1951, nach zwei Jahren Bauzeit, wird das Hauptquartier mit dem Büroturm und angrenzenden Gebäuden offiziell dem damaligen UN-Generalsekretär übergeben. Das Gelände, das John D. Rockefeller Jr. den Vereinten Nationen geschenkt hat, ist übrigens staatenlos. Es untersteht allein der Verwaltung der Organisation, deren Hauptauftrag so wichtig ist wie lange nicht mehr: den Weltfrieden zu bewahren.