Du bist nicht angemeldet.

Otto

Moderator

  • »Otto« ist männlich
  • »Otto« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 9 323

Registrierungsdatum: 11. Januar 2012

Wohnort: Niederrhein

  • Private Nachricht senden

1

Freitag, 9. November 2018, 19:36

Vor 100 Jahren - Novemberrevolution - Deutschland wird Republik

100 Jahre deutsche Republik: Nichts steht geschrieben

Zitat

In der Rückschau läuft alles oft auf Hitler zu: von Luther zu Hitler, von Bismarck zu Hitler, von Wilhelm II. zu Hitler. Und war nicht die Weimarer Republik von vornherein zum Scheitern verurteilt? Das war sie nicht. Solche zwanghaften Zwangsläufigkeiten gibt es nur aus heutiger Sicht. Bei allen interessanten Kontinuitäten: Die deutsche Geschichte war damals so offen, wie sie es heute ist.
So auch bei der Ausrufung der Republik vor hundert Jahren und beim Waffenstillstand zwei Tage später, am 11. November 1918. Auch wenn die Nachgeborenen von zwei verlorenen Weltkriegen sprechen, so waren diese beiden fürchterlichen Großbrände grundverschieden, und so unterschiedlich war auch ihr Ende. 1918 war Deutschland zunächst nicht und später nur zu geringen Teilen besetzt. Das Heer stand tief in Frankreich. Noch im Frühjahr ließ eine Offensive Hoffnung auf einen Sieg aufkommen. Umgekehrt ist heute weitgehend unbekannt, dass im Reich wegen der Blockade gehungert wurde. Doch die Revolution ging von Soldaten aus, die sich nicht länger verheizen lassen wollten. Die Matrosen meuterten, und das Volk schickte seine Monarchen weg.
Das war eine große Umwälzung. Früher als in manchen „älteren“ Demokratien erhielten Frauen das Wahlrecht. Es war zugleich ein Neubeginn, der sich durchaus auf eine demokratische, eine rechtsstaatliche Tradition stützen konnte – auf die der Paulskirchenverfassung. Daran konnte Weimar anknüpfen mit einer Verfassung, die echte Grundrechte gewährte und die so schlecht nicht war, jedenfalls nur so gut sein konnte, wie sie mit Leben gefüllt wurde.
Immerhin war schon das Kaiserreich, wenn nicht nach gegenwärtigen Maßstäben, so doch auf gewisse Weise ein demokratischer Rechtsstaat gewesen. Vor allem war es eine Wirtschafts- und Wissenschaftsmacht von Weltrang. So startete die junge Republik mit großen Erwartungen und mit Belastungen, die aus dem Krieg herrührten.

Gab es den „Dolchstoß“? Oder war er nur Legende? Auch Friedrich Ebert versicherte den heimkehrenden Soldaten freilich, dass kein Feind sie besiegt habe. Das Gefühl, die kämpfende Truppe sei „verraten“ worden, war nicht nur in Deutschland verbreitet. „The Donkeys“ nannte der britische Historiker und Politiker Alan Clark sein Buch über die britischen Generäle im Ersten Weltkrieg – die Esel. In Frankreich wurde Stanley Kubricks eindringlicher Spielfilm „Paths of Glory“ von 1957, der das Verheizen und Hinrichten französischer Soldaten durch die eigenen Offiziere im Ersten Weltkrieg thematisiert, erst 1975 gezeigt.

Ist der Schoß noch fruchtbar?
In Deutschland beschloss der verwundete Soldat Adolf Hitler, Politiker zu werden, wie er das später darstellte. Authentisch war jedenfalls die Erfahrung des Krieges, die er mit Millionen teilte. Wie konnte es geschehen, dass viele der Veteranen, die das Schlachten überlebt hatten, bald wieder die Waffen in die Hand nahmen, zunächst in paramilitärischen Verbänden auf den Straßen der jungen Republik? Wie war es möglich, dass sie in einen noch größeren Krieg zogen und halfen, einen Völkermord möglich zu machen? Ob aus Zwang, überkommenem Pflichtgefühl oder aus Überzeugung: Sie marschierten in einen noch schrecklicheren Krieg mit noch mehr Opfern. Die Völker der Welt reagierten darauf mit der Gründung der Vereinten Nationen und der Ächtung des Krieges; aber einen dauerhaften, die Welt umspannenden Frieden gibt es nicht.
Ist der Schoß noch fruchtbar? Diese Frage stellt sich heute wieder. Offenbar darf die allgemeine Fähigkeit, aus der Geschichte zu lernen, nicht überschätzt werden. Dazu muss man sie freilich erst einmal kennen. Parallelen zu damals scheinen immer wieder auf, wenn auch in einem deutlich anderen Umfeld. Es hat sich gezeigt, dass ohne eine gefestigte rechtsstaatliche Ordnung auch eine Demokratie kippen kann. Die Vorstellung in manchen mittelosteuropäischen Ländern, dass eine Mehrheit im alleinigen Besitz der Wahrheit sei und sich Justiz und Medien gefügig machen könne, wie es ihr gefällt, zeigt diese Verletzlichkeit auch unter Mitgliedern der Europäischen Union. Der beschlossene Austritt Großbritanniens aus diesem Projekt des Friedens und des Rechts sowie die verbreitete Spaltung westlicher Gesellschaften machen deutlich: Es gibt keine Bestandsgarantie für Institutionen – sei deren Gründung von einer noch so großen Mehrheit getragen oder seien sie aus Katastrophen hervorgegangen.

Niemand ist grundsätzlich gegen Willkür- und Gewaltherrschaft gefeit. Auch schreckliche Erfahrungen und eine noch so gute Verfassung sind keine Garantie. Jedes Recht, und erscheine es noch so naturgegeben, muss auch in der Republik immer wieder erkämpft und verteidigt werden. Das ist eine Lehre aus jenem gar nicht so fernen Krieg, in dem vor hundert Jahren die Waffen einstweilen schwiegen.

Link



Und weiter:
Der 11. November 2018 ist der 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkriegs. Wer damals in den Krieg eintrat und wie er dann endete.

Erster Weltkrieg endete vor 100 Jahren: Das muss man wissen
USA 1980 - Florida 1989 - Südwesten 2004 - West-Kanada 2005 - Südwesten 2008 - Florida 2009 - Südstaaten 2009
Bei wahrscheinlich USA-Stammtisch Treffen dabei gewesen
Schöne Grüße
Otto

sepp

USA Entdecker

  • »sepp« ist männlich

Beiträge: 3 419

Registrierungsdatum: 13. Januar 2012

Wohnort: Düsseldorf

Beruf: Privatier

  • Private Nachricht senden

2

Montag, 12. November 2018, 19:09

Leider war ja zu meiner Schulzeit (in den 50/60er Jahren) der Geschichtsunterricht auf das Mittelalter und Karl den Großen etc. und das Auswendiglernen von irgendwelchen Daten beschränkt. Und das ist auch danach noch eine ganze Weile so geblieben. Langweiliger kann Geschichtsunterricht wohl kaum sein. Wer nicht, wie ich an Geschichte grundsätzlich interessiert ist, hat sich das vermutlich auch nachher nicht draufgeschafft. In der Zeit wurde alles was auch nur im entferntesten mit dem letzten Jahrhundert zu tun hat, sei es die Weimarer Republik oder gar die Hitlerzeit totgeschwiegen, und zwar sowohl an den Schulen, wo ja viele Lehrer genau noch aus dieser Zeit kamen und vielfach auch entsprechend belastet waren. (Aus eigener Erfahrung weiß ich, wovon ich hier spreche), als auch im privaten Umfeld, und zwar aus den verschiedensten Gründen.
Eine Aufarbeitung begann ja erst mit den heute teilweise verteufelten 68ern.
In diesem Zusammenhang muss man es sehen, dass heute immer noch viele Leute einfach keine Ahnung haben, was in dieser Zeit stattgefunden hat. Man kann es auch einfach nur fehlende Bildung nennen. Und zwar damals wie heute. Es sind und waren in erster Linie die bildungsfernen Leute, die als erste den rechten Arm hochgestreckt haben. Die Dinge haben ihren Lauf genommen, weil viele Leute einfach den Rattenfängern unwissentlich hinterher gelaufen sind. Und genau so ist es heute.

Uli

FreixeNett

  • »Uli« ist weiblich

Beiträge: 2 071

Registrierungsdatum: 10. Januar 2012

Wohnort: Bullerbü ♥

Beruf: nur noch 5 Kreuzfahrten ☺

  • Private Nachricht senden

3

Dienstag, 13. November 2018, 08:25

Da hast du Recht, Sepp. Auch bei uns wurde die jüngste Geschichte ausgelassen.
Ich meine mich noch zu erinnern, dass das sogar begründet wurde, hab den Grund aber vergessen.
Grüßle, Uli
Bisher Treffer


Uli

FreixeNett

  • »Uli« ist weiblich

Beiträge: 2 071

Registrierungsdatum: 10. Januar 2012

Wohnort: Bullerbü ♥

Beruf: nur noch 5 Kreuzfahrten ☺

  • Private Nachricht senden

4

Dienstag, 13. November 2018, 08:30

Vor 100 Jahren: Frauen erkämpfen das Wahlrecht

Was noch vor 100 Jahren passierte:

Zitat

Vor 100 Jahren wurde der lange Kampf der Frauen endlich belohnt: Der 12. November 1918 gilt als die Geburtsstunde des Frauenwahlrechts in Deutschland.
"Meine Herren und Damen! Es ist das erste Mal, dass in Deutschland die Frau als Freie und Gleiche im Parlament zum Volke sprechen kann. Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: Sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist." Mit diesen Worten ergreift Marie Juchacz am 19. Februar 1919 als erste Frau in einem deutschen Parlament das Wort. Die Sozialdemokratin ist eine von 37 Frauen, die in die Nationalversammlung gewählt wurden, die später die Weimarer Verfassung verabschiedet.


Quelle: NDR.de
Grüßle, Uli
Bisher Treffer


McRonny

Thomas & Ela

  • »McRonny« ist männlich

Beiträge: 902

Registrierungsdatum: 12. Januar 2015

Wohnort: Berlin

  • Private Nachricht senden

5

Dienstag, 13. November 2018, 10:20

Wer sich mit dem Thema auseinandersetzen möchte, sollte mal

von
"Gerd Schultze-Rhonhof - 1939 - Der Krieg, der viele Väter hatte" lesen. Nicht ganz Billig (19€ - Amazon 46€)

Liest sich wie ein Krimi. Erschreckend sind zum Teil die Parallelen zur Heutigen Zeit.
LG

McRonny


- Ah Nitroglyzerin, vor Gebrauch schütteln. -

Wieviel war's? Mehr als Stammtischtreffen.

McRonny on Tour

sepp

USA Entdecker

  • »sepp« ist männlich

Beiträge: 3 419

Registrierungsdatum: 13. Januar 2012

Wohnort: Düsseldorf

Beruf: Privatier

  • Private Nachricht senden

6

Dienstag, 13. November 2018, 11:18

Ich meine mich noch zu erinnern, dass das sogar begründet wurde, hab den Grund aber vergessen.

Womit auch immer es begründet wurde, der Grund war vorgeschoben. Man darf nicht vergessen, dass ein Großteil, bzw. nahezu alle Lehrer der damaligen Zeit noch in den 30/40ern oder sogar früher sozialisiert und ausgebildet wurden. Da waren dann auch dementsprechend viele ehemalige Nazis dabei. Auch solche, die diese Gesinnung auch danach noch gehabt haben. Ich erinnere mich z.B. an einen Rektor und einen Kaplan, die einen Spaß daran hatten die Kinder zu züchtigen. Oder meinen Klassenlehrer in der Sexta, ein strammer Nazi durch und durch, wegen dem mein Leben in eine komplett andere Richtung gelenkt wurde. Wie sollte von solchen Leuten ein vernünftiger Geschichtsunterricht durchgeführt werden ?

7

Dienstag, 13. November 2018, 12:12

Wer sich mit dem Thema auseinandersetzen möchte, sollte mal

von
"Gerd Schultze-Rhonhof - 1939 - Der Krieg, der viele Väter hatte" lesen. Nicht ganz Billig (19€ - Amazon 46€)

Liest sich wie ein Krimi. Erschreckend sind zum Teil die Parallelen zur Heutigen Zeit.

... bin mir nicht sicher, ob ich mir das antun werde: Link zu Wikipedia


Viele Grüße,

Nick (:hutab:)
"Drivin' in the sun ... looking out for #1"

McRonny

Thomas & Ela

  • »McRonny« ist männlich

Beiträge: 902

Registrierungsdatum: 12. Januar 2015

Wohnort: Berlin

  • Private Nachricht senden

8

Dienstag, 13. November 2018, 13:38

Wer sich mit dem Thema auseinandersetzen möchte, sollte mal

von
"Gerd Schultze-Rhonhof - 1939 - Der Krieg, der viele Väter hatte" lesen. Nicht ganz Billig (19€ - Amazon 46€)

Liest sich wie ein Krimi. Erschreckend sind zum Teil die Parallelen zur Heutigen Zeit.

... bin mir nicht sicher, ob ich mir das antun werde: Link zu Wikipedia


Viele Grüße,

Nick (:hutab:)



Diese Entscheidung kann die keiner abnehmen (:ratlos:) Ich möchte auch keine Diskussion zu Wikipedia beginnen, nur soviel. Wenn ich wissen möchte welchen Durchmesser der Mond hat, die USA hat wie viele Bundesstaaten oder die Photosynthese funktioniert wie. Da ist Wiki sehr gut. :thumbsup:

Alles was mit Politik zu tun hat bei Wiki, ist meist Zielgerichtet und spiegelt oft die persönlich Einstellung des Autors zum Thema dar. Ein Lexikon hat aus meiner Sicht grundsätzlich neutrale Fakten aufzuzeigen. Aber auch das ist eher meine Meinung (:Pfeif:)
LG

McRonny


- Ah Nitroglyzerin, vor Gebrauch schütteln. -

Wieviel war's? Mehr als Stammtischtreffen.

McRonny on Tour

Ähnliche Themen