Doch kein Supplemental Draft
ZitatAlles anzeigenDie NFL hat eine Entscheidung verkündet, die zumindest in einem Lager für lange Gesichter gesorgt haben dürfte: Es wird in diesem Jahr keinen Supplemental Draft geben. Was in jeder anderen Saison wohl maximal ein Achselzucken hervorgerufen hätte, bedeutet in diesem Fall, dass Quarterback Brendan Sorsby auch hier – aber grundsätzlich selbstverschuldet – mit leeren Händen dasteht.
Es ist die neueste Wendung in einer fast schon Achterbahnfahrt-gleichen Offseason für den 22-jährigen Sorsby. Nach einer Wettaffäre um den designierten Texas Tech Quarterback hatte sein Anwalt nach ursprünglicher Sperre einen Richter – natürlich in Texas - gefunden, der die Sperre reduziert beziehungsweise egalisiert hatte.
Sorsby hatte zugegeben in den letzten Jahren einen Wettumsatz von gut 90.000 Dollar in vier Jahren angesammelt zu haben; dabei hatte er auch auf sein eigenes Team, die Indiana Hoosiers, gewettet. Alles ein klarer Verstoß gegen die Richtlinien der NCAA.
Es folgte viel öffentlicher Gegenwind und mehrere Ankündigungen von Klagen. Statt eines weiteren erstrittenen Jahres am College wollte Sorsby dann via Supplemental Draft in die NFL zu wechseln. Diese Spielform hatte es zuletzt vor drei Jahren gegeben; damals war aber keiner der zwei angebotenen Spieler, Jackson State Wide Receiver Malachi Wideman und Purdue Wide Receiver Milton Wright, "erworben" worden.
Der Supplemental Draft funktioniert wie eine stille Auktion. Als er vorletztes Mal 2019 durchgeführt wurde, war er nach gut 75 Minuten beendet. Die Teams können auf einen Spieler einen Draftpick des nächsten Jahres bieten; dies passiert per Email und Runde für Runde. Würden zwei Mannschaften den gleichen Pick für einen Spieler bieten, so hat die NFL ein Formelsystem, wer den Zuschlag bekommen würde (lose anhand der Bilanz des Vorjahres).
Auf einen Spieler kann dann geboten werden, wenn er die High School vor mindestens drei Jahren verlassen hat, vor seinem letzten Collegejahr stehen würde, aber dahin nicht zurückkehren kann. Das liegt entweder an zu schlechten Noten oder hat disziplinarische Gründe; beides sind mehr oder weniger "rote Flaggen" für die Teams und so verwundert es nicht, dass der "Spielerabsatz" immer relativ überschaubar war.
Als der Supplemental Draft 2019 zuletzt mit einer Spielerverpflichtung durchgeführt worden war, verpflichteten die Arizona Cardinals Safety Jalen Thompson mit einem Fünftrundenpick (2020). Ein Pick, der sich voll ausgezahlt hat: In sieben Jahren kam Thompson bisher auf 99 Partien mit 87 Starts.Bei den Cardinals verdiente er in den sieben Jahren gut 41 Millionen Dollar, im Frühjahr unterschrieb er bei den Dallas Cowboys für "bis zu" 33 Millionen.
2022 gab es wie später 2024 und 2025 ebenfalls keinen Supplemental Draft. Und grundsätzlich ist es kein "Muss", dass er durchgeführt wird. Eine Regelung, auf die die NFL jetzt nachdrücklich hingewiesen hat. Ein absolut cleverer Schachzug, denn einerseits möchte man wohl kaum die Negativschlagzeilen eines wettsüchtigen Spielers – und dann ausgerechnet Quarterbacks, wenn man auf der anderen Seite Multimillionen mit Werbeverträgen der Wettanbieter verdient.
Zudem wäre auch ein Team, das ihn verpflichtet hätte, mit Argusaugen der Fans betrachtet worden. Auch hier kann man davon ausgehen, dass es viel Kritik geben würde. All das erspart sich die Liga jetzt mit der Absage des Supplemental Drafts.
Sorsby ist der Leidtragende, denn er kann jetzt weder am College noch in der NFL auflaufen. Zuviel Mitleid muss man aber keineswegs haben, denn er hat mit viel (krimineller) Energie gegen glasklare Regeln verstoßen und muss die selbst eingebrockte Suppe jetzt eben auslöffeln.